Tipps für den ersten Arbeitstag Keine Bange, noch gilt der Welpenschutz

Wie lange können Berufseinsteiger mit Milde der Kollegen rechnen? Und sollten sie beim Start forsch oder bescheiden auftreten? "Erst mal zurücklehnen und zuhören", rät Personalerin Marita Joeris im Interview. Sie begleitet beim Pharmariesen Merck neue Mitarbeiter im Unternehmen.

Hinein in den neuen Job: "Niemand erwartet, dass sie am ersten Tag die Firma retten"
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Hinein in den neuen Job: "Niemand erwartet, dass sie am ersten Tag die Firma retten"


KarriereSPIEGEL: Frau Joeris, beim Start in einen neuen Job sind viele Menschen verunsichert und grübeln, wie sie sich in kleinen und großen Fragen am besten verhalten. Zum Beispiel: Wann sollte ich Einstand feiern?

Joeris: Niemals am ersten Arbeitstag. Ich würde ein bis drei Wochen warten, um vorzufühlen, was in meiner Abteilung üblich ist, also wann man feiert und was man ausgibt. Aber Vorsicht: Viel hilft nicht immer viel. Wer die halbe Belegschaft mit Kaviarhäppchen versorgt, während es sonst üblich ist, im kleinen Kreis einen selbstgebackenen Kuchen auszugeben, fällt negativ auf.

KarriereSPIEGEL: Manche Einsteiger warten mit dem Einstand, bis sie die Probezeit überstanden haben.

Joeris: Das finde ich zu spät, weil es so eine gewisse Unsicherheit vermittelt - bis dahin glaubt man nicht wirklich daran, im Unternehmen zu bleiben. Da darf man ruhig etwas mehr Selbstbewusstsein an den Tag legen.

KarriereSPIEGEL: Wie erleben Sie die Kollegen denn an ihrem ersten Arbeitstag?

Joeris: Natürlich sind die meisten aufgeregt. Die Nervosität führt bei einigen dazu, dass sie stiller sind als sonst und abwarten, was auf sie zukommt. Andere werden dagegen sehr lebendig, stellen viele Fragen und ziehen die Aufmerksamkeit auf sich.

KarriereSPIEGEL: Und was ist Ihnen als Personalerin lieber?

Joeris: Man sollte sich zunächst mal zurücklehnen und zuhören. Wir veranstalten einmal im Monat klassische Einführungsveranstaltungen, bei denen wir das Unternehmen vorstellen und eine Werksführung anbieten. Dabei gehen wir in Vorleistung, die Einsteiger müssen erst mal nichts weiter machen als zuzuhören und sich zu entspannen - eben weil wir wissen, dass sie in der Regel nervös sind.

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KarriereSPIEGEL: Man sollte am ersten Tag also nicht zu offensiv sein?

Joeris: Genau. Niemand erwartet von ihnen, dass sie am ersten Tag die Firma retten. Da geht es ums Kennenlernen der Firma und der Abteilung. Es gibt bei unseren Einführungsveranstaltungen ab und zu Mitarbeiter, die an der Werksführung nicht teilnehmen, weil sie gleich an den Schreibtisch wollen. Das kommt nicht so gut an.

KarriereSPIEGEL: Wie lange sollte ich am ersten Tag arbeiten?

Joeris: Machen Sie keine Überstunden. Am ersten Tag kann man einfach noch nichts Produktives leisten. Das erwartet auch niemand. Sehen Sie sich vorher Ihren Vertrag an, halten Sie sich an die normale Arbeitszeit.

KarriereSPIEGEL: Wie geht man am besten mit den neuen Kollegen um?

Joeris: Aufgeregt in der Abteilung umherzulaufen und forsch auf die Kollegen zuzugehen, ist unangebracht. Auch hier rate ich: Bleiben Sie ruhig, warten Sie erst einmal ab, bis man auf Sie zukommt. Die Frage, wer auf wen zugeht, stellt sich oft auch gar nicht, weil der Vorgesetzte Sie normalerweise den Kollegen vorstellt.

KarriereSPIEGEL: Am besten spiele ich also die Schüchterne…

Joeris: Auf keinen Fall. Natürlich sollte man neugierig sein und Fragen stellen. Und man darf selbstverständlich auch die Initiative ergreifen, sich Kollegen vorstellen und Kontakte knüpfen. Aber manchmal führt die Aufregung dazu, dass neue Mitarbeiter übereifrig werden. Das sollte man vermeiden.

KarriereSPIEGEL: Gibt es etwas, das ich am ersten Arbeitstag auf keinen Fall vergessen darf?

Joeris: Im Gegenteil, bringen Sie lieber gar nichts mit. Jegliche Form von Reviermarkierung sollte man am ersten Tag vermeiden. Das goldene Fülleretui, Urkunden, Trophäen können Sie getrost zu Hause lassen. Zudem gibt es Dinge, mit denen Sie sich sogar Ärger einhandeln können, beispielsweise Fotoapparate: Die sind bei uns verboten.

KarriereSPIEGEL: Wann ist der Welpenschutz vorbei, den Einsteiger genießen?

Joeris: Das hängt von der Position und der Abteilung ab. Als Sachbearbeiter brauche ich vielleicht nur einige Wochen, in einer Führungsposition dagegen drei bis sechs Monate, bis ich eingearbeitet bin. Bei uns in der Forschungsabteilung kann es bis zu einem Jahr dauern, bis neue Mitarbeiter fundiert zu Forschungsergebnissen beitragen können.

  • Anja Tiedge (Jahrgang 1980) arbeitet als freie Journalistin in Hamburg.

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