Konflikte im Büro "Bloß nicht explodieren"

Nervosität im Meeting, aggressive Kollegen - cool bleiben ist im Job-Alltag nicht leicht. Unternehmensberaterin Barbara Schneider gibt Tipps, wie man klug mit Störenfrieden, Ideenklauern oder Chefs umgeht.

Wutwallung: "Man muss nicht über jedes Stöckchen springen"
Corbis

Wutwallung: "Man muss nicht über jedes Stöckchen springen"

Ein Interview von Caroline Schmidt


KarriereSPIEGEL: Sie beraten Menschen, die sich besser durchsetzen wollen. Frauen, heißt es, können das besonders schlecht. Was ist ihr Problem?

Zur Person
  • Barbara Schneider ist Unternehmensberaterin und Coach, sie ist auf das Karrieremanagement von Frauen spezialisiert. Zuvor hat sie als Managerin bei dem Versandhändler Otto gearbeitet, bei der Lufthansa-Tochter Airplus und der Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft Arthur Andersen. Schneider ist Autorin des Buches "Fleißige Frauen arbeiten, schlaue steigen auf".
Schneider: Viele Frauen wünschen sich zu sehr, dass die Kollegen sie mögen und ihnen permanent auf die Schulter klopfen. Außerdem begreifen sie nicht, wofür zum Beispiel Konferenzen da sind. Sie denken, hier gehe es vor allem um den Inhalt, die Sache. Dabei sind Konferenzen ein Ort, wo man sich in erster Linie darstellt und verkauft. Hier zeigt man nicht nur die eigene Fachkompetenz, sondern auch, wie viel Selbstvertrauen und Durchsetzungsstärke man hat.

KarriereSPIEGEL: Also ab und zu mal kräftig auf den Tisch hauen?

Schneider: Nein, das eher nicht. Das wirkt meist unsouverän und bei Frauen schnell zickig. Aber wenn man zum Beispiel ständig unterbrochen wird, bloß nicht explodieren! Eine Handbewegung reicht, ein "Herr Mayer, den Gedanken noch zu Ende". Man muss sich klar machen, was der Störenfried erreichen möchte. In der Regel will er sich vor dem Chef profilieren, seine eigenen Ideen loswerden oder zeigen, wie schnell er die Dinge durchschaut. Außerdem kann es auch ein Test sein: Wie reagiert sie? Cool und souverän? Oder angefressen? Kann man sie schnell aus der Bahn werfen?

So geht Streiten: Lernen von den Profis
  • Corbis
    Pure Harmonie macht schläfrig. Solange Konflikte nicht entgleisen, können sie im Berufsleben sogar fruchtbar sein. Im Magazin SPIEGEL JOB (www.spiegeljob.de) gibt es die Anleitung zum richtigen Zoffen. Wo lauern Gefahren? Und wie vermeidet man ein Gemetzel?
KarriereSPIEGEL: Jetzt bin ich im Meeting zwar ruhig geblieben - aber eine Idee habe ich immer noch nicht verkauft.

Schneider: Das ist gerade für junge Mitarbeiter oder Quereinsteiger schwer, denen schlägt schon mal Skepsis entgegen. Wichtig ist in solchen Momenten, die sogenannten Killerphrasen zu blockieren. Das sind Sätze wie "Das haben wir schon alles versucht", "Schema F" oder "Viel zu praxisfern". Diese Sätze kontert man mit Nachfragen, je präziser, desto besser: "Was genau ist für Sie Schema F, was schlagen Sie vor, weshalb ist es praxisfern?"

KarriereSPIEGEL: Und was ist mit Kommentaren, die nur vom Thema ablenken sollen?

Schneider: Diese Sprüche schmettert man am besten mit einem einzigen Wort ab. "Na" ist gut, "Soso" oder "Donnerwetter". Und dann muss man sofort weiterreden. So beschäftigen sich die anderen nicht weiter mit dem dummen Einwurf, sondern kommen zu dem zurück, was man selbst gesagt hat.

KarriereSPIEGEL: Wie wehrt man sich gegen Ideenklau, ohne pampig zu werden?

Schneider: Das ist eine gemeine Situation. Ich finde, dafür eignen sich in Konferenzen Sätze wie "Sag mal, hast du auch etwas Eigenes beizusteuern" oder "Schön, dass Sie meine Idee aufgegriffen haben" oder "Freut mich, dass Ihnen mein Vorschlag gefällt, ich würde allerdings gern etwas ergänzen".

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KarriereSPIEGEL: Und wenn der Ton rauer wird?

Schneider: Das kann jeden Tag passieren, man steht da und präsentiert Zahlen, und auf einmal heißt es: "Wie kommen Sie denn auf den Blödsinn?" Man kann nun locker darauf reagieren und sagen: "Jetzt übertreiben Sie aber!" Das habe ich schon erlebt, und die Zuhörer haben gelacht. Das gelingt allerdings nicht immer. Wenn es beleidigend wird, sollte man das direkt ansprechen. "Herr Meyer, Sie haben mich beleidigt, ich erwarte eine Entschuldigung." Das kann man in einem unaufgeregten Ton vorbringen, als würde man eine Tasse Kaffee bestellen. Die meisten bringt das zur Räson. Manchmal kann es aber auch sinnvoll sein, einfach auf Durchzug zu schalten, die Bemerkung zu überhören. Man muss nicht über jedes Stöckchen springen, das einem hingehalten wird.

KarriereSPIEGEL: Sollte man das auch so machen, wenn es sich um den Chef handelt?

Schneider: Vorgesetzte kritisiert man nie in großer Runde. Dann ist die Sache gelaufen. Wenn man selbst einen Fehler gemacht hat, kann man den später in einem Zweiergespräch noch mal ansprechen und sich dafür entschuldigen, sagt dann aber, dass man das nächste Mal bitte nicht vor versammelter Mannschaft auf solche Missgeschicke hingewiesen werden möchte.

KarriereSPIEGEL: Und wenn das misslingt?

Schneider: Den Job wird man schon nicht verlieren. Und wenigstens hat man es einmal versucht. Es gibt in solchen Fragen kein Patentrezept, man muss es probieren und wieder probieren. Lassen Sie ruhig Testballons aufsteigen. So lernen Sie die Firma besser kennen, in der Sie arbeiten, die Kultur und die Menschen dort.

  • Das Interview führte Caroline Schmidt (Jahrgang 1975), freie Journalistin in Hamburg.

insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
agztse 20.06.2014
1.
und gleich Eingangs bedienen wir mal wieder Geschlechterklischees: "...(Frauen) denken, hier gehe es vor allem um den Inhalt, die Sache.". Jetzt soll es ja tatsächlich auch Männer geben die sich über den Selbstdarstellungsdrang ihrer männlichen - und weiblichen - Kollegen nerven. Aber nein, die Subtilität dessen was man gemeinhin als "Realität" bezeichnet ist am SPON leider verloren. Hier gibt's nur schwarz und weiss, gut und schlecht und ganz klar ist das die Frauen die Guten sind. Ich lese SPON nur noch als Satire. Als solche lauft ihr langsam Titanic den Rang ab.
Susi Sorglos 20.06.2014
2. Diese Fülle hohler Weisheit
entspringt regelmässig den Jüngern der Sekte Arthur Andersen aka Accenture. Morgens wird es hell, abends dunkel - macht 100.000 Euro Beratungsentgelt.
Suppenelse 20.06.2014
3. Wofür Konferenzen da sind
"Außerdem begreifen [die Frauen] nicht, wofür zum Beispiel Konferenzen da sind. Sie denken, hier gehe es vor allem um den Inhalt, die Sache. Dabei sind Konferenzen ein Ort, wo man sich in erster Linie darstellt und verkauft." Und genau das dürfte der Grund dafür sein, dass angeblich ein Großteil aller Arbeitnehmer in Deutschland die Augenbrauen hochzieht, wenn wieder mal eine solche "Konferenz" ansteht... Ich stimme Frau Schneider in großen Teilen zu, in diesem Punkt aber gar nicht. Wer sich in Konferenzen in erster Linie zu "verkaufen" versucht, wird - jedenfalls von intelligenten Menschen - durchschaut und hat schnell den Respekt verloren, den er oder sie erreichen wollte. Viele sind genau auf dieses "Sich-Verkaufen-Wollen" überaus allergisch.
Sugafoot 20.06.2014
4.
Natürlich muss man mal auf den Tisch hauen, um zu zeigen, wo der Hammer hängt
ketzer2000 20.06.2014
5. Vollkommen überschätzt
Wirkung und Ergebnisse auf Meetings werden gemeinhin überschätzt. Absprachen und Entscheidungen werden grundsätzlich vorher ausgelotet oder getroffen. Es ist vollkommen am Ziel vorbei, emotionslos auf taktische Spielchen oder Ausraster zu reagieren, sondern man sollte so agieren, ggf. auch mal lauter und intensiver, dass man am nächsten Morgen noch in den Spiegel schauen kann. Im Übrigen ist immer ein Speichellecker oder Kriecher dabei, der dem Chef nach dem Mund redet. Und es sind immer mehr Frauen dabei, die "Haare auf den Zähnen" haben und sich recht gut vernetzt wehren können. Das intelligente schweigende Mäuschen ist heute mehr den je nur ein Märchen, denn das Klientel befindet sich eher bei Herd und Kind. Frau Schneider ist sein 2004 selbstständig und das Buch ist von 2009 - d.h. die Praxiserfahrung in Konzernen ist schon etwas her.
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