Top-Leistung als Karrierebremse Zu gut für die Beförderung

Manche Mitarbeiter werden bei Beförderungen ständig übergangen. Oft sind es gerade die Stützen des Teams, auf die der Chef nicht verzichten will. Vier Tipps, wie Sie trotzdem weiterkommen.

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Von "Karrierebibel"-Autor Nils Warkentin


Sie schuften, übernehmen jede Aufgabe, bleiben auch länger, wenn es nötig ist und legen sich für Ihren Job maximal ins Zeug. Eigentlich beste Voraussetzungen, um befördert zu werden. Doch immer wieder geht der Job, den Sie gern gehabt hätten, an einen Kollegen, der weniger kann und auch gar nicht über Ihre Erfahrung verfügt.

Viele Mitarbeiter rackern sich über Monate oder manchmal sogar Jahre ab, um auf der Liste der Beförderungen oben zu stehen - nur um dann doch wieder übergangen zu werden. Doch warum werden ausgerechnet besonders gute Leistungen zum Karrierehemmnis? Und was können Sie tun, um trotzdem endlich aufzusteigen?

Das Phänomen klingt abstrus, ist aber einfach zu erklären: Ihr Chef steht vor der Entscheidung, jemanden aus seinem Team zu befördern. Natürlich weiß er dabei sehr genau, welchen Beitrag Sie leisten.

Doch wenn er Sie befördert und Sie damit andere Aufgabenfelder erhalten, geht auch der Leistungsträger des Teams verloren. Vielleicht nehmen Sie ihm sogar einige seiner Aufgaben ab, wodurch er weniger Stress hat und trotzdem beste Ergebnisse präsentieren kann.

So mancher Chef möchte darauf nicht verzichten, und auch die Mühe, die entstehende Lücke in der eigenen Abteilung zu füllen, kann er sich so ersparen. Wenn Sie sich jedoch nicht damit abfinden wollen, auf Ihrer Position festzustecken, sollten Sie folgende Dinge beherzigen:

  • Machen Sie Ihre Ziele klar: Kommunizieren Sie dem Chef deutlich, dass Sie auf eine Beförderung aus sind, mehr Verantwortung tragen wollen und größere Ziele haben. Damit erhöhen Sie den Druck auf Ihren Vorgesetzten, der Sie nun nicht mehr einfach nur ignorieren kann. Auch signalisieren Sie damit, dass Sie bereit für einen Firmenwechsel sind, wenn der Chef weiterhin Ihre berufliche Entwicklung verhindert.
  • Gehen Sie eine Hierarchieebene höher: Sind die Entscheidungen Ihres Chefs nicht nachvollziehbar, und Sie fühlen sich dadurch benachteiligt, wenden Sie sich an seinen Chef. Die höhere Hierarchieebene ist oft eher dazu bereit, besonders talentierte Mitarbeiter zu fördern - schon um diese nicht an die Konkurrenz zu verlieren.
  • Sorgen Sie für einen Ersatz: Solange Sie der einzige Leistungsträger im Team sind, fällt es Ihrem Chef umso schwerer, sich von Ihnen zu trennen. Beginnen Sie deshalb früh damit, einen passenden Ersatz zu finden. Binden Sie einen Kollegen in Ihre Projekte und Entscheidungen ein, zeigen Sie ihm, worauf es ankommt und bereiten Sie ihn auf Ihren Weggang vor. So ist die Lücke, die Sie hinterlassen, nicht allzu groß.
  • Schrauben Sie die eigene Performance nicht zurück. Falls Ihr Chef gute Leistungen doch honoriert, sind Sie plötzlich weit weg von der Beförderung, wenn Ihre Ergebnisse nur noch durchschnittlich sind. Außerdem wird dieses Vorgehen Sie vermutlich zutiefst unglücklich machen. Denn solche Psychospielchen mögen Sie zwar ans Ziel bringen, entsprechen aber wahrscheinlich nicht Ihrer Einstellung und Arbeitsweise.


insgesamt 33 Beiträge
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spontanistin 27.02.2018
1. Fach– oder Führungslaufbahn?
Da muss sich der Experte und Leistungsträger halt frühzeitig entscheiden, ob er Führer (Trainer) werden oder Wühler (Mittelstürmer oder Ausputzer) sein will. Nicht jeder Ausputzer ist der potentielle Motivator und Trainer. Und Experten, die um der Karriere willen unbedingt Führen wollen, weil es de facto keine Fachlaufbahnkarrieren gibt, erliegen unbarmherzig dem Peter–Prinzip. Allerdings sind auch die Psychopathen, die sich mit Rücksichtslosigkeit im Kampf um Führung durchgesetzt haben, nicht unbedingt gute Vorgesetzte und meist Job–Hopper, die nach drei bis fünf Jahren in einem anderen Unternehmen ihre „erfolgreiche“ Karriere fortsetzen.
jhea 27.02.2018
2. Das ist immer das Problem
wenn man einen Job hat, wo besonders gute Arbeit durch NOCH MEHR ARBEIT belohnt wird :)
eigene_meinung 27.02.2018
3. Das funktioniert nicht
Wenn ich dem Rat "Kommunizieren Sie dem Chef deutlich, dass Sie auf eine Beförderung aus sind, mehr Verantwortung tragen wollen und größere Ziele haben." folge, bekomme ich zwar zusätzliche Aufgaben, aber keine Beförderung.
observerlbg 27.02.2018
4. Es hilft wie immer nur eine Lösung....
wenn der Chef nicht die Empathie hat, die er bräuchte: vergleichbaren Job suchen und kündigen. Derzeit ist die Situation für uns Angestellter besser den je. Nach 30 Jahren als Angestellter hat sich meine Situation immer nach einem Stellenwechsel verbessert. Sehr viele Personalverantwortliche sind noch nicht in der Neuzeit angekommen. Wir haben quasi Vollbeschäftigung und der viel beschworene Fachkräftemangel wird langsam tatsächlich zur Realität. Ja, wir haben auch immer noch real an die sieben- bis achtmillionen Arbeitslose, also Personen die eigentlich eine Beschäftigung suchen, zum Teil aber "Zwischengeparkt" oder "Abserviert" wurden. Diese sind aber zur Zeit nicht oder nur sehr schwer vermittelbar, weil eben kaum ein alteingesessener Arbeitgeber bereit ist richtig in Personal zu investieren. Es fängt schon mal damit an, den Bedürfnissen der Arbeitnehmer Rechnung zu tragen. Ich nehme an (hoffe), dass da langsam ein Umdenken stattfindet.
betonklotz 27.02.2018
5. Wie wär´s damit, sich einen anderen Job zu suchen?
Wenn man wirklich gut ist, sollte das doch kein Problem sein. Es kann schon reichen, daß man durchblicken lässt, auf der Suche nach einem anderen Arbeitsplatz zu sein. Wenn man denn wirklich so dringend gebraucht wird, natürlich.
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