Weihnachtsgeschenke für Geschäftsfreunde "Bei Wein unter vier Euro kann irgendwas nicht stimmen"

Ein edler Tropfen gilt als passendes Dankeschön in der Arbeitswelt. Blöd nur, wenn man keine Ahnung von Wein hat. Sommelière Stephanie Döring erklärt, worauf es beim Kauf ankommt - und wie Sie Ihre Unwissenheit kaschieren.

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Ein Interview von


Zur Person
  • Stephanie Döring, 35, hat seit 2009 Weinladen.de mit aufgebaut. Zuvor arbeitete sie im Hamburger Louis C. Jacob Hotel und für den britischen Fernsehkoch Gordon Ramsey in London. Ihr Ziel ist es, auch jüngere Leute für Wein zu interessieren.

SPIEGEL ONLINE: Die Zeit der Weihnachtsfeiern beginnt. Ob beim Wichteln mit Kollegen oder als Dankeschön für Geschäftspartner - eine Flasche Wein ist ein beliebtes Geschenk. Worauf sollte ich im Laden achten, wenn ich mich gar nicht auskenne?

Döring: Bei Weißweinen unter vier Euro und Rotweinen unter fünf Euro kann eigentlich irgendwas nicht stimmen. Und man sollte Rebsorten auswählen, die massentauglich sind. Der weiße Riesling ist zum Beispiel vielen Menschen zu säuerlich.

Wenn es Weißwein sein soll, würde ich in die Burgunderrichtung gehen, also einen Chardonnay, Weiß- oder Grauburgunder wählen. Beim Rotwein wären ein Syrah oder ein Cabernet gute Optionen.

SPIEGEL ONLINE: Was würden Sie in diesem Jahr empfehlen, wenn ich etwas Besonderes verschenken will?

Döring: Es gibt gerade viele spannende Jungwinzer in Deutschland, die sehr gute Weine machen. Die setzen zum Teil auch auf alte Rebsorten wie Müller-Thurgau oder Elbling. Die produzieren eigentlich Wein, wie es der Urgroßvater gemacht hat. Das klingt zwar nach Back to the Roots, aber es schmeckt und ist ungewöhnlich.

SPIEGEL ONLINE: Wenn man Geschäftspartnern oder Kollegen einen Wein schenkt, kommen häufig Nachfragen. Wie kann ich mein Gegenüber davon überzeugen, dass es eine gute Flasche ist?

Döring: Es kommt auch auf die Geschichte hinter einem Wein an. Vielleicht hat man mit ihm persönliche Erfahrungen gemacht. Wenn man erklärt, weshalb man sich für diese Flasche entschieden hat, wirkt das immer auf die Menschen. Dann bekommt die Wahl gleich einen emotionaleren Charakter. Man kann auch Informationen zum Winzer oder dem Weingut einholen. Ein paar Hardfacts helfen immer. Aber es muss vor allem so wirken, als ob Sie sich Gedanken gemacht haben.

SPIEGEL ONLINE: Wenn auf Betriebsfeiern Wein ausgeschenkt wird, dauert es in der Regel nicht lange, bis die ersten Kollegen über die Qualität des Weins fachsimpeln. Gibt es ein paar Themen, die mich in diesem Jahr wie ein Kenner wirken lassen?

Döring: Sie könnten erwähnen, dass dieser Jahrgang ein guter wird, weil es ein sonnenreicher Sommer war. Das hat auch die Winzer gefreut. Die Weine gibt es aber erst nach Weihnachten - ab Januar, Februar, März.

Und es gibt ein Vorurteil, das nicht mehr stimmt: Deutscher Sekt galt lange Zeit als Schädelwein. Er wird aber gerade von jungen Winzern entdeckt. Mittlerweile kann er sich teilweise sogar mit Champagner messen.

SPIEGEL ONLINE: Und wie bemerke ich, ob sich meine Kollegen in Wirklichkeit auch nicht mit Wein auskennen?

Döring: Das fängt schon damit an, wie die Leute das Glas halten, wenn sie es nicht am Stiel anfassen. Auch wenn sie den Wein sofort runterkippen, ohne vorher zu riechen oder mal zu probieren.

SPIEGEL ONLINE: Falls ich von Kollegen oder Geschäftspartnern einen Wein geschenkt bekomme: Woran erkenne ich als Laie, ob es sich um einen edlen Tropfen handelt?

Döring: Wenn ein Weißwein älter als von 2015 ist, dann könnte es gut sein, dass die Flasche schon länger herumstand - und womöglich einfach weiterverschenkt wurde. Bei Rotweinen gilt dieses Merkmal nicht. Die lagern teilweise erst mal mehrere Jahre in Fässern. Ältere Rotweine sind nicht ungewöhnlich.

Ein naheliegender Tipp, aber hilfreich: Mittlerweile gibt es diverse Apps, wie zum Beispiel "Vivino". Mit denen kann man das Etikett der Flasche scannen und bekommt dann den Preis und Rezensionen angezeigt.

Und gute Weingüter achten in letzter Zeit vermehrt auf gute Papierqualität bei ihren Etiketten. Das kann man auch bemerken, wenn man kein Weinkenner ist.

SPIEGEL ONLINE: Die alte Laientaktik "Ich beurteile meinen Wein nach dem Aussehen der Flasche" funktioniert wirklich?

Döring: Nicht generell. Aber wenn die Papierqualität der Etiketten stimmt und kein Plastikkorken verwendet wurde, ist es vermutlich kein Schrott.

SPIEGEL ONLINE: Hat sich die Qualität bei Plastikkorken nicht verbessert?

Döring: Von Plastikkorken würde ich die Finger lassen. Es muss kein herkömmlicher Naturkorken sein - auch Schraubverschlüsse und Glaskorken sind super. Das spricht schon mal für die Weine.



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Seite 1
user124816 15.11.2018
1.
Ich fände es besser, wenn man Unwissenheit zugeben und nicht kaschieren würde. Zum Schluss wird das noch Mode, pflanzt sich neben "Weinkenntnissen" auch noch in anderen Bereichen fort, und am ende haben wir komplett unwissende Blender in wichtigen Positionen - das wäre fürchterlich.
dirk.resuehr 15.11.2018
2. Der Weinwisser
trinkt für täglich einen Wein( Müller Thurgau, Rheinhessen) für 2,60 Euro ( nicht weitersagen, geheimer Geheimtipp) und liest vergnüglich die Kommentare der Experten. Mal unter uns, trinken Sie mit Madame täglich einen Wein über 30 Euro? Glückwunsch, dann haben Sie es geschafft oder sehr gut geerbt. Tips zum Verschenken: Sauvignon Blanc aus Neuseeland, Chardonnay aus Australien, Amarone aus Italia und beim Champagner Obacht. Die meisten sind zu teuer, Krug z.B.-ist was für Leute mit Humor, weil sauer! Außerdem sind die Champagner meist Verschnitte, Cuvee klingt feiner! Staatsweingüter Rheingau haben einen feinen Winzersekt, ganz prächtig: Rose von Laurent-Perrier, kostet reichlich.TOLLE Weine aus der Pfalz: Das Weingut mit Doppelnamen aus Neustadt ( Werbung für Fortgeschrittene).
diezweitemeinung 15.11.2018
3. Die Beurteilung eines Weins ist die simpelste Sache der Welt!
Ich finde es ist leicht einen Wein zu beurteilen: er soll mir (!) auch nach der zweiten Flasche noch schmecken. Und wenn es sich um einen immer greifbaren "Lagerwein" handelt und Jahr für Jahr ähnlich gut schmeckt, dann mag ja bei ihm" etwas nicht stimmen" - wenn er von Feinkost Albrecht -stammt und als Rotwein weniger als drei Euro kostet. Ich muss ihn ja nicht unbedingt einem Geschäftsfreund schenken, den ich beeindrucken will oder muss - wobei ich auch da keine Hemmungen hätte, wenn ich mich ehrlich auf meinen Geschmack berufen kann. Auch ein zehnmal so teurer Wein kann dem Gast nicht schmecken. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein Wein, der 10 Euro und mehr kostet, mir nicht unbedingt besser schmeckt. Aber für die typische Zielperson der Werbestrategen man der höhere Preis auch den Geschmacksknospen schmeicheln. Ich bleibe bei meinem wohlschmeckenden spanischen Billigweinen - von denen auch nicht alle gleich schmackhaft sind. Und ob sie aus einem Stahktank kommen und einen Plastikkorken haben, ist mir auch erst einmal egal - Hauptsache ich muss mich nicht schütteln, wenn ich ihn trinke. Ein gesundes Selbstwertgefühl ermöglicht die Konzentration ausschliesslich auf den Geschmack und macht einen unabhängig von der Meinung anderer Menschen. Wozu soll es gut sein, dass der Wein dem Experten schmeckt und dass sich der Produzent mit Hilfe seines PR-Beraters eine besonders eindrucksvolle Story rund um den Wein ausgedacht hat? - Ausprobieren geht über Weinbücher studieren.
mwieschhoff 15.11.2018
4. Wein-Bullshit-Bingo
...das ist schon nett, wie diese sogenannte Expertin einfach impliziert alles unter 4 bzw. 5 EUR sei gepanscht. Es gibt genügend Winzer, die hart arbeiten, nicht panschen, die genau so etwas in einfacher, ehrlicher Qualität im Angebot haben. So etwas an Millionen Leser zu verbreiten, einfach so ist gelinde gesagt sehr inkompetent.
ernstrobert 15.11.2018
5. geht es nur um Wirkung?
Leider erfährt man wenig über tatsächliche Qualitätskriterien. dafür reicht vielleicht der Platz nicht? Aber trotzdem enttäuscht, dass eine 'Weinkennerin' nur darüber was zu sagen weiß, wie eine Flasche wirkt, wie man sich als Kenner ausgeben kann (weil man offensichtlich keiner ist) und wie man Freunde blamieren kann, die sich mit Wein nicht auskennen.
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