Titelsucht der Eliten "Hätte Guttenberg bei mir bestellt..."

Ein Doktor hier, ein Professor da: Titel sind eine Herzensangelegenheit für Consul Weyer, den Grafen von Yorck. Und ein Riesengeschäft, denn der Hunger nach Titeln ist unstillbar. Aber wozu wird jemand wie Ute Ohoven Honorarkonsulin des Senegal?

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Hamburg - An dieser Stelle wird natürlich von beklagenswerten Missständen die Rede sein müssen. Von Unternehmern, die mehr Sorgfalt auf das Führen ihrer Professorentitel verwenden als auf das Führen ihrer Betriebe. Von Managern und Ministern, die sich wegen eines erschwindelten "Dr." vorm Namen um Amt und Verstand bringen. Ja, der ganze geistige Zustand eines Landes wird zu hinterfragen sein, in dem der richtige Namenszusatz offenbar noch immer mehr zählt als Persönlichkeit und Leistung.

Doch zunächst soll uns der Weg fortführen von aller protestantischen Unerbittlichkeit, die das Thema Titelhuberei und Titelhandel in Deutschlands Chefetagen eigentlich erfordert. Wir machen eine Reise ins Rheinland, die Heimat des Karnevals und des lustvollen Kreislaufs aus Sünde, Beichte und Vergebung.

An jenem altkatholischen Bischofssitz, der den eigens für ihn erfundenen Titel "Bundesstadt" trägt, treffen wir den Nestor des Gewerbes. Im japanischen Restaurant "Kamijo", hatte er uns am Telefon zugerufen, sei immer ein Tisch für Consul Weyer reserviert.

Das "Kamijo" verbirgt sich im Obergeschoss eines Einkaufszentrums am Rande der Fußgängerzone von Bonn-Bad Godesberg, direkt überm Lebensmittelmarkt. Bei genauerer Betrachtung der Sachlage hätte sich hier an einem Werktagmittag um 13.30 Uhr auch ohne Reservierung ein Platz ergattern lassen. Doch tatsächlich, kaum nennen wir den Namen des Meisters, räumt die japanische Kellnerin sofort das einzige Reservierungsschild im ganzen Lokal ab.

"Hätte Guttenberg bei mir bestellt, er wäre heute noch Minister"

Hans-Hermann Weyer alias Consul Weyer, adoptierter Graf von Yorck, erscheint, auf die Minute pünktlich, nicht ohne Verweis auf die entsprechende Tugend der Könige. Er trägt einen grauen Blazer mit einem Emblem der "Heli Air Monaco" auf der Brust und verströmt überwältigende Freundlichkeit. Ins lichte Haar hat er an diesem trüben Tag eine Sonnenbrille geschoben, so eine große, tropfenförmige mit weißem Plastikrahmen, die bei Teenagern als "voll porno" durchgehen würde.

Wer sich in Deutschland einen Titel kaufen wolle, der komme an ihm, Weyer, noch immer nicht vorbei. Sein Geschäft kenne nach wie vor nur eine Beschränkung: Den selbst auferlegten Vorsatz, niemals mehr als zwei Stunden pro Tag mit Arbeit zu vergeuden. "Die meisten dieser Leute, die Kleinanzeigen in der 'FAZ' schalten und ihre Dienste als Titelvermittler anbieten, die sammeln doch nur Adressen ein. Am Ende kommen sie damit zu mir und wollen, dass ich ihnen eine Provision zahle für das Neugeschäft, das sie mir zuführen."

Nur in einem Fall, da lehnt Weyer nun wirklich jede Verantwortung ab. Er wiegt sein schütteres Haupt wie ein Chefarzt, der von einem Kollegen den falsch diagnostizierten Fall viel zu spät überwiesen bekommt: "Hätte der Guttenberg seinen Doktortitel bei mir bestellt, wäre er heute noch Minister."

Asyl bei Paraguays Menschenschinder

Doch natürlich haben sich die Zeiten geändert. Weyers Brot-und-Butter-Geschäft, das waren die Honorarkonsuln. Den Kindern des Wirtschaftswunders verpasste er am Fließband das cc-Schild zum Heckflossen-Mercedes.

Geschäftsgrundlage bildeten die ausgezeichneten Beziehungen, die Weyer zu einigen der übelsten Menschenschinder unterhielt, die sich jemals Präsident nennen durften. Paraguays Diktator Alfredo Stroessner gewährte Weyer Asyl, als der die Bundesrepublik Ende der 70er Jahre wegen einer hässlichen Steuergeschichte vorübergehend verlassen musste.

Honorarkonsul - das stand im Mief der Wirtschaftswunderjahre für Weltläufigkeit, für Jetset, für Cocktails unter Palmen statt Doornkaat in der Eckkneipe. Heute hingegen klingt die Anrede "Herr Konsul" seltsam antiquiert, und auch die damit einhergehenden Privilegien halten sich in engem Rahmen: Die ehrenamtlichen Honorarkonsuln besitzen in der Regel keinen Diplomatenpass, kein Anrecht auf die Botschaftern vorbehaltene Anrede "Exzellenz" und auch keine generelle Immunität vor Strafverfolgung.

Lediglich bei Ausübung ihrer Dienstpflichten genießen Honorarkonsuln Immunität. Mit einer Kombination aus cc-Schild am Auto und kreativ geführtem Fahrtenbuch lässt sich tatsächlich so mancher Strafzettel wegdrücken.



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Seite 1
fort-perfect 15.02.2012
1. Der Weyer
Zitat von sysopDPAEin Doktor hier, ein Professor da: Titel sind eine Herzensangelegenheit für Consul Weyer, den Grafen von Yorck. Und ein Riesengeschäft, denn der Hunger nach Titeln ist unstillbar. Aber wozu wird jemand wie Ute Ohoven Honorarkonsulin des Senegal? http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,811300,00.html
ist einfach klasse, er ist zwar ein Strolch, aber seine Kunden sind Idioten und Deppen. Wie krank muss man im Kopf sein, um sich Titel zu kaufen? Ein Diplom, einen Doktortitel oder eine Professur durch harte Arbeit zu erwerben verdient Respekt und Anerkennung. Wer allerdings die Titel kauft von denen jeder Außenstehende weiß dass diese Titel gekauft worden sind, der macht sich doch nur lächerlich in seiner bodenlosen Eitelkeit. Das ist wie die Geschichte von den "fremden Federn" mit denen man sich schmückt....... Der Weyer kennt seine Pappenheimer genau, wahrscheinlich, weil sie so ticken wie er selbst.... Und um eine Sache beneide ich den Weyer tatsächlich, um seine Aussage täglich nur 2 Stunden mit Arbeit zu verschwenden.... ein sehr angenehmer Gedanke.
interstitial 15.02.2012
2. irgendwie
Zitat von sysopDPAEin Doktor hier, ein Professor da: Titel sind eine Herzensangelegenheit für Consul Weyer, den Grafen von Yorck. Und ein Riesengeschäft, denn der Hunger nach Titeln ist unstillbar. Aber wozu wird jemand wie Ute Ohoven Honorarkonsulin des Senegal? http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,811300,00.html
mundus vult decipitur. Wer es aber schafft, dass zum Markenkern zu machen, und sich bei 14h Wochenarbeitszeit einen Lebenunterhalt damit zu sichern, ohne dirket jemandem weh zu tun oder das Gesetz zu brechen, dem kann ich schon fast wohlwollenden Respekt entgegenbringen. Chapeau, Herr Weyer! Seine Kundschaft kann ich da leider nicht mit einbeziehen Nicht wenn man Lebensituation und Perspektiven mancher "ordinärer" Doktoranden in manchen Fachrichtungen kennt
ELIASS 15.02.2012
3. Mit Beschimpfungen wie "Idioten und Deppen" verbessert man keine Gesellschaft..
Zitat von fort-perfectist einfach klasse, er ist zwar ein Strolch, aber seine Kunden sind Idioten und Deppen. Wie krank muss man im Kopf sein, um sich Titel zu kaufen? Ein Diplom, einen Doktortitel oder eine Professur durch harte Arbeit zu erwerben verdient Respekt und Anerkennung. Wer allerdings die Titel kauft von denen jeder Außenstehende weiß dass diese Titel gekauft worden sind, der macht sich doch nur lächerlich in seiner bodenlosen Eitelkeit. Das ist wie die Geschichte von den "fremden Federn" mit denen man sich schmückt....... Der Weyer kennt seine Pappenheimer genau, wahrscheinlich, weil sie so ticken wie er selbst.... Und um eine Sache beneide ich den Weyer tatsächlich, um seine Aussage täglich nur 2 Stunden mit Arbeit zu verschwenden.... ein sehr angenehmer Gedanke.
Weyer einen "Strolch" zu nennen, finde ich unangemessen. Sein Lebenslauf zeichnet sich lediglich durch Egozentrik und Mangel an politischer Sensibilität aus. Dass er bei einem Diktatoren Unterschlupf gesucht hat, muss nicht daran gelegen haben, dass er dessen Politik unterstützt. Auf der Flucht vor dem Gefängnis ist man nicht wählerisch, wenn man anderswo Auslieferung zu befürchten hat. Es gibt Leute in Deutschland, für die Bezeichnungen wie: "Strolche, Lumpen u.ä." sehr viel angemessener sind. Weyer ist doch recht unterhaltsam und in seinem Geschäftszweig ist er eine Figur mit Alleinstellungsmerkmalen. Oder kennt jemand noch einen Titelhändler, obwohl es sicher noch andere gibt? Und seine Existenz verrät uns einiges über unsere "Eliten".
RosaHasi 15.02.2012
4. .
Zitat von interstitialmundus vult decipitur. Wer es aber schafft, dass zum Markenkern zu machen, und sich bei 14h Wochenarbeitszeit einen Lebenunterhalt damit zu sichern, ohne dirket jemandem weh zu tun oder das Gesetz zu brechen, dem kann ich schon fast wohlwollenden Respekt entgegenbringen. Chapeau, Herr Weyer! Seine Kundschaft kann ich da leider nicht mit einbeziehen Nicht wenn man Lebensituation und Perspektiven mancher "ordinärer" Doktoranden in manchen Fachrichtungen kennt
ich kann ihnen sagen wie man das schafft. durch betrug oder erbe. wobei erbe ab einer gewissen größe das selbe ist wie betrug, nämlich an den folgenden generationen denen immer weniger übrig bleibt vom kuchen die aber immer härter um die restlichen krümel kämpfen müssen.. tja bis das alles in nationalismus und krieg mündet. und dann wird der euro oder irgendwelche eitlen titel niemanden mehr interessieren.
dt23411780 15.02.2012
5. Latinum?
Zitat von interstitialmundus vult decipitur. Wer es aber schafft, dass zum Markenkern zu machen, und sich bei 14h Wochenarbeitszeit einen Lebenunterhalt damit zu sichern, ohne dirket jemandem weh zu tun oder das Gesetz zu brechen, dem kann ich schon fast wohlwollenden Respekt entgegenbringen. Chapeau, Herr Weyer! Seine Kundschaft kann ich da leider nicht mit einbeziehen Nicht wenn man Lebensituation und Perspektiven mancher "ordinärer" Doktoranden in manchen Fachrichtungen kennt
Korrekt heißt es: "Mundus vult decipi, ergo decipiatur!" - vielleicht sollten Sie sich bei Konsul Weyer ein Großes Latinum besorgen. Oder ein Spiegel-Online-Latinum. ;-)
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