Trainee-Programme Der kleine Prinz ist tot

Corbis

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2. Teil: "Trainee, friss oder stirb!"


Trainees der ersten Stunde wie Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann oder Eckhard Cordes, der vor gut einer Woche seinen Rücktritt von der Spitze des Handelskonzerns Metro erklärte, waren noch etwas Besonderes im Unternehmen, Thronanwärter eben, die in der "Prinzenrolle" glänzen durften. Solche Vorschusslorbeeren werden heute allenfalls den Teilnehmern der internationalen Eliteprogramme zuteil. Der Normal-Trainee muss sich täglich beweisen, durch erfolgreiche Projekte und viel Engagement links und rechts davon. Dabei hat er alle Möglichkeiten, sich im Unternehmen zu vernetzen.

Auch wenn das Trainee-Programm längst nicht mehr ein Freifahrtschein ins Management ist, winkt in der Regel ein Anschlussvertrag. "Wenn es anspruchsvoll strukturiert ist, dann kostet ein Trainee-Programm das Unternehmen zwischen 75.000 und 100.000 Euro pro Jahr", schätzt IW-Expertin Konegen-Grenier. "Solide Anbieter betreiben einen solchen Aufwand nicht, um die Trainees nach der Ausbildung wieder auf die Straße zu setzen."

Welches Programm zum Bewerber passt, hängt von seinen beruflichen Zielen ab. "Wer noch nicht genau weiß, wo er im Unternehmen landen möchte, dem bietet die Trainee-Stelle die Möglichkeit sich zu orientieren", sagt Carolin Lüdemann, Karriere-Coach in Stuttgart. "Man kann tendenziell sagen: Trainee-Stelle für Generalisten, Direkteinstieg für Spezialisten." Natürlich haben die Unternehmen auch ein Wörtchen mitzureden. Wie die Haniel-Studie belegt, verlangen sie von Bewerbern vor allem Praxis- und Auslandserfahrung sowie Fremdsprachen. Bei den Soft Skills stehen Teamfähigkeit, Motivation und Eigeninitiative oben auf der Liste. Je nach Branche kommen spezielle Anforderungen hinzu. So schätzen Banken einen "bankfachlichen Hintergrund", womit sie eine Banklehre vor dem Studium meinen.

Kurz angebunden, wenn es um den Arbeitsvertrag geht

Je höher die Latte liegt, desto sorgfältiger wird gesiebt. Bewerber müssen mit allem rechnen: Online-Test, Telefoninterview, "Hausaufgaben" in Form einer Fallstudie, zwei oder mehr persönliche Gespräche, Assessment Center. Ist der Eintrittstermin festgelegt, kann sich das Unternehmen Zeit lassen mit dem Auswahlverfahren - so vergehen mehrere Monate bis ein Dreivierteljahr. Kurz angebunden sind die Personalabteilungen hingegen, wenn es um den Arbeitsvertrag geht: "Trainee, friss oder stirb!"

Claudia Kimich, die als Trainerin für Verhandlungsführung und Konfliktlösung in München arbeitet, sieht wenig Spielraum beim Gehalt. Mehr sei bei den Rahmenbedingungen drin, etwa Weiterbildung. "Allerdings bekommt man das nicht auf dem Silbertablett serviert, sondern nur auf hartnäckige Nachfrage", sagt Kimich. Wer beispielsweise eine akademische Zusatzausbildung plant, darf durchaus im Bewerbungsgespräch vorfühlen.

"In der Regel lohnt es sich erst gegen Ende des Trainee-Programms zu verhandeln oder wenn eine vorzeitige Übernahme in eine Abteilung erfolgt", sagt Ute Bölke, Karriereberaterin in Wiesbaden. "Neben dem Gehalt können dann gegebenenfalls noch Umzugsbeihilfen, Relocationservice oder Unterstützung für den Ehepartner verhandelt werden, der sich möglicherweise durch den Umzug eine neue Stelle suchen muss."

  • Kerstin Krüger
    KarriereSPIEGEL-Autor Christoph Stehr ist freier Journalist in Hilden.

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ohnebenutzername 17.10.2011
1. Der kleine Prinz lebt und wir zahlen mit
ich finde bei den ganzen Generation Praktikumberichten, Reportagen und Essays doch immer wieder erstaunlich, dass ein wichtiger Punkt ausgelassen wird: Der Steuerzahler zahlt kräftig mit. Denn all die Bachelors, die für bis zu 60 h bei max 400,- € in der schicken Werbeagentur oder Plattenfirma schuften, haben Anspruch auf ergänzendes Hartz 4. Warum, denkt die Chefetage, sollen wir aus der UNtermehnskasse zahlen, wenn unser Trainee doch von der Allgemeinheit mitbezahlt wird. Liegt ja nah. Stimmt. Regelsatz Hartz 4 liegt bei 364,- €, habe ich also schon ein Einkommen von 400,- € gibt es ergänzendes Hartz 4 in Form von anteiligen Kosten für Unterkunft und Heizung. Das sind zwar eigentlich z.B. nach der Av Wohnen in Berlin "nur" 378,-/Monat. Wenn die tatsächliche Miete jedoch höher ist, wird auch diese für 6 Monate mitbezahlt. Dann gibt es auch noch ein verbilligtes BVG Ticket (ca 35€)und allerlei Ermäßigungen im Kino,Theater und Museum, (soweit die 60H Woche hierfür noch Zeit läßt). Wenn Omi oder Mutti dann noch regelmäßig einen Hunderter rüberschicken, dann geht das. Tatsächlich haben wir es mit einer unerträglichen Quersubventionierung zu tun, die zumindest ich, nicht gewillt bin mitzutragen. Dass der Bolognagebeutelte Studiosus nun nicht gerade -nackt und lärmend- auf die Straße rennt, kann ich auch verstehen. Von Seiten der Unternehmen ist kein Einlenken zu erwarten. Warum auch?
hundini 17.10.2011
2. ^^
Kann mich noch an Anfang der 90er erinnern. Vorsitzender x hält Vortrag... "Herr y, bitte legen Sie die nächste Folie auf"... "Herr y! Nicht schlafen, die nächste Folie"... "Verdammt nochmal, wachen Sie endlich auf Herr y!"... . . . Letzte Woche Vorsitzender Herr y hält Vortag... ;)
slimp86 17.10.2011
3.
Verstehe den Sinn vom Artikelnamen nicht ... "Das Jahresgehalt beträgt durchschnittlich 39.600 Euro" Damit liegen die Trainee Leute doch sehr gut, das ist doch schon mehr als das durchschnittliche Einkommen in Deutschland. Klar gibt es immer schwarze Schaafe bei den Unternehmen, aber das ist ja nicht die Regel, wie man am Schnitt sieht ...
new-yorker 17.10.2011
4. Ich bin kein Titel
40,000Euro ist nicht die welt, aber soviel mehr bekommen Trainees in den Grossbanken in NYC und dergleichen auch nicht. Collegeabsolventen gehen da meist zwischen 60-85,000USD in der Gehaltstuete an die Banken, was in Manhattan auch nicht die Welt ist dank hoher Steuer und den Lebenshaltungskosten. Dafuer werden dann aber auch 65-80h gearbeitet. Mit Glueck kommt danach noch nen guter Bonus dazu sonst kann man sich das nicht antun. Nach den ersten 2 Jahren wirds dann meist besser.
HBRSS 17.10.2011
5. Halbes Gehalt - doppelte Arbeit
Zitat von sysopJosef Ackermann hat eins gemacht, Eckhard Cordes und Jürgen Dormann auch. Früher galten Trainee-Programme als elitärer Einstieg für künftige Thronfolger und Top-Manager. Doch aus dem bequemen Business-Class-Rundflug durchs Unternehmen ist ein Sturzflug ins harte Berufsleben geworden. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,791754,00.html
In der meiner Behörde werden ständig Praktikanten eingestellt und "dürfen" für ein Minigehalt ein halbes Jahr arbeiten. Der öffentliche Dienst mischt also ordentlich mit, denn auch hier wird inzwischen gespart wie der Teufel und notfalls auch zu Lasten von Praktikanten. Dafür werden reguläre Planstellen nicht mehr besetzt.
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