Unternehmer Grupp über Azubi-Schelte Lehrlinge mit Familienanschluss

Lustlos und schlecht qualifiziert, so sehen viele Chefs laut McKinsey-Studie den Firmennachwuchs. Wolfgang Grupp indes hält auf seine Azubis große Stücke, besetzt mit ihnen später Führungsjobs - und stellt Akademiker gar nicht erst ein in seinem Textilbetrieb Trigema.

Textilunternehmer Grupp (links; mit einem Affen als Trigema-Werbefigur): "Jeder Azubi kriegt eine Chance"
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Textilunternehmer Grupp (links; mit einem Affen als Trigema-Werbefigur): "Jeder Azubi kriegt eine Chance"

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Zur Person
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    Wolfgang Grupp (Jahrgang 1942) ist Inhaber von Trigema in Burladingen. Der Diplom-Kaufmann übernahm 1969 das damals verschuldete Bekleidungsunternehmen von seinem Vater und sanierte es.

KarriereSPIEGEL: Laut McKinsey-Studie "Education to Employment" klagt jeder vierte Arbeitgeber in Deutschland, Auszubildende und Nachwuchskräfte seien schlecht durch die Schule vorbereitet, könnten nicht systematisch denken und hätten keine Arbeitsmoral. Was machen Sie für Erfahrungen mit Ihren Auszubildenden?

Grupp: Nur positive. Das liegt aber daran, dass wir uns bestens um unsere Auszubildenden kümmern. Das Unternehmen ist ihre zweite Familie - ich nenne das die Arbeitsfamilie. Jeder Azubi weiß, wenn er Leistung bringt, kriegt er eine Chance und kann weiterkommen.

KarriereSPIEGEL: Das behauptet doch jeder Betrieb.

Grupp: Aber anders als andere Betriebe übernehmen wir unsere Auszubildenden gern. Wir besetzen später die leitenden Positionen mit ihnen. Bei Trigema gibt es unter 1200 Mitarbeitern nur mich, der studiert hat. Alle anderen Führungskräfte kommen aus der betrieblichen Ausbildung, mit Ausnahme des technischen Leiters, der aber auch schon 22 Jahre bei uns ist.

KarriereSPIEGEL: Sind Sie der gute Geist der Nichtakademiker?

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Azubi-Löhne: Tops und Flops bei der Bezahlung
Grupp: Darum geht es nicht. Wenn ich qualifizierte Fachkräfte haben möchte, dann muss ich sie ausbilden. Ich kann nicht erwarten, dass mein Wettbewerber für mich ausbildet - und mir später seine besten Leute schickt und die schlechten für sich behält.

KarriereSPIEGEL: Andere Unternehmen scheinen genau darauf zu spekulieren.

Grupp: Bis vor wenigen Jahren, als wir noch nicht ständig über den Fachkräftemangel geredet haben, war es üblich, dass Unternehmen ihre Azubis nach der Ausbildung nicht immer weiterbeschäftigt haben. Das ist ein Fehler. Ich muss meinen Mitarbeitern eine Zukunftsperspektive bieten. Tue ich das nicht, brauche ich mich nicht zu wundern, wenn sie nicht motiviert sind. Warum soll sich jemand anstrengen, der genau weiß, dass er nach der Ausbildung auf die Straße gesetzt wird?

KarriereSPIEGEL: Ein weiteres Ergebnis der McKinsey-Studie ist, dass viele Unternehmen Schwierigkeiten haben, überhaupt Bewerber anzulocken. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Grupp: Wenn Sie in Burladingen auf der Schwäbischen Alb sitzen, ist es in der Tat so, dass sicherlich keine Leute aus London oder Paris zu uns kommen wollen. Ich muss wissen, dass ich hier nicht ein attraktives Lebensumfeld bieten kann, also muss ich dafür umso mehr attraktive Arbeitsplätze bieten. Die kann ich dann auch problemlos mit Bewerbern aus unserer Region besetzen.

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bessernachgedacht 14.01.2014
1. nicht schwarz weiß malen
Ich mag den Typen und ich mag Trigema, trage selbst so viel Bio-Baumwoll-Sachen von denen wie es geht, der Umwelt und den Menschen zu liebe. Nur solche Interviews sind zu sehr von schwarz weiß Malerei geprägt. Es gibt vermehrt junge Menschen denen man nicht helfen kann. Da ist fast immer das Umfeld schuld. Meist die Eltern, die ihre Kinder vor zu viel Leistungsbereitschaft schützen wollen. Ausserdem sitzt Trigema auf dem Lande, da ist die Welt noch in Ordnung und Mitarbeiter sind überhaupt zu finden.
inx_1 14.01.2014
2. Man mag
Man mag von Hr. Grupp halten was man will (sein privater Lebensstil wäre nicht der meine) aber seine Unternehmung hat er im Griff. Sehr schöne und transparente Aufbereitung des Faktes das ein Unternehmer eben auch dafür einstehen muss das er sich Nachwuchs heranzieht. Von solchen Unternehmern gerne mehr in Deutschland, Chapeau.
littlegirl 14.01.2014
3. Azubis mit Familienanschluss
Viel Arbeit für wenig Geld. Auch bei den Bauern. Gasthöfen, Friseuren, Schneidern gab es früher Lehrlinge mit Familienanschluss vor allem auf dem Land und eines hatten sie alle gemeinsam ...
blackpride 14.01.2014
4. Gute Einstellung,
die im deutschen Mittelstand noch ziemlich weit verbreitet sind. Überhaupt bemühen sich Mittelständler wesentlich mehr um angenehmes Betriebsklima, nachhaltige Planung und Mitarbeitermotivation. Ich kann es nur immer wieder wiederholen: Der deutsche Mittelstand (gemeinsam mit den Sparkassen) ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Ihn sollten wir hegen und pflegen und nicht ständig den großen Konzernen hinterherlaufen für die eine Steueränderung von 5 % ein Grund ist, ihre Produktion ins Ausland zu verlegen.
thomweb 14.01.2014
5. Manager mit Bodenhaftung
Man mag ja zu Trigema stehen, wie man will - ich für meinen Teil denke dabei in erster Linie an Loriot und den Versuch, die Sekretärin zu küssen. Herr Grupp ist aber, anders als die Kaste der Manager, ein Unternehmer mit Bodenhaftung. Er führt einen Betrieb in eigener Verantwortung.Er ist nicht einfach nur ein viel zu gut bezahlter Angestellter, der einen Betrieb zu Grund richtet, dann eine millionenschwere Abfindung bekommt und keinerlei Verantwortung für das trägt, was er da tut. Ich war vor ein paar Jahren im Siegerland bei einem Großhändler. Der Mann war damals schon um die 70, hat den Betrieb mit seinen eigenen Händen aufgebaut und einen halben Samstag geopfert, um uns sein Lager ausführlich zu zeigen. Wie bei Herrn Grupp: DAS sind Unternehmerpersönlichkeiten! Sie tragen die Verantwortung auf ihren eigenen Schultern, oft haften sie auch mit dem eigenen Vermögen. Und sie tun etwas für den Ort, an dem sie tätig sind. Und diese sind mir tausendfach lieber als das Pack verantwortungsloser Manager.
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