Prekäre Jobs Nachwuchsforscher arbeiten zwölf Stunden pro Woche zu viel

Wer eine Karriere in der Wissenschaft anstrebt, lässt sich häufig ausbeuten. Eine Umfrage bestätigt das - und zeigt, welche Nachwuchswissenschaftler die meisten Überstunden schieben.

Junge Wissenschaftler (Symbolbild)
Getty Images/Science Photo Libra

Junge Wissenschaftler (Symbolbild)


Nachwuchswissenschaftler machen durchschnittlich knapp zwölf Überstunden pro Woche. Das ergab eine Umfrage des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), über die die Zeitschrift "Forschung & Lehre" berichtet.

Wissenschaftliche Mitarbeiter, die am Anfang ihrer Karriere stehen und noch keinen Doktortitel haben, kommen demnach sogar auf knapp 13,5 Überstunden pro Woche. Ihre vertraglich festgelegte Arbeitszeit liegt laut DZHW bei durchschnittlich 30 Wochenstunden, die von Postdocs bei 37 Stunden. Letztere arbeiten im Schnitt zehn Stunden pro Woche zu viel.

Die Daten beruhen auf einer DZHW-Befragung von mehr als 3000 Beschäftigten aus dem akademischen Mittelbau, die an bundesweit 59 verschiedenen Hochschulen arbeiten. Die Umfrage wurde bereits 2016 durchgeführt, die vorliegende Sonderauswertung zum Thema Überstunden hat das DZHW jedoch erst in dieser Woche veröffentlicht.

Naturwissenschaftler machen die meisten Überstunden

Die meisten Überstunden machen demnach Männer, die als wissenschaftliche Mitarbeiter in Teilzeit an deutschen Hochschulen beschäftigt sind. Sie arbeiten im Schnitt rund 17,5 Stunden pro Woche mehr als bezahlt. Bei Frauen in Teilzeit seien es knapp 14,5 Stunden pro Woche.

Wenn Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler eine Professur anstreben, gehen sie besonders großzügig mit ihrer Arbeitszeit um: Sie machen laut Auswertung häufiger Überstunden als Wissenschaftler, die es auf eine andere Leitungsfunktion in der Wissenschaft oder auf einen Job in der Wirtschaft abgesehen haben.

Klare Unterschiede gibt es auch zwischen den einzelnen Fächern. Naturwissenschaftler liegen laut DZHW mit 14 Überstunden pro Woche an der Spitze. Unter Ingenieurwissenschaftlern, die am Ende der Rangliste stehen, sind es im Schnitt neun Stunden pro Woche.

Das sind jedoch immer noch mehr als doppelt so viele Überstunden wie die, die in der Gesamtbevölkerung durchschnittlich anfallen: Jeder Arbeitnehmer in Deutschland häuft im Schnitt knapp vier Überstunden pro Woche an.

lov

insgesamt 104 Beiträge
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Seite 1
Strangelove 29.01.2019
1. Man kann das auch anders sehen.
Die Promotion ist privatsache, die wissenschaftliche Arbeit wird bezahlt. Also, sofern die Überstunden der Promotion dienen ist es auf jeden Fall in Ordnung. Immerhin Qualifiziert man sich weiter das muss nicht voll bezahlt werden oder werden Schüler bezahlt? Aber letztendlich würde ich mich nicht beschweren, ich kenne einige die auf einer halben oder 3/4 Stelle 60+ Stunden pro Woche arbeiteten weil es ihnen einfach so viel Spaß machte. Denen war egal ob sie dafür bezahlt wurden (hätten aber sicher nichts gegen mehr Geld gehabt). Wer bei der Promotion Dienst nach Vorschrift macht wird in der Regel auf keinen grünen Zweig kommen denn dann fehlt ihm das Interesse und der Ehrgeiz und er sollte sich etwas anderes, dafür eventuell besser bezahltes, suchen. Ich denke nicht, dass man eine Qualifizierungsstelle mit einem normalen Arbeitsplatz vergleichen kann. Kommt man dann weiter endet es übrigens nicht mit 40 Stunden. Viele arbeiten dann auch noch deutlch mehr. Nicht weil sie jemand zwingt, sondern weil sie es wollen.
viwaldi 29.01.2019
2. Ich lach mich tot
Was ist das den für eine Schrott- Aussage? Glauben sie Einstein ist um 16:30 nach Hause gegangen? Wer mit der Vorstellung von Tarifstunden in die Forschung geht, ist entweder Verdi- Funktionär oder nicht ganz richtig im Kopf. Mit Beamtenmentalität funktioniert Forschung nicht, da muss schon etwas mehr kommen. Ehrlich gesagt haben wir früher alle 30-40 Überstunden pro Woche gemacht, nicht weil wir es müssten- sondern weil wir wollten: etwas verstehen, etwas bewegen, etwas Neues als erster rauskriegen. Wer da auf die Uhr schaut, hat nichts verstanden und ist da total falsch. Forschung ist keine Produktion und keine Versorgung, es ist Lust und Drang. Was für ein trauriges Verständnis von Forschung wird hier vermittelt - wie armselig.
astrolenni 29.01.2019
3. Differenzierung nötig
In der Promotionszeit sollte es selbstverständlich sein, nur zu 50-65% bezahlt zu werden (und entsprechend Lehre zu leisten), das würde ich nicht als "Überstunden" bezeichnen. Die Situation für Post-Docs ist eine andere.
Actionscript 29.01.2019
4. Forschung ist Passion
Wer als Naturwissenschaftler in der Forschung an Instituten oder der Universität arbeitet, tut dies nicht nur zum Geldverdienen sondern aus Passion. Zumindest habe ich das als Naturwissenschaftler so erlebt. Dann spielt der Konkurrenzkampf eine grosse Rolle. Besonders in der Grundlagenforschung konkurriert man mit anderen Arbeitsgruppen in demselben Gebiet, wer als erster publiziert. Ich habe als Diplomand, Doktorand und Postdoc und auch später als selbständiger Forscher in Deutschland sowie den USA zwischen 50 und 80 Stunden pro Woche gearbeitet. Das hab ich für mich getan. Die Zellen fragen auch nicht ob es Wochenende ist oder Nacht. Dafür kann man sich aber auch in der Naturwissenschaft die Zeit einteilen und braucht nicht pünktlich morgens um 8 oder 9 anfangen oder man nimmt sich mal während des Tages frei. Das man aber täglich pünktlich um 17.00 den Bleistift fallen lässt bzw heutzutage den Laptop schliesst, das sollte man als Naturwissenschaftler - wohlgemerkt in der Forschung, nicht in der Industrie, wo andere Regeln herrschen - vergessen. Oder man sollte sich einen anderen Beruf suchen.
physiowdc 29.01.2019
5. Sie arbeiten für Ihre Karriere, also!
Ein Wissenschaftler, der seine Überstunden zählt, ist eigentlich schon falsch am Platz. Er arbeitet für seine eigene Karriere und dient nicht einem Unternehmen. Er bringt sein eigenes Projekt voran und es ist doch klar, dass man dafür Überstunden macht. Ich verstehe diesen Artikel in keiner Weise! Vielleicht sollten wir uns dann auch darüber wundern, dass ein Start-Up Gründer oder Privatunternehmer Überstunden macht. Das ist doch sinnfrei! Insofern bitte die Kirche im Dorf lassen.
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