Unternehmensberater-Aussteiger Ich schmeiß hin!

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2. Teil: Saskia Bruysten in einer Sinnkrise: "Wirklich interessiert hat mich der Job eigentlich nie"


Grameen Creative Lab

Eine Woche zuvor war Saskia Bruysten in der Ukraine, New York, Paris und Brüssel. Jede Minute des Tages ist perfekt durchgeplant. Das Leben einer Aussteigerin stellt man sich irgendwie anders vor. Trotzdem hat sich für sie alles verändert.

Als Saskia Bruysten mit 23 Jahren bei der Unternehmensberatung BCG (Boston Consulting Group) anfing, wollte sie es allen zeigen. Vor allem sich selbst habe sie beweisen wollen, dass sie als kleines blondes Mädchen auch eine taffe Beraterin sein könne. Das aufgebaute Selbstbewusstsein merkt man ihr heute an. "Doch wirklich interessiert hat mich der Job eigentlich nie", sagt Bruysten. So ehrlich zu sich selbst war sie jedoch nicht immer.

Nach einiger Zeit bei BCG in München zog sie nach New York und beriet hauptsächlich große Kunden aus der Kosmetikbranche. Top-Gehalt, tolle Stadt, schicke Wohnung und beruflich auf dem steilen Weg nach oben... und trotzdem kam die Krise. Saskia Bruysten fragte sich, mit welchem Ziel sie eigentlich Tag für Tag zur Arbeit ging. Den Kunden beim Verkauf ihrer Parfums zu mehr Gewinn zu verhelfen, kann das alles sein?

Bruysten schmiss also den Traumjob und begann in London noch einmal zu studieren - "endlich einmal ohne festen Plan vor Augen". Dann hörte sie Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus, der durch die Mikrokredite der Grameen Bank berühmt wurde, bei einer Konferenz in Berlin sprechen. "Ich war begeistert und wollte unbedingt für ihn arbeiten" erzählt sie.

Soziale Verantwortung statt Gewinnmaximierung

Bald darauf begann sie gemeinsam mit dem Unternehmer Hans Reitz an einer gemeinsamen Idee zu arbeiten; ein knappes Jahr später gründeten sie das Grameen Creative Lab, eine Beratungsfirma für Social Business. Kunden wie BASF, Otto oder Adidas werden beraten oder lassen ihr Geld direkt von GCL in soziale Projekte investieren.

Heute ist Bruysten 31 und berät noch immer Unternehmen, doch die Ziele im Social Business sind ganz andere. "Wir wollen der Welt zu einem verantwortlichen Kapitalalismus verhelfen", sagt sie. Der Mensch sei auf der einen Seite ein selbstbezogenes Wesen, auf der anderen Seite aber auch mitfühlend und selbstlos. Das sei in der Wirtschaft nichts anderes; viele Unternehmer müssen soziale Verantwortung übernehmen, weil Konsumenten oder Shareholder das einfordern.

"An die Stelle der Gewinnmaximierung sind soziale Lösungen getreten", so Bruysten. Irgendwann sollen drei Prozent der Wirtschaft Social Businesses sein. Dafür entwickelt das Kreativlabor Strategien, die Saskia Bruysten überall auf der Welt bekannt machen will: "Im Prinzip habe ich Wirtschaft jetzt erst richtig verstanden."

Heute kann Saskia Bruysten ihre Einsatzbereitschaft und ihren Perfektionismus als GCL-Geschäftsführerin für ein konkretes Ziel einsetzen - exemplarisch für eine leistungswillige Generation mit viel Selbstdisziplin. Für Bruysten war auch die Selbstverwirklichung ein wichtiger Anstoß, heute etwas Gutes zu tun.



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insgesamt 155 Beiträge
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scharfrichter1 29.07.2011
1. Juristen auch...
...gut ausgebildet, gut verdienend, aber sinnentleert... Ergebnis: zB. www.plan-be.de
me-privat 29.07.2011
2. Mehr fällt mir dazu nicht ein:
Zitat von sysopSpitzennoten,*Arbeit in einer Top-Beratungsfirma für ein tolles Gehalt, ackern rund um die Uhr - und nach ein paar Jahren*lassen viele junge Consultants ihren Job sausen. Sie zwickt die Frage: Wofür schufte ich hier eigentlich?*Aus*der Sinnkrise entstehen oft bemerkenswerte Ideen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,776700,00.html
Luxusprobleme!!!
propaganda, 29.07.2011
3. ich kenn da auch ein paar...
nachdem sie bei mckinsey mitgeholfen haben, ca. 100 tsd. arbeitsplätze wegzurationalisieren, jetzt ihre schäfchen im trockenen haben (eigentumswohnung, aktiendepot) kommt die "sinnkrise". na und da geht man eben in die schwellenländer und macht mikro-ppp uä., dass heißt, man gibt den leuten in der dritten klasse der titanic gesangsunterricht.
Rapporteur 29.07.2011
4. F7 kann doch nicht so schwierig sein
Mein Wunsch: Einmal einen fehlerfreien SPON-Artikel lesen zu dürfen. Und damit meine ich lediglich die offensichtlichsten Flüchtigkeitsfehler. Ist das zuviel verlangt von Journalisten, also Profis? /klugscheissermodus
Frank Bennesch, 29.07.2011
5. So sind sie
Zitat von sysopSpitzennoten,*Arbeit in einer Top-Beratungsfirma für ein tolles Gehalt, ackern rund um die Uhr - und nach ein paar Jahren*lassen viele junge Consultants ihren Job sausen. Sie zwickt die Frage: Wofür schufte ich hier eigentlich?*Aus*der Sinnkrise entstehen oft bemerkenswerte Ideen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,776700,00.html
... die fünfjahres Söldner.
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