So geht Arbeit Wer darf wann in den Urlaub?

Klar, jeder soll den Urlaub nehmen, der ihm zusteht - aber bitte nicht alle zur Hauptreisezeit. Beim Kalender-Tetris gibt es immer wieder Streit mit Chefs und Kollegen. Das sind Ihre Rechte.

Usedom im Sommer
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Usedom im Sommer

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Sie haben ein Problem:

Dass Ihnen das mal passieren würde! Sie haben Ihren Urlaub gebucht, sich aber nicht früh genug um die Urlaubstage auf der Arbeit gekümmert. Nun stehen Sie da: Die Reise ist längst bezahlt, doch die Abteilungsleitung hat den Urlaubsantrag gerade abgelehnt. Schön blöd.

Das könnte helfen:

Wollen wir mal kurz in Extremen denken? Theoretisch könnten Sie es tatsächlich mit einer einstweiligen Verfügung versuchen. Klingt krass - ist es auch. Damit kriegen Sie Ihren Urlaub zwar ziemlich schnell und vergleichsweise sicher. Aber es ist gut möglich, dass Sie danach auch nicht mehr zur Arbeit zu kommen brauchen, zumindest bei diesem Arbeitgeber. Will sagen: Das gibt dann richtig Ärger. In den meisten Fällen ist die einstweilige Verfügung einfach zu drastisch.

Wenn wir über empfehlenswerte Maßnahmen sprechen, gibt es keine einfachen Lösungen. Im Urlaubsgesetz - na klar, sowas gibt es - steht, dass die Wünsche des Arbeitnehmers "zu berücksichtigen" sind. Und die Rechtsprechung hat über die Jahre klargemacht: Im Vordergrund steht dabei tatsächlich der Arbeitnehmer, die Bedürfnisse des Betriebs sind zweitrangig.

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Top und Flop: So viel Urlaub bekommen Angestellte weltweit

Aber ebenso klar ist: Natürlich sind auch die Bedürfnisse des Betriebs berechtigt - fahren alle gleichzeitig in den Urlaub, muss man sich um die Zukunft der Firma Sorgen machen. Wer Urlaub bekommt und wer nicht, wie viele zeitgleich weg sein dürfen, entscheidet deshalb am Ende der Chef. Und zwar "nach billigem Ermessen".

Das heißt: Bei der Wahl der Kriterien ist er ziemlich frei, er hat das Recht zu begründeten Ungerechtigkeiten - nachvollziehbar sollten sie aber schon sein. Folgende Kriterien sind verbreitet:

  • Wer ganz kleine Kinder hat, gilt vielen Chefs als besonders erholungsbedürftig und hat Vorrang.
  • Andererseits: Wer schulpflichtige Kinder hat, muss sich beim Familienurlaub nach den Ferienterminen richten, das kann auch einen Vorrang begründen. Einen Rechtsanspruch von Müttern oder Vätern auf Urlaub in den Schulferien gibt es allerdings nicht.
  • In manchen Betrieben können ältere Arbeitnehmer leichter ihren Urlaubszeitraum wählen.
  • Ein Arbeitgeber darf Urlaubssperren aussprechen, zum Beispiel für eine ganze Abteilung in einem Zeitraum, in dem ein bestimmtes Projekt fertig werden muss.
  • Oder er kann Urlaub für alle anordnen, etwa eine Arztpraxis, die geschlossen Betriebsferien veranstaltet und sich dabei mit anderen Praxen koordinieren muss.

Hat der Chef einen Urlaub genehmigt, ist er festgelegt. Der Widerruf ist nur in seltenen Ausnahmefällen möglich. Darauf dürfen Sie sich verlassen.

Die Kehrseite ist allerdings: Das gilt für alle anderen Kollegen auch. In Ihrer Situation mit dem fehlgebuchten Urlaub ist die Abteilungsleitung dadurch weniger flexibel, auch bei gutem Willen.

Der vernünftigste Ratschlag ist also, mit Chef und Kollegen gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Vielleicht kann ja ein Kollege tauschen, der noch nicht gebucht hat - mit dem Einverständnis des Arbeitnehmers kann genehmigter Urlaub natürlich geändert werden. Und dass Sie beim nächsten Mal besser zuerst den Urlaub beantragen, ist ja eh klar, oder?

Worauf müssen Sie beim Thema Urlaub sonst achten?

Urlaub richtet sich nach der Zahl der wöchentlichen Arbeitstage. Gesetzlich vorgeschrieben sind 24 Tage pro Jahr, die Zahl ist auf eine Sechs-Tage-Woche gerechnet. Bei einer Arbeitswoche von Montag bis Freitag bleiben 20 Tage. In vielen Firmen gibt es aber mehr, 30 Tage auf eine Fünf-Tage-Woche sind nicht selten. Wenn Sie auf Teilzeit umstellen und nur vier Tage pro Woche da sind, verringert sich der Anspruch entsprechend, bei der gesetzlichen Regelung zum Beispiel auf 16 Tage.

Übrigens ist es eine ganz üble Idee, ohne Genehmigung in den Urlaub zu fahren. Die sogenannte Selbstbeurlaubung ist ein Kündigungsgrund erster Güte. Selbst wenn Sie der Meinung sind, dass Ihnen nachweislich Unrecht getan wird, selbst wenn ein Arbeitgeber einen genehmigten Urlaub zurückzieht: Die Rechtswidrigkeit stellt ein Arbeitsgericht fest, nicht Sie.

Chef-Sprüche zum Urlaubsantrag

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Und für alle, die das Extreme lieben: Natürlich gibt es auch Situationen, in denen eine einstweilige Verfügung ratsam sein kann. Zum Beispiel dann, wenn ein Arbeitgeber trotz mehrmaliger Aufforderung gar keine Entscheidung über Ihren Urlaubsantrag trifft - schließlich brauchen Sie Planungssicherheit. Aber bitte lassen Sie sich auch in so einer Situation juristisch beraten.

Und sonst so?

Es ist eine Legende, dass man in der Probezeit keinen Urlaub nehmen darf. Richtig ist, dass Sie vor Ablauf des ersten Halbjahres keinen Anspruch auf den vollen Jahresurlaub haben. Sechs Monate durchmalochen müssen Sie deshalb aber nicht. Für jeden Monat, den Sie schaffen, stehen Ihnen die anteiligen Urlaubstage zu. Sprich: Trifft für Sie die gesetzliche Zahl bei einer Fünf-Tage-Woche zu, dann sind das nach drei Monaten 4,98 Tage.

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insgesamt 26 Beiträge
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ansv 20.04.2017
1. Im April ist es eh zu spät
Bei uns wird der Urlaubsplaner Anfang des Jahres aufgemacht, alle tragen ihre Wünsche ein und in diesem Jahr gab es noch nicht einmal eine Diskussion um die Pfingstferien, weil alles passt. Gut, das Unternehmen hat Schließtage, daher gibt es auch kein Geschacher um die Brückentage. Wer bis jetzt nichts eingetragen hat, muss halt nehmen was noch geht. Es kann so einfach sein.
fatherted98 20.04.2017
2. Im Prinzip...
...hat man überhaupt keine Rechte den Urlaub dann zu nehmen, wenn man ihn will...das ist alles nur Good-Will des Arbeitgebers. Auch Kollegen spielen da keine Rolle...denn letztlich genehmigt nur der Chef...und wenn der sagt aus betrieblichen Gründen nimmst Du Deinen Urlaub im November...dan ist das so. Passiert nicht oft...kommt aber vor...und einen anderen Rechsanspruch als das der Urlaub nicht zerstückelt werden darf (da er ja der Erholung dient) hat der Arbeitnehmer nicht. Sogar Betriebsurlaub (sprich Zwangsurlaub) kann angesetzt werden....und zwar dann wenn der Chef will...nicht der Arbeitnehmer. Falls kein Betriebsrat vorhanden...ist man dem Willen des Chefs ausgeliefert...ohne irgendeine rechtliche Chance.
zerr-spiegel 20.04.2017
3.
Zitat von fatherted98...hat man überhaupt keine Rechte den Urlaub dann zu nehmen, wenn man ihn will...das ist alles nur Good-Will des Arbeitgebers. Auch Kollegen spielen da keine Rolle...denn letztlich genehmigt nur der Chef...und wenn der sagt aus betrieblichen Gründen nimmst Du Deinen Urlaub im November...dan ist das so. Passiert nicht oft...kommt aber vor...und einen anderen Rechsanspruch als das der Urlaub nicht zerstückelt werden darf (da er ja der Erholung dient) hat der Arbeitnehmer nicht. Sogar Betriebsurlaub (sprich Zwangsurlaub) kann angesetzt werden....und zwar dann wenn der Chef will...nicht der Arbeitnehmer. Falls kein Betriebsrat vorhanden...ist man dem Willen des Chefs ausgeliefert...ohne irgendeine rechtliche Chance.
Nö, da ist so ziemlich alles falsch, was falsch sein kann. Erstmal gilt das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG). Betriebliche Gründe muss der Chef immer ganz detailiert benennen. Und der AN darf die Gründe vom Arbeitsgericht prüfen lassen. Der AG verliert fast immer! Außerdem gelten nur dringende betriebliche Gründe. Und denen sind sehr enge Grenzen gesetzt. Dass man im Urlaubshotel nicht in der Ferienzeit gehen darf, sollte jedem AN klar sein. Aber sonst? Betriebsurlaub im November? Klar, geht. In der Tourismusbranche. Aber ansonsten eher nicht, das könnte Schikane sein. Außerdem darf nicht der gesamte Urlaub als Betriebsurlaub angesetzt werden. §7 (1) BUrlG ist immer zu beachten! Und natürlich gibt es viele rechtliche Chancen. Das BAG hat zum Thema Urlaub jede Menge Entscheidungen getroffen.
aktiverbeobachter 20.04.2017
4. selbst schuld
Also ganz klare Regel. Urlaub buchen erst, wenn Urlaub vom AG auch genehmigt. Dann kann auch im Prinzip nichts mehr passieren. Das vorher mit den Kollegen/innen absprechen. Flexibel und tolerant sein in alle Richtungen und von allen Kollegen/innen. Kann so einfach sein. Funktioniert bei mir seit 24 Arbeitsjahren problemlos.
berghamburg 20.04.2017
5. Vielleicht
Zitat von fatherted98...hat man überhaupt keine Rechte den Urlaub dann zu nehmen, wenn man ihn will...das ist alles nur Good-Will des Arbeitgebers. Auch Kollegen spielen da keine Rolle...denn letztlich genehmigt nur der Chef...und wenn der sagt aus betrieblichen Gründen nimmst Du Deinen Urlaub im November...dan ist das so. Passiert nicht oft...kommt aber vor...und einen anderen Rechsanspruch als das der Urlaub nicht zerstückelt werden darf (da er ja der Erholung dient) hat der Arbeitnehmer nicht. Sogar Betriebsurlaub (sprich Zwangsurlaub) kann angesetzt werden....und zwar dann wenn der Chef will...nicht der Arbeitnehmer. Falls kein Betriebsrat vorhanden...ist man dem Willen des Chefs ausgeliefert...ohne irgendeine rechtliche Chance.
Achgottchen, die armen Arbeitnehmer haben überhaupt keine Rechte. Mir kommen die Tränen. Entweder Sie sind Student oder Sie sollten mal den AG wechseln. Es gibt zwei "Berufe", bei denen man in D vogelfrei ist: Arbeitgeber und Vermieter. Beide haben so gut wie keine Rechte.
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