Urteil Tinnitus durch Kinderschrei ist kein Arbeitsunfall

Eine Erzieherin wollte einen besonders lauten Schrei eines Kindes als Arbeitsunfall anerkennen lassen - ohne Erfolg. Sie leide seither an einem Tinnitus, sagt sie.

Blick ins menschliche Ohr
AP

Blick ins menschliche Ohr


Kinder schreien ab und zu. Und ob sie sich dabei in der Nähe des Ohres eines Erwachsenen befinden, kümmert sie in diesem Moment nicht. Das kann für den Erwachsenen sehr unangenehm sein, keine Frage. Ein Schicksal, das sich Eltern und Erzieher teilen.

Trotzdem wollte sich eine Erzieherin, die in einem heilpädagogischen Heim in Hamm arbeitet, so einen Schrei als Arbeitsunfall anerkennen lassen. Nicht einfach irgendeinen Schrei: Einer, so sagte sie, habe zu einem Tinnitus geführt. Doch ein Tinnitus sei kein Arbeitsunfall, entschied nun das Sozialgericht Dortmund.

Die Erzieherin wollte die Behandlungskosten mit einem sogenannten Tinnitusmasker von der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen erstatten lassen. Dabei handelt es sich um ein Gerät, das wie ein Hörgerät im Gehörgang platziert wird und das mit einem Rauschgeräusch den Tinnitus überdecken soll. Auf diese Weise soll die Wahrnehmung des eigenen inneren Ohrgeräuschs verlernt werden.

Mini-Lärmtrauma ja, Maxi-Tinnitus nein

Doch das Sozialgericht befand in seiner am Montag veröffentlichten Entscheidung (Aktenzeichen S 17 U 1041/16), dass ein einzelner menschlicher Schrei keinen Tinnitus hervorrufen könne. Damit dürfe man den Tinnitus der Frau auch nicht als Arbeitsunfall werten.

Arbeitsunfall oder nicht?

In der Wissenschaft sei lediglich anerkannt, dass bis zu 130 Dezibel laute menschliche Schreie Mini-Lärmtraumata mit vorübergehenden Hörminderungen verursachen könnten. Bleibende Hörschäden, wie etwa ein dauerhafter Tinnitus, seien aber nicht zu erwarten.

mamk/JurAgentur



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