Urteil in Stuttgart Zahnarzt darf keine erfundenen Bewertungen verbreiten

Weil er einen Konkurrenten im Netz schlecht bewertet haben soll, stand ein Zahnarzt in Stuttgart vor Gericht. Er kassierte eine einstweilige Verfügung - und lenkte am Ende ein, ohne Schuld zugeben zu wollen.

Patientin beim Zahnarzt (Archivbild)
DPA

Patientin beim Zahnarzt (Archivbild)


Die Abneigung zwischen den beiden Ärzten aus der Nähe von Stuttgart muss riesig gewesen sein: Weil ein Zahnmediziner einen Konkurrenten aus dem Rems-Murr-Kreis mit falschen, negativ formulierten Bewertungen im Internet schlecht gemacht hatte, trafen sich die Ärzte vor dem Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart.

Das erließ am Mittwoch eine einstweilige Verfügung gegen den Autor der Bewertungen. Die Richter verboten ihm für die Zukunft solche Aktivitäten im Netz (Aktenzeichen: 4 U 239/18). Die Einträge waren bei einer Suchmaschine sowie auf zwei Bewertungsportalen für Ärzte erschienen.

Mit der Entscheidung des OLG wurde ein Urteil des Landgerichts Stuttgart aufgehoben. Das hatte eine einstweilige Verfügung noch abgelehnt, weil nicht zweifelsfrei zu beweisen sei, dass der angeklagte Arzt die Negativ-Bewertungen auch wirklich selbst geschrieben habe.

Auffällige sprachliche Gemeinsamkeiten

Das sahen die Richter beim 4. Zivilsenat des Oberlandesgerichts anders. Es sei erwiesen, dass der Beklagte hinter zahlreichen negativen Einträgen auf Bewertungsportalen stecke. Grundlage der Entscheidung war ein Sprachgutachten: Demnach stammten die schlechten Bewertungen über die Praxis des Klägers sowie lobende Äußerungen über die Praxis des Beklagten "mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit" vom selben Autor.

Von den einzelnen Punkten, die darin aufgeführt seien, reiche zwar keiner für sich genommen aus, sagte der Vorsitzende Richter am Mittwoch: "Aber wenn man alles zusammennimmt, ist es ausreichend."

Das Sprachgutachten hatte in den Texten wiederkehrende Rechtschreibfehler ausgemacht. Außerdem seien der Begriff "Atmosphäre" und das Thema Kosten in den Bewertungen immer wieder aufgetaucht.

Der angeklagte Zahnmediziner erkannte den Unterlassungsantrag an. Er betonte am Ende aber noch einmal, nicht der Verfasser der Texte zu sein.

him/dpa



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
Ja.......Aber 13.02.2019
1. Ich frage mich schon lange .....
.... wer diese "Gefälligkeitsbewertungen" eigentlich noch glaubt? Zum Teil sind diese Bewertungen ja von den Eigentümern der Seite selbst! Alle Bewertungen in einer "geschäftlichen" Beziehung sind viel zu komplex, um sie in ein paar Zeilen, ohne das Anrecht des Widerspruchs, zusammen zu fassen. Und dazugehört in meinen Augen, keine anonymisierten Bewertungen! Denn wer mit seinem Namen und Anschrift für eine Bewertung einsteht, überlegt sich sicher, was er zu Schreiben gedenkt?
spiegelleser85 13.02.2019
2. Bewertungspest
Die omnipräsenten anonymen Bewertungen im Internet sind die Pest des Digitalzeitalters.
schnabelnase 13.02.2019
3. Mir ist auch etwas aufgefallen.
1. Der Zahnarzt verfasst eigenhändig schlechte Bewertungen über einen Konkurrenten und bewertet sich selbst gut. 2. Er erkennt den Unterlassungsantrag an, bestreitet aber weiterhin jede Schuld bzw. überhaupt etwas derartiges getan zu haben. Hier erkennt man zunächst ein Mentalitätsproblem. 3. Dem Verfasser (der laut Erkenntnis des Gerichts der Beklagte sein soll) unterlaufen als Akademiker wiederkehrende Rechtschreibfehler. Merkwürdig. Oder doch nicht?
geotie 13.02.2019
4.
Zitat von Ja.......Aber.... wer diese "Gefälligkeitsbewertungen" eigentlich noch glaubt? Zum Teil sind diese Bewertungen ja von den Eigentümern der Seite selbst! Alle Bewertungen in einer "geschäftlichen" Beziehung sind viel zu komplex, um sie in ein paar Zeilen, ohne das Anrecht des Widerspruchs, zusammen zu fassen. Und dazugehört in meinen Augen, keine anonymisierten Bewertungen! Denn wer mit seinem Namen und Anschrift für eine Bewertung einsteht, überlegt sich sicher, was er zu Schreiben gedenkt?
Es geht aber nicht nur darum, dass man seinen eigenen Namen benutzen sollte, sondern bei Lügen auch mit einer Strafe zu rechnen hat. Ich hatte mal ein Hostel, wo man sich über das kostenlose kleine Frühstück ausließ, den Verkehr der Innenstadt zu hören war, der Feuermelder an der Decke kein schönes Design aufwies, und vieles andere auch. Dieselbe Person hatte ein anderes Hotel bewertet was von vorherigen Gäste abgelehnt wurde, dazu bemerkte sie das diese vorherigen Gäste sich nicht so haben sollte etc. Für mich sah das alles nach bezahlten Gefälligkeiten aus. Was noch hinzukam, das Bewertungsportal wollte die offensichtlich falsche Bewertung nicht überprüfen. Klagen wollten wir auch nicht, da das bei einem Hostel und weitere bezahlte Gäste nur ins leere gegangen wären. Aber meine Meinung über Bewertungsportale und auch über deren Bewerter habe ich beträchtlich nach unten revidiert
wahrsager26 13.02.2019
5. Wie auch immer.......
es wird bis auf wenige Praxen nicht mehr auskömmlich verdient.Das mag im Forum schlecht ankommen ,doch die 'Decke' wird dünner.Wie gesagt,es gibt Praxen die gute Umsätze haben ......aber es gibt auch oftmals gegenteiliges zu beobachten-Wartezimmer ist leer ! War das der Grund dieses Zwistes? Danke
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