Urteil Ältere Arbeitnehmer dürfen mehr Urlaub haben

Beim Schuhhersteller Birkenstock haben ältere Arbeitnehmer mehr Urlaub als jüngere. Ist das gerecht? Ja, hat jetzt das Bundesarbeitsgericht entschieden.

Urteil der obersten Richter: Sind ältere Arbeitnehmer erholungsbedürftiger als junge?
DPA

Urteil der obersten Richter: Sind ältere Arbeitnehmer erholungsbedürftiger als junge?


Hamburg - Ältere Mitarbeiter bekommen in manchen Betrieben mehr Urlaub als ihre jüngeren Kollegen. Zu Recht? Ja, entschied jetzt das Bundesarbeitsgericht in Erfurt (Aktenzeichen 9 AZR 956/12). Zum Schutz Älterer habe der Arbeitgeber einen Ermessensspielraum, der in diesem Fall nicht überschritten sei, urteilten die Richter.

Geklagt hatten sieben 45 bis 56 Jahre alte Beschäftigte von Birkenstock. In den Arbeitsverträgen sind 34 Urlaubstage vereinbart, doch der Schuhhersteller gewährt seinen Mitarbeitern nach dem 58. Geburtstag zwei weitere Urlaubstage im Jahr. Dadurch hatten sich die jüngeren Kläger wegen ihres Alters diskriminiert gefühlt. Doch die obersten deutschen Arbeitsrichter wiesen die Klagen ab.

"Wir begrüßen das Urteil", sagte ein Unternehmenssprecher gegenüber KarriereSPIEGEL. "Die körperliche Leistungsfähigkeit wird im Alter nicht besser. Deshalb müssen wir ältere Arbeitnehmer schützen." Sie bräuchten für die teils schwere und körperlich ermüdende Arbeit längere Erholungszeiten als jüngere Mitarbeiter.

Auch die Vorinstanzen hatten die Klagen abgewiesen. Zwar würden jüngere Arbeitnehmer durch einen geringeren Urlaubsanspruch im Vergleich zu älteren Kollegen benachteiligt, konstatierte das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz. Zwei Tage Mehrurlaub für über 58-Jährige dienten aber im Sinne von § 10 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes dazu, die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer sicherzustellen "in objektiv, angemessen legitimer Weise".

Erst 26 Tage Urlaub, später 30

Das Bundesarbeitsgericht hatte 2012 die Altersstaffel beim Urlaub im Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen gekippt. Die dortige Regelung hatte allerdings viel früher angesetzt: Bis zum 30. Lebensjahr bekamen die Beschäftigten 26 Tage Urlaub, bis 40 Jahre 29 Tage und danach 30 Tage. Der neunte Senat sah darin einen Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, weil jüngere Angestellte wegen ihres Alters benachteiligt würden.

Die Internationale Arbeitsorganisation ILO hatte 1980 zum Schutz älterer Beschäftigter neben einer Verkürzung der Arbeitszeit etwa empfohlen, den "bezahlten Jahresurlaub auf der Grundlage der Beschäftigungsdauer oder des Alters" zu verlängern. Das Bundesurlaubsgesetz kennt dagegen keinen Unterschied nach Alter. Dort heißt es nur: "Der Urlaub beträgt jährlich mindestens 24 Werktage."

Bei Ver.di hieß es, dass in den vergangenen Jahren etliche Tarifverträge bereinigt worden seien - etwa im Handel. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeber empfiehlt seit Längerem eine Umstellung - etwa nach Dauer der Betriebszugehörigkeit.

Fotostrecke

21  Bilder
Arbeitsrecht: Was Ihr Chef darf - und was nicht

dpa/end/ant

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 119 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
forscher56 21.10.2014
1. Die Klagen an sich schon dumm und frech.
Offenbar gewährt diese Firma allen Mitarbeitern mehr Urlaubstage als jeder Tarifvertrag. Da finde ich es dreist, auf noch mehr Urlaub zu klagen. Jede Wette, dass die Kläger während der Arbeitszeit mehr mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt sind, als positiv zum Betriebsergebnis beizutragen.
boingdil 21.10.2014
2. Und ein weiteres Seniorenprivileg...
Na klar wird die körperliche Leistungsfähigkeit im Alter meist nicht besser. Doch es gibt da noch viele andere Faktoren, Fitness-Unterschiede lassen sich oft nicht am Alter festmachen (wenn man nicht gerade 20 und 70-jährige miteinander vergleicht). De facto bedeutet das aber nichts anderes als eine Lohnerhöhung ab 58., und zwar um etwa 0,9% (bei 220 Arbeitstagen im Jahr). Dabei sind gerade die älteren Kollegen - da in der Karriere fortgeschritten - eh meistens finanziell schon besser gestellt. Und das soll fair sein?
cyberkarl 21.10.2014
3. ???
Wie kann man so bescheuert sein, dagegen zu klagen, dass ältere Arbeitnehmer 2 (!) Tage Urlaub mehr bekommen?? Jeder wird doch älter...
observerlbg 21.10.2014
4. Mich würde mal interessieren, was wäre....
...in dem Fall passiert, das BAG hätte im Sinne der Ankläger entschieden und Birkenstock hätte darauf hin die Urlaubsdauer für Alle auf 32 Tage reduziert. Könnten die "Neidhammel" (die Kläger) das rechtfertigen? Der deutsche Michel kennt immer besser seine juristischen Rechte, aber immer schlechter seine sozialen Pflichten.
cyberkarl 21.10.2014
5. @forscher56
Geklagt haben nicht die Älteren, sondern die Jüngeren
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.