US-Gehaltsstudie In den ersten zehn Jahren müssen Sie ranklotzen

Wer mit einem mickrigen Gehalt ins Berufsleben startet, wird wohl nie zu den Spitzenverdienern gehören. US-Ökonomen haben herausgefunden: Reich wird nur, wer die Konkurrenz mit 35 Jahren abgehängt hat.

Von Silvia Dahlkamp

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Mit dem Gehalt ist es wie beim Weitsprung: Wer langsam anläuft, fliegt hinten nicht weit. Im Berufsleben heißt das: Wer nicht in den ersten zehn Jahren Vollgas gibt, bleibt am Ende auf der Strecke.

Schon mit 30 Jahren beginnt der Endspurt um den Spitzenverdienst, mit 35 Jahren kann man verlorenen Boden nicht mehr gutmachen. Das haben US-Ökonomen festgestellt, die im Auftrag der Federal Reserve Bank of New York die Daten von fünf Millionen US-Angestellten über eine Zeit von 40 Jahren ausgewertet haben.

Laut Studie haben sich die Zeiten gedreht. Früher war es ganz normal, wenn ein Berufsanfänger nach dem Studium erst einmal mit einem Hiwi-Job startete, kleines Geld verdiente und große Ambitionen hatte. Hektik, Stress? Das gab es nicht, schließlich dauerte Karriere ein ganzes Leben.

Vorbei. Die Geldexperten analysierten: Wer nicht in den ersten zehn Jahren abschöpft, was der Markt hergibt, holt die Unterschiede im Gehalt in seinem gesamten Arbeitsleben nicht mehr auf - auf jeden Fall nicht in den USA.

"Mit durchschnittlich 25 Jahren sucht sich der Berufsanfänger einen Arbeitgeber, der ihn fördert. Er klettert die Karriereleiter hoch und macht keinen Schritt, der sich nicht lohnt. Das gilt auch fürs Geld", beschreibt Forscher Fatih Güvenen den typischen Beginn einer steilen Karriere. Er war einer von vier Wissenschaftlern, die untersuchten, wie sich die Gehälter von Arbeitern, Angestellten, Ärzten und Juristen in den Jahren zwischen 1978 und 2010 entwickelten. Das Ergebnis: Unter die Top Ten der Spitzenverdiener schaffte es nur, wer bis Mitte 30 die meisten Gehaltshürden genommen hatte.

Eine Rezession zieht sich durchs ganze Leben

Auch wenn die gesammelten Daten nur für amerikanische Angestellte gelten, lassen sich zumindest Tendenzen für den europäischen Arbeitsmarkt ablesen. So verdienen US-Angestellte, die während der Wirtschaftskrise 2007 ihr Studium beendeten und auf einen unsicheren Arbeitsmarkt strömten, bis heute durchschnittlich weniger als Kollegen, die zu besseren Zeiten in den Job einstiegen.

Bis heute spüren sie die Folgen der Rezession in ihrem Geldbeutel. Und werden wahrscheinlich auch niemals mehr mit ihren Kollegen gleichziehen, befürchten die US-Ökonomen. Das ergaben auf jeden Fall Vergleiche mit US-Schicksalsgenossen, die während der Wirtschaftskrise im Jahr 2001 ins Berufsleben einstiegen. Um überhaupt einen Job zu bekommen, mussten sie weniger Geld akzeptieren. Dabei ist es auch geblieben, als die Flaute wieder vorbei war.

Und wer sind die Gewinner im Gehaltsranking? Zu den oberen zehn Prozent gehören laut Studie vor allem Ärzte, Rechtsanwälte und Ingenieure. Sie sind die Einzigen, die es auch nach der magischen Altersgrenze noch in den Gehaltsolymp schaffen. Grund: Ihr Geld vermehrt sich kontinuierlich von Jahrzehnt zu Jahrzehnt - zwischen dem 25. und 55. Berufsjahr im Schnitt um 230, in Einzelfällen sogar um satte 1500 Prozent. Allerdings gibt es den Erfolg nicht ohne Risiko: Wer abstürzt, erholt sich nur schwer und erreicht anschließend selten wieder das ursprüngliche Gehaltsniveau.

Nach zehn Jahren sind Arbeitgeber nicht mehr spendabel

Ganz anders sieht die Gehaltsentwicklung bei Angestellten im Mittelfeld aus. Sie starten zwar stark, aber mit Mitte 30 lassen die Gehaltssprünge dann auch wieder stark nach. Zahlen die Arbeitgeber zu Beginn noch mehr als sie müssen, sind sie nach zehn Jahren nicht mehr so spendabel: Die einst saftigen Gehälter werden oft von der Inflation aufgesogen, aber von Tariferhöhungen aufgefangen. Insgesamt steigt das Gehalt eines Angestellten zwischen 25 und 55 Jahren aber immerhin noch um rund ein Drittel.

Am unteren Ende der Gehaltsskala stehen Arbeiter und Handwerker, die körperlich arbeiten. Ihr Einkommen geht zwischen den 25. und 55. Lebensjahr sogar zurück. "Das ist das Ergebnis harter körperlicher Arbeit. Wenn der Rücken zu schmerzen beginnt, lässt die Produktivität nach. Das macht sich im Gehalt bemerkbar", analysiert Fatih Güvenen.

Die Untersuchung war ursprünglich von der New Yorker Notenbank in Auftrag gegeben worden, um umfassende Kenntnisse über die Gehälter der Amerikaner zu bekommen. Doch weil der vorliegende Datensatz extrem umfassend und detailliert war, ließen sich auch Rückschlüsse auf verschiedene Karrieren ziehen.


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insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
dipl.inge82 05.03.2015
1. Kmu
Ich bin noch nicht ganz Mitte 30, seit 8 Jahren im Berufsleben und seitdem schon mehrmals durch entsprechendes Engagement auf verantwortungsvolle Positionen geklettert, wie auch jetzt wieder unmittelbar anstehend. Nur, zwischen Daumen und Zeigefinger besteht in kleinen Unternehmen kaum ein Unterschied ob man weiter oben oder unten in der Hierarchie steht. Schöne Grüße vom Auslandseinsatz.. .
killing joke 05.03.2015
2. Nichts Neues
Sinkendes Einkommen mit steigendem Lebensalter waren für die große Masse der Arbeiter schon immer harte Realität, bis auf die kurze Phase sozialer Absicherung während der "Sozialen Marktwirtschaft" bzw in den USA während des "New Deal". Und bei den "White-Collar"-Arbeitern bedeutet "reich werden" auch nur, mehr zu haben als der Büronachbar. Im Vergleich zu den Aktionären gilt auch für Vertriebsleiter und Manager: "Vom Arbeiten ist noch keiner reich geworden".
claus.w.grunow 05.03.2015
3. Reich werden
Diese Studie interessiert nur die Gruppe Menschen, die daran interessiert sind, an das verdiente Geld heranzukommen, z.B. der Staat. Für den normalen Menschen macht Geld nicht unbedingt glücklich.
rumpelstilzchen1980 05.03.2015
4.
Dann hab ich den Unsinn ja hinter mir. Lustigerweise sind die meisten neuen Großunternehmen aber mit Anfang 40 gegründet worden. ;-) Und wer in der Finanzkrise startet hat keine Chance... Achja.
fatherted98 05.03.2015
5. Typischer...
...Bankster-Artikel. Warum soll man andere "abhängen"?...ich fasse meinen Job als Team Work auf...und nicht als Konkurrenzkampf. Profilierung um einen besseren Job zu bekommen ist meist sehr durchsichtig...und endet meist im Disaster weil die Protagonisten den Aufgaben nicht gewachsen sind.
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