Berufsausbildung US-Präsident Trump eifert Deutschland nach

Ausnahmsweise hat US-Präsident Donald Trump etwas mit seinem Vorgänger Barack Obama gemeinsam: Beide loben das duale System zur Berufsausbildung in Deutschland. Trump will das jetzt in den USA aufgreifen.

US-Präsident Donald Trump steht vor Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
DPA

US-Präsident Donald Trump steht vor Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)


US-Präsident Donald Trump hat eine Reform der beruflichen Ausbildung angekündigt. Für Lehrstellen-Programme, die sich in Teilen am Dualen System in Deutschland orientieren, sollen künftig 200 Millionen Dollar pro Jahr zur Verfügung stehen, teilte Trump mit. Er gab der Initiative das Motto: "Earn while you learn" - auf Deutsch: Verdiene Geld, während du lernst.

Dem Immobilienmogul gefällt das Prinzip, wonach Auszubildende in Deutschland einerseits an Berufsschulen unterrichtet werden, andererseits in Betrieben für ihren Beruf qualifiziert werden - und dafür eine Vergütung bekommen. Trump betonte, die Teilnehmer der Lehrstellen-Programme in den USA könnten damit das aufwendige, in Teilen nicht effiziente und teure System der Colleges umgehen.

Für die Programme soll den Angaben zufolge nicht nur die Regierung zuständig sein, sondern auch Unternehmensverbände und Gewerkschaften. Auf diese Weise sollten Ausbildungsplätze für "Millionen von Bürgern" entstehen, so Trump.

Merkel machte Werbung

Der Präsident ließ sich möglicherweise von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vom Dualen System überzeugen. Sie hatte bei einem Treffen mit Trump und dessen Tochter Ivanka dafür geworben. Vor wenigen Jahren zeigte sich bereits der damalige US-Präsident Barack Obama beeindruckt. In einer Rede zur Lage der Nation lobte er 2013 ausdrücklich die Vorteile der dualen Ausbildung.

Die USA haben mit 4,3 Prozent derzeit eine historisch niedrige Arbeitslosigkeit. Regional herrschen jedoch in Teilen große Job-Probleme, unter anderem weil die Arbeiter nicht ausreichend ausgebildet sind, um etwa im Falle einer Betriebsschließung in einer anderen Branche arbeiten zu können.

Das deutsche Duale System zur beruflichen Ausbildung gilt als Exportschlager. Andere Länder wie etwa Spanien haben es bereits in Teilen übernommen. Kritiker sehen jedoch auch Mängel: Tausende junge Menschen blieben in Deutschland jedes Jahres ohne Lehrstelle und würden in Fördermaßnahmen "geparkt".

fok/dpa

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