Urteil des Obersten US-Gerichtshofs Bäcker verweigerte Torte für schwules Paar - und bekommt recht

Ein Konditor wollte einem schwulen Paar keine Hochzeitstorte backen. Die Männer beschwerten sich, fühlten sich erniedrigt. Nun hat der Supreme Court dazu geurteilt.

Menschen demonstrieren gegen das Urteil
JIM LO SCALZO/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Menschen demonstrieren gegen das Urteil


Der Oberste Gerichtshof der USA hat einem Bäcker Recht gegeben, der einem schwulen Ehepaar aus religiösen Gründen keine Hochzeitstorte backen wollte.

Der Konditor Jack Phillips aus einem Vorort von Denver (US-Bundesstaat Colorado) hatte sich im Juni 2012 geweigert, den Kuchen zu backen, weil dies "Gott missfallen hätte", wie er sagte.

Die Ehepartner Charlie Craig und Dave Mullins legten daraufhin bei der Bürgerrechtskommission von Colorado Beschwerde ein. Sie sagten im Vorfeld der Anhörung, sie seien von dem Konditor "öffentlich erniedrigt" worden.

Auch die Bürgerrechtskommission erklärte, der Bäcker hätte sich diskriminierend gegenüber den Männern verhalten.

Doch der Supreme Court argumentierte indes, die Kommission habe die Rechte des Bäckers verletzt. Sie habe sich feindselig gegenüber dem Glauben des Mannes verhalten.

Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes fiel sieben zu zwei aus. Die beiden liberalen Richterinnen Ruth Bader Ginsburg und Sonia Sotomayor stimmten dagegen.

Richter Anthony Kennedy machte in seiner Stellungnahme deutlich, dass er in der Entscheidung keinen Präzedenzfall sieht.In ähnlich gelagerten Fällen könnte es demnach zu einer anderen Entscheidung kommen. Es bedürfe einer tiefergehenden Bewertung in den Gerichten, schrieb er. Dabei müsse sowohl berücksichtigt werden, dass religiöse Überzeugungen nicht unangemessen missachtet werden dürften, wie auch die Tatsache, dass homosexuelle Menschen nicht gedemütigt werden dürften, wenn sie bestimmte Dienstleistungen auf dem freien Markt in Anspruch nehmen wollten.

Im Jahr 2016 hatte ein Gericht in Nordirland anders entschieden. Damals hatte sich eine Bäckerei geweigert, einen Kuchen für eine Schwulenorganisation zu backen. Ein Berufungsgericht in Belfast entschied, dass die Bäckerei den Auftraggeber aufgrund seiner sexuellen Orientierung diskriminiert hatte.

kha/dpa



insgesamt 71 Beiträge
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Seite 1
guayaquil 04.06.2018
1. Freier Dienstleister
Der Bäcker hat meiner Meinung nach das Recht, Kunden und ihre Aufträge abzulehnen, aus was für Gründen auch immer. Wenn der Bäcker aber konkret als Grund angibt, daß dies Gott missfallen würde, dann sollte doch bitte das Oberste Gericht dafür einen Beweis verlangen, aber nicht irgendeinen Passus aus der Bibel, die man sowieso interpretieren kann, wie man's gerade braucht, sondern einen wirklich handfesten Beweis. Dann würde der Bäcker vor Gericht "ganz schön alt aussehen"...
isi-dor 04.06.2018
2.
Man kann die USA nicht mit Europa vergleichen. Diskriminierung ist dort völlig normal und zwar in allen Ebenen. Er würde auch damit durchkommen, wenn er sich weigern würde, für Schwarze zu backen, oder für Frauen.
walker33 04.06.2018
3.
ALSO ich bin selber Konditor und kann dem Kollegen dies nachempfinden. Wenn er es sich leisten kann einen solchen Auftrag abzulehnen dann sollten sich auch die Auftraggeber daran halten . Sie hätten ja zum nächsten gehen können. Es sollte jedem Handweker selbst überlassen sein Wehn er bedient oder nicht.
r.runkel 04.06.2018
4. Dämliche Fragestellung im Poll
Blöd, wenn man zwei Fragen in eine Abstimmung packen will. Frage 1: Teilen Sie die Meinung des Bäckers? Frage 2: Sollte man dem Bäcker vorschreiben, was er zu tun hat? Hätten sie auch so entschieden, wie der Bäcker? Meine Antwort wäre : Nein, aber er hat das Recht einen Auftrag abzulehnen.
meimic29 04.06.2018
5. Privatautonomie
Wenn es dem Bäcker missfällt für Schwule einen Kuchen zu backen hätte ein einfaches „habe keine Zeit“ auch gereicht.
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