Pläne bei Vodafone Eltern kriegen Teilzeit bei vollem Gehalt

Mehr Mutterschutz, danach ein Vollzeitgehalt für eine 30-Stunden-Woche: Damit will Vodafone seinen Mitarbeiterinnen weltweit den roten Teppich ausrollen. Wie die Pläne in Deutschland umgesetzt werden, ist aber noch offen.

Noch mehr Zeit für die Familie, das Telefon weit weg
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Noch mehr Zeit für die Familie, das Telefon weit weg


Wenn Telekomkonzerne Neues verkünden, dreht es sich meist entweder um Flatrates oder um Arbeitsplatzabbau. Anders Vodafone am Freitag vor einer Woche. Der britische Konzern will die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern. Die angekündigten Maßnahmen sorgten vor allem in den USA für Aufsehen.

16 Wochen vollbezahlten Mutterschutz soll es geben sowie im Anschluss die Möglichkeit auf Teilzeit bei vollem Gehalt, für ein halbes Jahr. Das steht in einer Konzernrichtlinie, die in allen 30 Niederlassungen weltweit gelten soll.

Für deutsche Vodafone-Mitarbeiter, die Eltern sind, könnte das noch in diesem Jahr überraschende Vorteile bringen: Zum einen zwei Wochen mehr bezahlten Mutterschutz als gesetzlich vorgeschrieben, zum anderen nach der Elternzeit noch mal sechs Monate Sparflamme im Job, während man längst wieder volles Gehalt bezieht.

Welche Eltern sollen das bekommen?

Aber man sollte sich nicht zu früh freuen. Wie genau die globalen Richtlinien in Deutschland am Ende umgesetzt werden, steht noch nicht fest. Die Gespräche zwischen Konzern und Arbeitnehmervertretern sollen laut Gesamtbetriebsrat Toni Wolf etwa vier bis acht Wochen dauern - wann sie beginnen, ist noch unklar.

Wolf erwartet, dass Vodafone in dieser Woche eine präzise Vorstellung als Gesprächsbasis vorlege. Konzernsprecher wollten sich auf Nachfrage dazu erst äußern, wenn Ergebnisse vorliegen.

Dennoch sagt Wolf ganz klar: Die Vorschläge "werden Wirklichkeit", es gehe nur um die Details. Etwa ob die Angebote nur für künftige Eltern gälten, nicht aber für Mitarbeiter, die derzeit schon in Elternzeit seien. Oder ob das Angebot nur für diejenigen gedacht sei, die direkt aus dem Mutterschutz wieder einstiegen.

So spart der Konzern Kosten

"Die zwei Wochen zusätzlichen Mutterschutzurlaub könnte man sich etwa aufsparen für später", so eine Überlegung Wolfs, "als Krankentage, wenn die Kinder nicht in die Schule können." Offiziell können Arbeitnehmer zehn, Alleinerziehende sogar 20 Tage bei der Krankenkasse geltend machen. Zudem müsse man die Einzelheiten mit der geltenden deutschen Rechtslage abgleichen.

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Hintergrund des internationalen Vorstoßes ist eine KPMG-Studie, die Vodafone in Auftrag gegeben hatte. Geschätzte 19 Milliarden US-Dollar könnten globale Konzerne sparen, wenn sie 16 Wochen vollbezahlten Mutterschutzurlaub bezahlten statt des jeweils gesetzlichen Minimums. Denn auf der anderen Seite entstünden unter anderem Kosten von 47 Milliarden jährlich, um neue Mitarbeiter einzulernen, die Frauen ersetzen, wenn diese aus dem Arbeitsmarkt um der Kinder Willen aussteigen.

Die Richtlinie von Vodafone zielt damit vor allem auf Länder, in denen Mutterschutz und Elternzeit gar nicht oder schlechter gesetzlich geregelt sind als in Deutschland. Allein in den USA ist weder bezahlter Mutterschutz noch bezahlte Elternzeit vorgeschrieben - das erklärt auch das große Echo auf die Mitteilung des Telekomkonzerns.

In Deutschland müsste das alles auch für Väter gelten

In den Staaten können Eltern, die in Firmen mit 50 oder mehr Angestellten arbeiten, zwölf Wochen unbezahlt freinehmen, um sich um ein Neugeborenes zu kümmern. 20 Prozent der Frauen, so eine staatliche Erhebung, kündigen ihre Jobs gleich. Ein Viertel aller frischgebackenen Mütter arbeitet dort laut einem Uno-Bericht nach weniger als zehn Tagen: Die Frauen können sich eine längere Auszeit nicht leisten.

"Zu viele talentierte Frauen steigen aus dem Arbeitsleben aus, weil sie sich zwischen ihrem Baby oder ihrer Karriere entscheiden müssen", sagte Vittorio Colao aus der Vodafone-Geschäftsleitung über den Grund für die neue Personalpolitik. 1000 Frauen konzernweit solle nun mit dem neuen Programm jährlich geholfen werden. Derzeit seien 35 Prozent der Unternehmensangestellten Frauen, auf Führungsebene jedoch nur 21 Prozent. Vor allem die zweite Zahl soll laut Colao steigen.

Während in den Richtlinien des Konzerns nur von Frauen die Rede ist - auch der Promofilm trägt den Titel "Maternomics" - würde die Regel in Deutschland dank Gleichstellungsgesetz Frauen wie Männern gleichermaßen zugutekommen. Von den 10.000 hiesigen Angestellten sind laut Wolf knapp die Hälfte Frauen. Gerade die Teilzeitidee könnte etwas an einem typischen Ungleichgewicht in der Berufswelt ändern: Laut den aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamts von 2012 arbeiteten 69 Prozent der Frauen und 5,5 Prozent der Väter nicht voll.

Geltendes Recht als Ausrede

Roland Koch, gerade frisch in den Aufsichtsrat von Vodafone gerückt, könnte, gemessen an seinen eigenen Worten, jedenfalls uneingeschränkt dafür sein. Wichtiger als die Frauenquote sei, sagte Koch vor zwei Jahren im Interview mit der "Welt am Sonntag", "dass unabhängig, auf welche Stufe im Unternehmen man schaut, stärker auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geachtet wird". Seien solche Dinge berücksichtigt, ergebe sich die Frage nach mehr Frauen in Aufsichtsrat und Vorstand von selbst, so Koch damals.

Diana Kiesecker, Branchenkoordinatorin für den Bereich ITK bei der IG Metall, ist vorsichtig: "Die Pläne klingen super, aber ich halte es nicht für wahrscheinlich, dass sie eins zu eins hier übernommen werden." Die Errungenschaft für den Mutterschutz in Deutschland sei in diesem Fall nicht so spektakulär wie in anderen Ländern, und die Idee, ein halbes Jahr Teilzeitarbeit voll zu entlohnen, "würde von Vodafone Deutschland vermutlich als zu kostspielig abgelehnt - zumal es hierzulande noch das staatlich finanzierte Elterngeld Plus gibt", so Kiesecker. "Ich kann mir vorstellen, dass man sich auf die bestehenden gesetzlichen Regelungen rausredet."

Die Prognose von Vodafone-Gesamtbetriebsrat Wolf ist da deutlich optimistischer. Eine reine Kostenrechnung aufzumachen, hält er für falsch: "Als attraktiver Arbeitgeber motivierte Mitarbeiter zu haben, das lässt sich nicht in Euro ausdrücken."

  • KarriereSPIEGEL-Autorin Anne Haeming (Jahrgang 1978) ist freie Journalistin in Berlin.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
max_schwalbe 16.03.2015
1. Roter Teppich?
Ich finde es beschämend dass eine derartige Leistung als roter Teppich bezeichnet wird. Die allermindeste Selbstverständlichkeit einer arbeitenden Mutter gegenüber sollte das sein. Schlimm, dass so etwas als eine große Geste und Besonderheit hingestellt werden muss. Da merkt man, wie wenig fortschrittlich wir in Wahrheit sind...
alsterherr 16.03.2015
2.
Eine Frau, die keine Kinder hat, muss bei Vodafone also für das selbe Gehalt 40h im Monat mehr arbeiten? Wo bleibt da die Gerechtigkeit?
marcnu, 16.03.2015
3. Sollten dennoch zusätzliche Kosten entstehen,
kann man diese durch Verringerung der zukünftigen Gehaltssteigerungen wieder abdecken.
exHotelmanager 16.03.2015
4. Völlig irrwitzig
Jetzt sollen also die Kunden, die schon über Sozialversicherung, Steuern und Rentenkürzung die Kinder anderer finanzieren, auch nochmal als Kunde zu Kasse gebeten werden? Ich finde, dass es nun wirklich genug ist.
hansgustor 16.03.2015
5. @exHotelmanager
Erst lesen, dann quatschen. Man verspricht sich dadurch eine Kostensenkung bei der Personalsuche.
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