Büropsychologie So stellen Sie Schwätzer und Lästerer ruhig

Spontaneität schön und gut, doch meistens fällt einem der perfekte Spruch Stunden später ein. Dabei gibt es einen einfachen Trick, die Kollegen ruhigzustellen. Ein Stall ohne Schweine kann dabei hilfreich sein, weiß Volker Kitz und verrät die besten Psychotricks fürs Büro.

Im Job gelacht, es ist vollbracht: Es gibt eine Allzweckwaffe zum Stummschalten
Corbis

Im Job gelacht, es ist vollbracht: Es gibt eine Allzweckwaffe zum Stummschalten


Manche Kollegen oder Chefinnen möchte man einfach mal stummschalten: den Besserwisser, der immer das letzte Wort haben muss. Den Komiker, der von morgens bis abends auf Kosten anderer seine "Witze" reißt. Oder die Gehässige, die einem Sprüche reindrückt, die so böse gemeint sind, wie sie klingen.

Wer hier etwas Sachliches erwidern will ("Du Meike, findest du das jetzt menschlich und situativ angemessen, was du gerade gesagt hast?"), macht die Situation für sich meist nur schlimmer. Denn der schnelle Schlagabtausch im Büro ist nicht der Ort der sachlichen Auseinandersetzung. Hier zählt der flotte Spruch - und der fällt uns ja meist erst zu Hause ein.

Die Psychologie liefert aber eine hübsche Allzweckwaffe, mit der Sie in unterschiedlichen Situationen immer sofort kontern können: Erwidern Sie einer Schwätzerin, einem Lästerer oder Dampfplauderer einfach mal einen Nonsens-Reim! Antworten Sie völlig selbstverständlich einen Satz wie:

"Tja, Herr Meier, besser einen Hund an der Leine als einen Stall ohne Schweine."

"Mit Sonne im Rücken ist eben gut Kirschen pflücken, Tina."

"Ich sag ja immer: Wenn Kerzen brennen, soll man nicht in die Ardennen."

Der "Rhyme-as-reason"-Effekt

Ihr sonst so redseliges Gegenüber wird dann erst mal ganz still werden und zwei Tage lang darüber nachgrübeln, was Sie ihm eigentlich sagen wollten. Der Grund dafür liegt in unserem Gehirn.

Experimente belegen nämlich: Gereimte Aussagen halten wir generell für wahr. Legt man Probanden die inhaltlich identischen Aussagen einmal in Prosa und einmal in Reimform vor, dann halten die Probanden die gereimte Version eher für wahr als die nicht gereimte. Der Reim hat also eine eigene Funktion. Er wirkt wie eine gute Begründung. Deshalb ist dieser Effekt als "Rhyme-as-reason"-Effekt bekannt geworden.

Gereimte Aussagen kann unser Gehirn nämlich generell leichter verarbeiten. Außerdem halten wir Aussagen tatsächlich für wahrer, wenn sie einfach nur "schön" klingen. Diesen Effekt nennt man Keats-Heuristik, nach dem englischen Dichter John Keats. Der schrieb in seinem Gedicht "Ode on a Grecian Urn": "Schönheit ist Wahrheit, Wahrheit ist Schönheit."

Großer Spaß mit dem Nonsens-Reim

Die Macht der schönen Worte lässt sich einerseits nutzen, um ernsthafte Botschaften wirkungsvoll zu verpacken. Ein bekanntes Beispiel finden wir im Strafprozess gegen den amerikanischen Ex-Football-Spieler O. J. Simpson. Er war angeklagt wegen Mordes an seiner Ex-Frau. Manche Indizien sprachen gegen ihn. Am Tatort hatte man aber auch einen Handschuh gefunden, der für Simpsons Hand etwas zu klein schien. Sein Verteidiger erklärte der Jury im Schlussplädoyer: "If it doesn't fit, you must acquit." - "Wenn er nicht passt, müssen Sie freisprechen." O. J. Simpson wurde freigesprochen.

Statt "Wir machen zu viele Überstunden" setzen Sie also doch einfach mal auf dem Flur in Umlauf: "Wer abends ruht, ist morgens gut." Das setzt sich ganz anders fest.

Die Königsdisziplin aber ist der Nonsens-Reim. Auch hier wirkt der "Rhyme-as-reason"-Effekt mit der Folge, dass Menschen selbst in sinnlosen Reimen nach einer versteckten Wahrheit suchen. Manchmal ganz schön lange. Ihnen dabei zuzuschauen und einfach mal einen Moment der Stille zu genießen, macht großen Spaß. Und den haben Sie sich mit diesen Nervbacken auch mal verdient.

  • Mareike Föcking
    Volker Kitz (links) hat Jura und Psychologie studiert und unter anderem als Wissenschaftler am Max-Planck-Institut gearbeitet. Heute lebt er als freier Autor in München. In der Reihe "Büropsychologie" stellen wir seine besten Bürotricks vor. Sie sind seinem aktuellen Buch entnommen: "Warum uns das Denken nicht in den Kopf will. Noch mehr nützliche Erkenntnisse der Alltagspsychologie" (gemeinsam mit Manuel Tusch, rechts).
  • Mehr unter www.kitz-tusch.com

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