Vom Kollegen zum Chef Wie man nach einer Beförderung im Team beliebt bleibt

Ralf B. wird zum Teamleiter befördert und ist nun Vorgesetzter seiner ehemaligen Kollegen. Einige fangen an, über ihren neuen Chef zu lästern. Karrierecoach Matthias Martens rät zu schneller Konfliktlösung.

Vorgesetzter und Mitarbeiter
obs/ ifm electronic gmbh

Vorgesetzter und Mitarbeiter


"Ich bin vor sechs Monaten innerhalb meines Teams zum Teamleiter befördert worden. Meine alte Position wurde leider nur als halbe Stelle nachbesetzt. Nun drückt mein Chef mir immer neue Themen aufs Auge, deshalb möchte ich meine alten Sachbearbeiteraufgaben an meine zwölf Kollegen abgeben und im Team verteilen. Von einigen meiner Kollegen - mit denen ich mich auch duze - wird mir nun vorgeworfen, ich würde überheblich tun und sei mir wohl 'zu fein für echte Arbeit'. Ich möchte die Freundschaft zu den Kollegen nicht verlieren, andererseits will ich mich jetzt auch um die neuen Aufgaben und Ziele kümmern, die mein Chef von mir erwartet. Wie überzeuge ich mein Team?"
Ralf B. (32)
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Karriereberater Matthias Martens antwortet:

Hallo Ralf,

um Ihre Situation besser zu verstehen, sollten wir zunächst die Sach- von der Beziehungsebene trennen.

Die Sachebene sieht so aus: Mit der Beförderung zum Teamleiter ändern sich erwartungsgemäß Ihre Aufgaben. Besprechungen im Führungskreis, Projekt-Meetings, Fehlerbehebungen und alle erdenklichen Sonderaufgaben bestimmen nun Ihren Tagesablauf. Bei einem Team mit zwölf Mitarbeitern können Sie da kaum noch Zeit haben für "echte" Sachbearbeitung. Vermutlich steht das auch nicht in Ihrer Zielvereinbarung.

Nun zur Beziehungsebene, die weitaus komplexer ist: Unter Kollegen gibt es häufig Freundschaften. Man tauscht vertrauliche Informationen aus oder beklagt sich gemeinsam über den Chef - das ist ganz normal. Doch egal, ob man befreundet ist, weil man ähnliche persönliche Interessen und Sympathie füreinander hat, oder ob man einen weiten Bogen umeinander macht: Unter Kollegen ist man unter Seinesgleichen und begegnet sich auf Augenhöhe.

Ihre Führungsrolle ändert dieses Beziehungsgeflecht grundlegend. Was bedeutet das für Ihre Freundschaften? Ihr Ziel muss es sein, Privates und Berufliches ganz klar voneinander zu trennen. Sie müssen deshalb nicht Ihre Freundschaften aufkündigen, allerdings sollten Sie die Unterscheidung zwischen beruflichen und privaten Dingen offen mit Ihren Leuten besprechen.

Wenn Sie nämlich von jetzt an Informationen weitergeben, Aufgaben verteilen oder Kritik aussprechen, werden Ihre Mitarbeiter genau darauf achten, ob Sie Kollegen begünstigen, mit denen Sie befreundet sind. Würden Sie das tun, wäre Ihre Arbeit im Team bald erheblich belastet. Im schlimmsten Fall wäre es sogar bereits Ihr Ende als Führungskraft.

Nachdenklich stimmt mich der Vorwurf, Sie würden "überheblich tun und sich zu fein sein für echte Arbeit". Hier drücken sich Enttäuschung und das Gefühl von Abwertung aus. Möglicherweise haben Sie unbedachte Aussagen getroffen, die von den Sachbearbeitern als Geringschätzung aufgefasst wurden? Reflektieren Sie einmal, welche Ihrer Aussagen und Verhaltensweisen diese Wirkung unabsichtlich erzeugt haben könnten.

Klären Sie dringend mit Ihren Mitarbeitern die veränderten gegenseitigen Erwartungen. Fragen Sie sie: Was wünscht ihr euch von mir als Führungskraft? Und warum ist das wichtig für euch? Klar ist: Sie können es nicht allen recht machen. Sie entscheiden, welche Erwartungen Ihrer Mitarbeiter Sie erfüllen wollen - und welche nicht. Machen Sie ebenfalls deutlich, welche Erwartungen Sie als neue Führungskraft an Ihre Mitarbeiter haben.

Meine Empfehlung ist: Nehmen Sie diese weichen Faktoren nicht auf die leichter Schulter. Suchen Sie den Dialog mit Ihren Mitarbeitern und klären Sie Ihre gegenseitigen Erwartungen. Sie können das in Einzelgesprächen tun. Noch wirkungsvoller wäre ein extra dafür angesetzter Teamworkshop mit einem neutralen Moderator, der die Diskussion steuert. Ein Workshop drückt auch die Bedeutung aus, die Sie der Beziehungsarbeit geben. Sie schaffen damit eine belastbare Grundlage mit geklärten Erwartungen und stabilen Beziehungen für die anstehenden Aufgaben, die Sie nur gemeinsam als Team lösen können - jeder aus seiner Rolle heraus.

Die schlimmsten Chef-Sprüche

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Typologie der Bosse: Ich Chef, du nix
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cindy2009 02.09.2016
1. witzig
In unserer Abteilung wurde ein neuer Abteilungsleiter extern gesucht. Es fand sich auch nach fast einem Jahr nur Müll. Dann haben wir Mitarbeiter der GL und HD vorgeschlagen, dass unser kürzlich eingestellter Hiwi dich den Job übernehmen soll. Wir sind in der Abteilung zum Teil schon Jahrzehnte, er gerade mal etwas über ein Jahr. Er hat schlussendlich angenommen und wir anderen sind mehr als froh. Er kennt uns und braucht uns, da er nicht sehr viel Erfahrung hat. Das einzige Problem ist : Er ist unser Chef und verdient weniger, als wir "alten". Da tut man sich schwer bei Gehalts Forderungen...
JBond 02.09.2016
2. Berater und ihre Workshops
Jeder Management-Berater schwärmt immer von Teamworkshops (vermutlich weil fast alle auch selbst welche anbieten) - ich kenne aber bisher kaum einen Teilnehmer eines solchen Workshops, der viel Positives darüber zu berichten hat. Meistens wird es doch (im besten Fall nur) als Zeitverschwendung betrachtet - und von den "Maßnahmen" bleibt nach 2 Wochen auch nicht viel übrig.
HansPa 02.09.2016
3. Alles Unfug
Wie kann man nur auf die Idee kommen und Angestellter zu werden? Und sich dann auch noch in den Wahnsinn der Kariere Leiter pressen lässt. Wer hat denn Bock auf diesen Team Tratsch? Mach euch selbständig und werdet größer. Falls nicht: Job suchen, Hirn ausschalten, Kohle mitnehmen und das wars.
cindy2009 02.09.2016
4. @hanspa
"---Wie kann man nur auf die Idee kommen und Angestellter zu werden? Und sich dann auch noch in den Wahnsinn der Kariere Leiter pressen lässt. Wer hat denn Bock auf diesen Team Tratsch? Mach euch selbständig und werdet größer. Falls nicht: Job suchen, Hirn ausschalten, Kohle mitnehmen und das wars.----" Wenn Sie das ernst meinen, haben Sie heute den Preis des dümmsten Kommentars gebracht. Wenn Ihr Unternehmen, das Sie ja offensichtlich führen, nur aus Werk Verträgen oder Zeitarbeitern besteht, dürfte sowohl Ihre Marge, wie auch das Entgelt der "Mitarbeiter " unterirdisch sein.
wincel 02.09.2016
5.
Guter Artikel, der Wechsel von Augenhöhe zu Hierarchie ist auch in meiner Erfahrung komplizierter als von vorn herein in Position A oder B zu sein. Ich habe über viele Jahre direkte Reports gehabt und im gleichberechtigten Team gearbeitet und das war immer völlig problemlos. Kürzlich eine neue Stelle angenommen in einer sich entwickelnden Gruppe in der ich zwar hauptverantwortlich zuständig war für die Einstellung eines neuen Mitarbeiters für "mein" Team - aber offiziell gibt es trotz Hierarchieunterschied keine Reportstruktur zu mir. Wurde mir auch eingeschärft und habe ich kein Problem mit und stelle sie auch stets als gleichberechtigtes neues Mitglied mit eigenen Verantwortungsbereich vor. Sie sieht mich aber als Boss, wie sie mir mitteilte (allerdings positiv gemeint). Tatsächlich gibt es langfristige Pläne, mich bei weiteren Wachstum zum Gruppenleiter zu machen aufgrund der Erfahrung, die ich habe - nur bin ich eben jetzt wie jeder auf der selben Reportstufe. Interessante Dynamik und nicht ganz einfach, dass stetig zu balancieren. Wenn es denn soweit kommt, wird entweder der Übergang eigenartig (und ich würde derweil unseren gemeinsamen Chef entsprechend deutlich mehr belasten müssen) oder bis zu einer solchen Phase befinde ich mich irgendwo in der zwischenmenschlichen Grauphase und treffe weiterhin den Großteil der Entscheidungen.
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