Stresstest für Gründer Soll ich dafür meinen Job kündigen?

Von

augenkundig photography

4. Teil: "20 Prozent Wachstum sollten es schon sein"


  • Erfolge/Status

Sehr positives Feedback der Zielgruppe: Auf zwei Hochzeitsmessen wurden mehr als 300 E-Mailadressen von interessierten Paaren eingesammelt.

Kollmann: "Auf zwei Hochzeitsmessen ein generelles Interesse abzufragen, ist aus meiner Sicht nur ein erster Hinweis. Das Entscheidende ist: Wie viele Interessierte kann ich in zahlende Kunden umwandeln? Die Konversionsrate ist das A und O. Im Internet liegt sie normalerweise bei zwei bis drei Prozent. Selbst wenn die Idee von Herrn Höhn so ansprechend ist, dass die Konversionsrate mehr als dreimal so hoch ist, sprechen wir hier als Ergebnis der zwei Messen von 30 Kunden. Dazu kommt die Frage: Was kostet die Einwerbung eines Nachfragers? Ich kann mir vorstellen, dass die Keywords 'Hochzeit' und 'Reise' mit zu den teuersten bei Google gehören."

Hansmann: "Auf Hochzeitsmessen findet man erst einmal Interessenten, aber noch keine zahlenden Kunden. Am Stand vor Ort sind die Leute leicht zu begeistern, zwei Tage später haben sie es sich vielleicht schon wieder anders überlegt. Aber ich finde es super, dass Herr Höhn schon am Testen ist: Herausgehen und mit den Kunden sprechen ist immer eine gute Idee."

  • Finanzierungskonzept

Bisher komplett finanziert durch Eigenkapital (20.000 Euro). Für 2013 ist ein Umsatz von 150.000 Euro geplant und ein operatives Ergebnis von 20.000 Euro. Der Investitionsbedarf liegt bei 100.000 Euro.

Kollmann: "Die Gesamtrechnung aus Kosten für Einwerbung, Konversionsrate, Fixkosten und Einnahmen ist aus meiner Sicht von Herrn Höhn noch nicht komplett durchdacht. Selbst wenn ich von einem Umsatz von 500.000 Euro ausgehe, bleibt nach Abzug der ganzen Kosten wie Löhne, Miete und Werbung für einen Investmentfall nach Lage der vorliegenden Unterlagen nicht viel übrig. Auf der Liste der Mitarbeiter stehen zurzeit drei Personen. Wenn ich hier von jeweils mindestens 50.000 Euro Gehalt im Jahr ausgehe, bin ich schon bei 150.000 Euro reinen Personalkosten. Um diesen einen Posten auszugleichen, müssten also schon mehr als 3000 zahlende Kunden gewonnen werden. Um für einen Investor interessant zu sein, müsste deutlich mehr Umsatz generiert werden."

Günther: "150.000 Euro Umsatz im Jahr ist bei drei Mitarbeitern fast gar nichts. Ein Business Angel beteiligt sich erst, wenn er einen ordentlichen Gewinn erwarten kann. Wie sieht es in fünf Jahren aus? Ist da eine Rendite zu erwarten? Sie müssen zeigen, dass Sie ein Unternehmen sind, das eine ordentliche Wachstumsperspektive hat, das sollten schon zwanzig oder dreißig Prozent sein."

Hansmann: "Jeder Business Angel erwartet, dass ein Gründer zumindest drei Jahre in die Zukunft sieht. Meistens liegen die Ergebnisse später deutlich darunter, aber es ist wichtig, als Gründer diesen Denkprozess zu durchlaufen. Der Investor schätzt anhand dieser Daten das Potential der Firma ein. In den ersten drei Jahren wird er keine Gewinne erwarten, aber danach wird er hohe Gewinne sehen wollen. Und um die zu erwirtschaften, muss sich hier an der Höhe der Umsätze definitiv noch was tun. Da stellt sich nun die Frage: Wie bekomme ich mehr als die genannten 3000 Kunden im Jahr? Oder wie kann ich den Umsatz pro Kunde steigern?"

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spätzlesschwoab 04.02.2013
1. Um was geht es uns eigentlich?
Der Titel dieses Artikels ist das Übel unserer Gesellschaft!
Kohle&Reibach 04.02.2013
2. Ich warte immer noch drauf
Zitat von sysopaugenkundig photographyEine gute Idee haben und mit der eigenen Firma durchstarten - das klingt verlockend. Aber ist der Einfall auch gut genug? Oder reitet man sich damit in den Ruin? Jan Höhn will sich mit einem Portal für Geldgeschenke selbständig machen. Drei Experten erklären an seinem Beispiel, wann sich Gründen lohnt. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/von-der-idee-zum-start-up-wann-sich-die-kuendigung-lohnt-a-880985.html
das sich wasserpredigende Politiker und hohe Beamte selbstständig machen.
Frau Mau 04.02.2013
3. 3 Experten
"Drei Experten erklären an seinem Beispiel, wann sich Gründen lohnt." Wenn wir es hier mit 3 Experten zu tun hätten, hätten diese Experten vor lauter Geldverdienen gar keine Zeit zu dieser Thematik Stellung zu beziehen. Vorsicht ist angebracht bei sog. Experten. Viel hilfreicher ist es auf sich selber zu hören. Meistens wissen wir instinktuiv was am besten für uns ist, ob der Schritt in die Selbstständigkeit der richtige ist.
Kanthiris 04.02.2013
4. Gelungenes Format
Meines Erachtens ist dies ein sehr gelungener Artikel, der viele wichtige Hinweise für Personen liefert, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Qualifizierte Kommentare zu einem Beispiel aus der realen Welt, dazu noch unterhaltsam geschrieben - weiter so!
dokuu 04.02.2013
5.
Also ich würde mich nicht trauen alleine mit dieser Idee in die Selbstständigkeit zu gehen. Sicher ein interessantes Projekt für einen zusätzlichen Nebenverdienst, aber komplett darauf zu setzen wäre mir persönlich zu heikel. Die Beschränkung auf Flugreisen finde ich etwas mager. Gibt ja auch noch andere Dinge, die man sich als Paar finanzieren will. Der Ausbau auf andere Produkte und Dienstleistungen ist aber sicher schon eingeplant, denke ich. Beim Namen musste ich auch etwas stutzen, you lie – was? Und warum man immer nur ein bestehendes Konzept aus den USA kopieren muss, verstehe ich nicht. Lieber stellt man etwas Eigenes auf die Beine und krebst etwas länger rum, statt irgendein Konzept aus den USA in Deutschland kopieren zu müssen. Trotz meiner Bedenken wünsche ich dem Gründer viel Erfolg mit seiner Idee und möglichst wenige schlaflose Nächte mit Existenzsorgen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.