Stresstest für Gründer Soll ich dafür meinen Job kündigen?

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augenkundig photography

5. Teil: Das Fazit der Experten und die Entscheidung von Jan Höhn


Günther: "Ich glaube, hier fehlt es noch an Klarheit der Idee. Der One-Pager von Herrn Höhn würde so sicher keinen Business Angel finden. Seine Geschäftsidee könnte sich aber durchaus zu verfolgen lohnen, da muss einfach noch dran gearbeitet werden: an der Teamkonstellation, an den Finanzierungsdaten und am Geschäftsmodell. An seiner Stelle würde ich jetzt noch nicht kündigen, sondern erst einmal weiter parallel zum Job an der Idee arbeiten."

Kollmann: "Es ist schwer, aufgrund der wenigen vorliegenden Informationen ein abschließendes Fazit zu ziehen, aber es scheint mir im Moment eher ein Self-Feeding-Business zu sein, das heißt, es kann den Gründer vielleicht einmal selbst ernähren. Für mich als Investor ist das weniger interessant. Auch ein Exit für den Investor wird fraglich sein, da Interessenten das Tool wahrscheinlich eher nachbauen als kaufen würden. Es bleiben noch viele Fragen offen, wie die nach der tatsächlichen Innovationskraft, den Marktgegebenheiten und den möglichen Reaktionen des Wettbewerbs, der Sicherung des technologischen Vorsprungs oder dem Einnahmenpotential des Geschäftsmodells."

Hansmann: "Herr Höhn hat mit zwei Nachteilen zu kämpfen: Er ist Erstgründer, hat also noch keine unternehmerische Erfahrung, und er will eine innovative Idee umsetzen, zu der es noch keine Erfahrungswerte gibt. Für erfahrene Gründer, die eine funktionierende Idee kopieren, zum Beispiel aus den USA, dürften die Chancen deutlich besser stehen. Ich habe aber noch nie einen Gründer getroffen, der bereut hätte, gegründet zu haben. Man lernt viel dabei und verliert normalerweise keine riesigen Summen wie zum Beispiel ein Bäcker, der mit seinem Laden scheitert. Außerdem heißt es nicht: Einmal Pleite, immer Pleite. Aus dem Scheitern kann man für die nächste Unternehmensgründung lernen. Und selbst bei Konzernen werden mittlerweile Leute mit Start-up-Erfahrung gesucht."

Was sagt nun Jan Höhn dazu? "Ob am Ende zehn oder zehntausend unsere Idee wirklich nutzen, kann von uns niemand sagen. Was ich aber sagen kann: Ich werde es nie erfahren, wenn ich es nicht in Vollzeit ausprobiere. Und ich bereue lieber, etwas getan zu haben, als etwas nicht getan zu haben."

Aus seinem Jein wurde ein Ja. Er hat am 31. Januar gekündigt.

Wie geht es jetzt weiter? KarriereSPIEGEL bleibt dran.

  • Autorin Verena Töpper (Jahrgang 1982) ist KarriereSPIEGEL-Redakteurin.

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Seite 1
spätzlesschwoab 04.02.2013
1. Um was geht es uns eigentlich?
Der Titel dieses Artikels ist das Übel unserer Gesellschaft!
Kohle&Reibach 04.02.2013
2. Ich warte immer noch drauf
Zitat von sysopaugenkundig photographyEine gute Idee haben und mit der eigenen Firma durchstarten - das klingt verlockend. Aber ist der Einfall auch gut genug? Oder reitet man sich damit in den Ruin? Jan Höhn will sich mit einem Portal für Geldgeschenke selbständig machen. Drei Experten erklären an seinem Beispiel, wann sich Gründen lohnt. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/von-der-idee-zum-start-up-wann-sich-die-kuendigung-lohnt-a-880985.html
das sich wasserpredigende Politiker und hohe Beamte selbstständig machen.
Frau Mau 04.02.2013
3. 3 Experten
"Drei Experten erklären an seinem Beispiel, wann sich Gründen lohnt." Wenn wir es hier mit 3 Experten zu tun hätten, hätten diese Experten vor lauter Geldverdienen gar keine Zeit zu dieser Thematik Stellung zu beziehen. Vorsicht ist angebracht bei sog. Experten. Viel hilfreicher ist es auf sich selber zu hören. Meistens wissen wir instinktuiv was am besten für uns ist, ob der Schritt in die Selbstständigkeit der richtige ist.
Kanthiris 04.02.2013
4. Gelungenes Format
Meines Erachtens ist dies ein sehr gelungener Artikel, der viele wichtige Hinweise für Personen liefert, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Qualifizierte Kommentare zu einem Beispiel aus der realen Welt, dazu noch unterhaltsam geschrieben - weiter so!
dokuu 04.02.2013
5.
Also ich würde mich nicht trauen alleine mit dieser Idee in die Selbstständigkeit zu gehen. Sicher ein interessantes Projekt für einen zusätzlichen Nebenverdienst, aber komplett darauf zu setzen wäre mir persönlich zu heikel. Die Beschränkung auf Flugreisen finde ich etwas mager. Gibt ja auch noch andere Dinge, die man sich als Paar finanzieren will. Der Ausbau auf andere Produkte und Dienstleistungen ist aber sicher schon eingeplant, denke ich. Beim Namen musste ich auch etwas stutzen, you lie – was? Und warum man immer nur ein bestehendes Konzept aus den USA kopieren muss, verstehe ich nicht. Lieber stellt man etwas Eigenes auf die Beine und krebst etwas länger rum, statt irgendein Konzept aus den USA in Deutschland kopieren zu müssen. Trotz meiner Bedenken wünsche ich dem Gründer viel Erfolg mit seiner Idee und möglichst wenige schlaflose Nächte mit Existenzsorgen.
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