Präparator für Wale Knochenjob

Vor einem Jahr strandeten 30 Pottwale an der Nordseeküste. Der Niederländer Aart Walen ist noch immer mit ihnen beschäftigt: Er löst Fleisch und Fett von den gewaltigen Knochen.

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Die Nase schlägt schon Alarm, wenn man sich der Halle nähert. Innen herrscht ein Durcheinander aus Kübeln, Gerüsten und Werkzeugkisten mit Schälmessern, Schabern und Haken. Von der Decke hängen Ketten und Flaschenzüge. Schließlich fällt der Blick auf Tapeziertische mit seltsam länglichen Knochen. Auf dem Boden stapeln sich Wirbelkörper, groß wie Kochtöpfe. Von dort kommt der stechende Geruch.

"Nach zwei Stunden hast du dich dran gewöhnt", sagt Aart Walen. "Das Gehirn riegelt den Ekel dann wie eine Mauer ab, das ist wie bei Lärm." Der Niederländer präpariert tote Tiere, und mit verendeten Walen hat er seit einem Jahr gut zu tun.

Rückblende: Anfang 2016 stranden 30 junge, männliche Pottwale an den Küsten Deutschlands, der Niederlande, Großbritanniens und Frankreichs. Allein 16 Kadaver treiben in der deutschen Nordsee an, zwei der Tiere liegen am Strand der ostfriesischen Insel Wangerooge.

Kadaver mit Explosionsgefahr

Nach mehreren Tagen haben Verwesungsgase die massigen Körper aufgebläht, sie drohen zu explodieren. Die Behörden fragen Spezialisten um Rat. Einer von ihnen ist Walen: Er weiß, wie die Kadaver angestochen werden müssen, damit die Gase entweichen.

Später zerlegen er und sein Team zwei der Tiere auf einem riesigen Areal des Containerhafens in Wilhelmshaven. Sie schneiden Stufen in die Fettschicht, um auf die toten Tiere klettern zu können. Die Kadaver werden für Untersuchungen, zur Entsorgung und für den Abtransport in viele Stücke zerteilt.

1500 Kilogramm Wal-Überreste haben Walen und sein Team schließlich bei der Rückfahrt in seine Werkstatt im niederländischen Loenen dabei. Mit im Gepäck ist ein Arbeitsauftrag , den Wangerooges Bürgermeister Dirk Lindner schon am Strand erteilt hat: "Ich möchte unbedingt einen Wal als Ausstellungsstück zurückhaben." Ab April 2017 soll das Skelett eines Pottwals vor dem Nationalparkhaus der Insel stehen.

Die Arbeit der Präparatoren in der Werkhalle ist gut vorangekommen. Walen und seine Helfer Pedro und Niels befestigen den Walkopf an einem Tragegeschirr. Auf einer langen Eisenstange werden die ersten Wirbelkörper aufgereiht. Die Lage jedes Knochens ist auf einem Plan wie bei einem Puzzle genau beschrieben. "Ich will das Skelett etwas dynamisch ausrichten, nicht so steif", beschreibt Walen sein Vorgehen. So soll der Walkopf später in die Tür des Nationalparkhauses reinschauen.

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Walpräparator: "Dann riegelt das Hirn den Ekel ab"

Vor zehn Jahren hat Pedro als Praktikant bei Walen angefangen. Der Portugiese zeigt auf einen Behälter mit einem übelriechenden Reinigungsbad. In der schmutzigen Brühe liegen einige der 46 Zähne des Pottwals - begehrte Beute von Geschäftemachern, die mit dem illegalen Handel der Zähne Kasse machen könnten. Daher werden in das Skelett nur Abdrücke der Zähne eingebaut.

Etwas weniger streng riechen die Knochen, in denen die Bakterien das Eiweiß abbauen. Nach dem Entfetten werden die Gebeine ihre leicht gelbliche Farbe verlieren, zuletzt werden sie gegen Wettereinflüsse imprägniert. Das meiste Fleisch ist inzwischen draußen im Container verrottet und verwest.

Schon Walens Vater war Tierpräparator. Er selbst hat früher in einem Zoo gearbeitet: "Ich liebe Tiere. Ich möchte sie lieber lebend als tot." Aber er sagt auch: "Ich liebe Knochen. Schau mal hier, diese feinen Verästelungen und ästhetischen Strukturen an den Wirbelkörpern." Die finde er fantastisch. Und: "Ich kann damit arbeiten, sie stabilisieren und für alle sichtbar machen."

Zum Umgang mit totem Fleisch kommt die Arbeit mit Beton, Stahl, Eisen, Schweißgerät und Kunststoffen hinzu. "Das ist kein Beruf, sondern eine interdisziplinäre Handarbeit mit technischen und künstlerischen Seiten", sagt Walen.

Ist es nicht seltsam, mit dem Tod der Wale sein Geld zu verdienen? Walen winkt ab: "Wenn Tiere sterben, ist es doch zu schade, sie einfach wegzuwerfen. Wir nehmen etwas, und wir geben etwas zurück."

mamk/Hans-Christian Wöste/dpa



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
team_frusciante 30.01.2017
1.
"Dort war der Wahl vor rund einem Jahr gestrandet." Wirklich?! "Wahl"?
cassandros 30.01.2017
2.
Zitat von team_frusciante"Dort war der Wahl vor rund einem Jahr gestrandet." Wirklich?! "Wahl"?
Ja. Das arme Tier hatte keine andere Wal.
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