Manager als Frühaufsteher "4.30 Uhr ist eine gute Zeit zum Denken"

Arbeiten, wenn andere noch schlafen - das ist schwer in Mode bei Managern. Ob E-Mails, Familie oder Sport: Alles erscheint ihnen sinnvoller als zu ruhen. Warum tun die sich das an? Elf prominente Wirtschaftsbosse berichten.

Von Helene Endres

Die meisten Top-Manager sind sich einig: Schlafen ist etwas für Loser
Corbis

Die meisten Top-Manager sind sich einig: Schlafen ist etwas für Loser


Ob man vor der Arbeit Nachrichten liest, E-Mails aus Übersee beantwortet oder eine Wallfahrtskapelle aufsperrt - wer ein echter Top-Manager ist, wird überall gebraucht. So sind sich viele Führungskräfte einig: Schlafen ist etwas für Loser. Sie dagegen ackern die Nacht durch und protzen mit ihrer Schlaflosigkeit.

Gemeint ist damit allerdings nicht unbedingt, wie früher, einfach stur bis tief in die Nacht im Büro zu hocken. Die Zeit wird auch zur Vernetzung und Selbstoptimierung genutzt. Deshalb gilt es, so früh aufzustehen, dass man vor Beginn des eigentlichen Arbeitstages nicht nur E-Mails checkt, Zeitung liest und joggen geht, sondern idealerweise auch noch mit den Kindern frühstückt.

In US-amerikanischen Businesskreisen scheint es fast zum Standard zu gehören, spätestens um 5 Uhr aufzustehen. "Und was machen Sie morgens so?", das ist eine normale Frage im dienstlichen Small Talk geworden. "Schlafen" ist darauf eine eher ungewöhnliche Antwort.

Ob Gruppenzwang, Pflichtbewusstsein oder die innere Uhr: Oft wirkt die Bettflucht. Zwar tendiert der Biorhythmus der meisten Deutschen eher zum Spätaufstehen; viele leiden unter dem Zwang zur Morgenarbeit. Aber der frühe Vogel gilt als fleißig und diszipliniert.

"Frühaufsteher machen Karriere", sagt Biologe Christoph Randler, Professor an der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg. Die Studien von Randler und seinen Kollegen zeigen, dass Frühaufsteher aktiver sind, ein höheres Leistungsvermögen und Verantwortungsgefühl haben. Gleichzeitig harmonieren die sogenannten Lerchen stärker mit den zeitlichen Abläufen in Unternehmen. Früh kann dabei für viele nicht früh genug sein.

Erfahren Sie hier, wie prominente Wirtschaftslenker ihre Morgenstunden verbringen: von Apple-Chef Tim Cook bis Bahn-Boss Rüdiger Grube.

Claus Hipp: Morgens die Kapelle aufsperren

Wie für Baby-Unternehmer Claus Hipp: Für ihn endet nach eigenen Angaben die Nacht um 4:30 Uhr. Bei Nacht und Nebel sperrt er morgens eine nahegelegene Kapelle auf, dann geht es weiter in die Firma. Lediglich samstags schläft er aus bis 7 Uhr. Schon am Sonntag geht es wieder früh raus und in die Münchner Frauenkirche, wo er als Ministrant in der Frühmesse assistiert.

Mit seiner morgendlichen Besinnung aufs Wesentliche steht Hipp relativ alleine da. Viele Top-Manager nutzen den Morgen vor allem für eines: Sport.

Richard Branson: Zeit für Sport und Familie

Virgin-Chef Richard Branson steht seit Jahren gegen 5 Uhr auf. "In den 50 Jahren, die ich im Geschäft bin, habe ich gelernt, dass ich viel mehr erreichen kann an einem Tag, wenn ich früh aufstehe." Immerhin: Den fehlenden Schlaf versucht Branson, wann immer es geht, nachzuholen - meistens, wenn er im Flugzeug unterwegs ist.

"Durch das frühe Aufstehen kann ich Sport machen und Zeit mit meiner Familie verbringen, was mich in eine gute Stimmung bringt, bevor es an die Geschäfte geht", so Branson. Wenn er zu Hause auf seiner Insel ist, versucht er sich mit Frühsport fit zu halten: eine Runde Tennis, Kitesurfen, Schwimmen. Erst dann gibt es Frühstück.

Hans-Joachim Körber: Pilates vor dem Frühstück

Auch Ex-Metro-Chef Hans-Joachim Körber kann es nicht früh genug sein: Er steht bisweilen noch vor 4 Uhr auf, um Sport zu machen (Joggen, Pilates) und sein Tagwerk zu beginnen.

Rüdiger Grube: Vier Stunden Schlaf müssen reichen

Bahnchef Rüdiger Grube reichen nach eigenen Aussagen vier Stunden Schlaf pro Nacht, um auch am nächsten Tag fit und leistungsstark den Konzern leiten zu können. Er steht um 5:30 Uhr auf - nicht, um den Zug zu bekommen, sondern um zwei- bis dreimal die Woche morgens joggen zu gehen.

Tim Cook: Um 4:30 Uhr E-Mails schreiben

Andere checken ihre Emails und erfahren durch Zeitungs- und Onlinelektüre, was sie in den wenigen Stunden verpasst haben, während sie schliefen.

Apple-Chef Tim Cook macht beides: Er arbeitet ab 4.30 Uhr E-Mails ab, um dann ab 5 Uhr Sport zu machen, berichten US-Medien. Danach fährt er ins Büro, wo er meist der erste ist. Was nicht heißt, dass er dafür früher geht - Cook macht das Licht nicht nur an, sondern auch aus bei Apple.

Harriet Green: Der Ex-Soldat kommt zum Hanteln stemmen

Wenn Harriet Green, die frühere Chefin des Touristikkonzerns Thomas Cook, gegen sieben Uhr im Büro ankam, hatte sie schon ein volles Programm hinter sich: Ab 3:30 Uhr schrieb sie E-Mails, danach gönnte sie sich etwas Müßiggang und las Bücher, bevor es dann zur körperlichen Ertüchtigung ging: Ab halb sechs wurden mit dem Personal Trainer, einem Ex-Soldaten, Hanteln gestemmt.

Ob sie sich nun, des Amtes bei Thomas Cook enthoben, etwas mehr Schlaf gönnt? Eher nicht. Nicht zuletzt war sie es, die den Spruch pflegte: "Ich glaube generell, die Leute essen und schlafen zu viel."

Anshu Jain: Früh rein, früh raus

Durch Beispiele wie Cook oder Green drängt sich der Verdacht auf, dass in der Disziplin des Frühaufstehens vor allem die Kämpfer aus der Truppe der Wenigschläfer antreten: Sie wollen so viele Stunden wie möglich wach verbringen.

Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain tickt da anders. Er steht gern früh auf, geht früh arbeiten - aber will auch früh Feierabend machen. Bei Jain soll idealerweise kein Meeting länger dauern als bis 19 Uhr.

Gut so! Die Wenigschlaferei ist nämlich ein fataler Trend, denn Studien zeigen, dass zu wenig Schlaf die Kernkompetenzen von Führungskräften aushebelt. Müde Menschen agieren wie Betrunkene: Bei regelmäßig weniger als fünf Stunden Schlaf sinkt die Entscheidungsfähigkeit um 50 Prozent, die Gedächtnisleistung lässt um ein Fünftel nach. Verhaltenstests und Hirnuntersuchungen haben gezeigt, dass Schlafentzug zu erhöhter Risikobereitschaft führt.

"Zu wenig Schlaf macht dick, dumm und krank", sagt Jürgen Zulley, Schlafforscher ("Somnologe") an der Uni Regensburg. Und vier Stunden pro Nacht, da sind sich alle Experten einig, sind auf Dauer eindeutig zu wenig.

Robert Iger: Schläft nie aus

Disneys CEO Robert Iger kümmert das wenig: Auch er steht jeden Morgen um 4.30 Uhr auf, sieben Tage die Woche, egal wo auf der Welt er sich befindet. "Ich kann zu dieser Zeit sehr produktiv sein ohne große Unterbrechung. Es ist eine gute Zeit, um zu denken", so Iger in einem Gespräch mit Devin Leonard von "Fortune".

Falls er zu Hause geschlafen hat, schleicht Iger leise durchs Haus, um seine Familie nicht zu wecken. Er liest Zeitung, schaut fern, geht seine E-Mails durch, macht Sport auf dem Heimtrainer oder hebt Gewichte unter Aufsicht eines Personal Trainers.

Mary Barra: Im Büro ab 6 Uhr morgens

GM-Chefin Mary Barra hat von ihrem Vorgänger Dan Akerson einiges übernommen - auch das frühe Aufstehen. Sie ist bekannt dafür, bereits ab 6 Uhr in ihrem Büro zu arbeiten. Auch Akerson war zu seiner GM-Zeit ein Freund der frühen Stunde: Ab 5 Uhr morgens war er am Telefon - er nutzte die nachtschlafene Zeit vor allem für Gespräche mit den GM-Kollegen in Asien.

Mark Hurd: Voller Energie ab 4:30 Uhr

Oracle-Chef Mark Hurd ist ebenfalls ein Nachtaufsteher: "Mein Tag beginnt um 4.30 Uhr und ich kenne eigentlich nur zwei Geschwindigkeiten: Schnell oder Stopp", sagte er dem amerikanischen Portal "Business Insider".

Howard Schultz: Radeln im Morgengrauen

Howard Schultz, CEO von Starbucks, steht ebenfalls um halb fünf auf. Dann schwingen er und seine Frau sich auf die Räder für eine sportliche Runde an der frischen Luft - so dass er um 6 Uhr gut durchblutet und frisch geduscht am Schreibtisch sitzen kann. Gut, dass in Schultz' Firma übermäßiger Kaffeegenuss nicht negativ auffällt.

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Seite 1
kika2012 26.02.2015
1. Morgens
ist die beste Zeit etwas zu erledigen. Ich bin auch um 4:30/5:00 wach und kann in Ruhe emails schreiben und sogar Haushalt machen.
renegat310 26.02.2015
2. Das macht vieles deutlicher
Dieser latente Schlafmangel macht mir doch so einiges klar.... übereilte (Fehl-)Entscheidungen und gereizte Stimmung sind wohl dann nur eine Begleiterscheinungen von diesem Way of Life. Eigentlich steht im Arbeitsvertrag doch drin dass man dafür zu sorgen hat erholt in die Arbeit zu kommen. Mit dieser selbsteingeredeten Übermenschenmentalität " ich brauch nur 4-5 h schlaf maximal ist dies definitiv nicht einzuhalten. aber es zeigt wieder einmal dass diese Leute in einer ganz eigenen Welt leben....
redbayer 26.02.2015
3. Das ist doch das natürlichste der Welt
"früh aufstehen" um sich Vorteile gegenüber anderen zu verschaffen - wie es sich für Manager und Unternehmer doch gehört. Nur in patriarchischen Gesellschaften und solchen die andere für sich arbeiten lassen, kann man es sich leisten lange zu schlafen oder den Tag zu vertrödeln. Heute kommt noch dazu, dass man mit der Kommunikations- und Informationstechnik "das Büro meist mit dabei hat", auch zu hause. Da macht es doch Spaß, gleich um 4 Uhr lästigen Konkurrenten "eine eMail reinzudrücken".
hasenmann123 26.02.2015
4.
Richtig als Nachteule sollte man sich dem entziehen und lieber ne Bar eröffnen
aktivist1000 26.02.2015
5. Verbissen
Mein Arbeitstag beginnt um 08.30h u endet um ca 18 h. In der Zeit schaffe ich auch Wert durch aufspüren von Prozessverbesserungen und begleiten der Umsetzung. Die hier vorgestellten Personen (außer Claus Hipp) sind alles verbissene, krankhafte Egomanen vor denen ich kein Respekt habe. Wann gehen die denn schlafen, hä? „Erst wenn sie dann weit über 60 sind, werden auch die merken, dass man Geld nicht essen kann.“
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