Azubi-Bezahlung Hauptsache ein West-Gehalt

Maurerlehrlinge verdienen viel mehr als Friseure oder Floristen, das ist bekannt. Aber neben der Branche ist auch der Ausbildungsort wichtig für die Bezahlung. Der Unterschied kann 300 Euro im Monat ausmachen.

Maurerlehrling: Spitzenverdiener unter den Azubis
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Maurerlehrling: Spitzenverdiener unter den Azubis


2014 lief es gut für Azubis: In fast allen Branchen wurden die Ausbildungsvergütungen angehoben, und zwar um 2 bis 4,5 Prozent. Das berichtet das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Wie viel Geld ein Azubi am Ende des Monats in der Tasche hatte, hängt demnach ganz stark davon ab, wo er arbeitet - auch innerhalb einer Branche. Zieht man das dritte Ausbildungsjahr für einen Vergleich heran, dann sind die regionalen Unterschiede vor allem im Hotel- und Gaststättengewerbe besonders groß. So gibt es in Mecklenburg-Vorpommern 610 Euro, in Bayern dagegen 896 Euro, also 286 Euro mehr. Fast ebenso groß ist der Unterschied im Bauhauptgewerbe, nämlich 283 Euro zwischen West und Ost.

In der Textilindustrie beträgt die Differenz 209 Euro zwischen den Ost-Ländern und Hessen, im Groß- und Außenhandel 178 Euro zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Hessen. Besonders ausgeglichen sieht es in der chemischen Industrie sowie in der Metall- und Elektroindustrie aus. Dort variieren die Ausbildungsvergütungen von 1008 Euro in Nordrhein-Westfalen bis zu 1097 Euro in Baden-Württemberg.

Gefälle von Süd nach Nord und West nach Ost

Das WSI wertet regelmäßig sämtliche Tarifverträge aus. Reinhard Bispinck, Tarifexperte des Instituts, sagte, die Ausbildungsvergütungen zeigten damit ähnliche Differenzierungen wie die Tariflöhne und -gehälter: Unterschiede in der Bezahlung gebe es nicht nur zwischen den einzelnen Branchen, häufig sei auch ein West-Ost- oder ein Süd-Nord-Gefälle zu beobachten.

Der Befund deckt sich mit einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) vom Januar. Demnach verdienten Azubis im Westen durchschnittlich 802 Euro brutto pro Monat und damit knapp fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Ostdeutsche Jugendliche brachten 737 Euro (plus vier Prozent) nach Hause. Das sind rund 170 Euro mehr als noch vor acht Jahren.

Auch zu den Spitzenbranchen und den regionalen Unterschieden kommen die beiden Untersuchungen zu ähnlichen Ergebnissen. Mehr zur BIBB-Studie in der folgenden Bildergalerie:

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Azubi-Löhne: So viel Geld gibt es in der Ausbildung

mamk/dpa-afx

insgesamt 8 Beiträge
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dmarzec 18.05.2015
1. Lebenshaltungskosten
Wie sieht es hier mit den Lebenshaltungskosten für Azubis aus? Sind diese in höher vergüteten "Lagen" ebenfalls höher? Die Frage ist doch, wie viel vom Lohn bleibt über.
Heimdall 18.05.2015
2. zahlen vom mond
mich würde mal interessieren wie aussagekräftig diese zahlen sind. ich habe in düsseldorf im dritten lehrjahr 360 eur bekommen, ausbildung zum bürokaufmann. in meiner klasse waren 22 andere, von denen lediglich 2 (bei MAN) 800 eur bekamen, der Rest pendelte zwischen 330 und 520 eur. liegt vllt auch daran, dass kaum tatifgebundene unternehmen dabei waren. sollten die zahlen NUR tatifgebundene Verträge erfassen hat dieser Artikel kaum aussagekraft. abschluss war übrigens 2013 (also verhältnismäßig aktueller Erfahrungsbericht)
sound67 18.05.2015
3. Im Osten ist das WOHNEN auch billiger!
Von "Leben" würde ich nicht sprechen, denn er leben will, zieht westwärts. Aber aufgrund der unterschiedlichen Lebenshaltungskosten ist der Unterschied gerechtfertigt. Beim Umtausch Ost- zu Westmark wurde der Westen schon abgezockt, hier mal nicht.
uglyripper 18.05.2015
4.
Zitat von sound67Von "Leben" würde ich nicht sprechen, denn er leben will, zieht westwärts. Aber aufgrund der unterschiedlichen Lebenshaltungskosten ist der Unterschied gerechtfertigt. Beim Umtausch Ost- zu Westmark wurde der Westen schon abgezockt, hier mal nicht.
Die ach so billigen Lebenshaltungskosten im "Osten" sind auch so eine unausrottbare Forumsfolklore. Brot, Butter, Benzin und Wasser kosten genauso viel wie in München oder Hamburg. Und dort, wo es Arbeits- und Ausbildungsplätze gibt, sind auch die Mieten durchaus nicht umsonst. In Greifswald oder Rostock ist man schnell bei 8-9€/m² kalt, für ein Studenten- Azubizimmer meist deutlich darüber.
vanny1984 19.05.2015
5.
Wie wäre es mal mit Mindestlohn für Azubis? Meinetwegen auch abzüglich der Berufsschultage. Wären dann immer noch 3 Tage pro Woche mal 8 Stunden pro Tag mal 8,50 € = 204,- € pro Woche = ca. 800,- € im Monat. Die meisten Azubis, gerade in Unternehmen ohne Tarifbindung, bekommen erheblich weniger. Und in noch weniger Unternehmen werden Azubis wirklich 8 Stunden pro Arbeitstag sinnvoll ausgebildet, was sonst die geringe Bezahlung ja irgendwo vielleicht noch rechtfertigen könnte. Hampelaufgaben, die sonst keiner machen will, oder direkt der geplante Einsatz als volle Arbeitskraft - das ist doch viel eher Unternehmenswirklichkeit im Rahmen der dualen Ausbildung. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es keine Kontrollinstanz gibt, die ausschließlich auf Seiten der Azubis steht (die Kammern stehen primär auf Seite der Beitragszahler = Unternehmen!). Somit sind Azubis eines der letzten Schlupflöcher für billige Arbeitskräfte seit Einführung des Mindestlohns...
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