Pro und Contra Firmen-Weihnachtsfeier Ho-ho-ho-hoffnungslos?

Alle Jahre wieder stellt sich die Frage: Weihnachtsfeier - hingehen oder wegbleiben? Für die einen ist es der beste Firmentratsch des Jahres, für die anderen ein knallhartes Machtinstrument.

Oh nein. Bitte nicht noch eine Weihnachtsfeier! Ho-ho-hoffnungslos!
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Oh nein. Bitte nicht noch eine Weihnachtsfeier! Ho-ho-hoffnungslos!

Ein Pro und Contra von Greta Lührs und Thomas Vasek, "Hohe Luft"


Pro

Greta Lührs

Natürlich sollten Sie zur Weihnachtsfeier gehen!

Schließlich bekommt man nicht sehr oft die Chance, auf Firmenkosten zu schlemmen, zu trinken und betrunkene Gespräche mit Kollegen und Vorgesetzten zu führen. Weihnachtsfeiern sind ein Minenfeld an Fettnäpfchen, doch die Vorteile überwiegen insgesamt, selbst wenn man zu denen gehört, die sich zur Teilnahme eher überwinden müssen.

Aus Hohe Luft

Einerseits hat man endlich die Chance, Kollegen ganz anders kennenzulernen, als es im Joballtag und in knappen Mittagspausen möglich ist. Auf der Weihnachtsfeier sind alle gelöster als sonst: Das Jahr ist so gut wie um, die Feiertage sind in Sicht. Der feierliche Rahmen schafft einen leichten Ausnahmezustand, indem sich alle etwas herausputzen und Chefs neben Praktikanten das Tanzbein schwingen. Die Hierarchien sind ein wenig durchlässiger als sonst.

Die Weihnachtsfeier ist ein guter Ort, um die Grundstimmung der Firma und ihr eigentümliches Soziotop zu erfassen - das beginnt schon mit der Eröffnungsrede, die motivierend, dankend oder pessimistisch ausfallen kann. Wer kann mit wem, wer meidet einander, wer hat ein Auge auf wen geworfen?

Wenn Sie erscheinen, zeigen Sie Kollegen und Vorgesetzten, dass Sie am Unternehmen und am Teamzusammenhalt interessiert sind. Sie honorieren die Großzügigkeit der Geschäftsleitung, die Feier auszurichten, und das Engagement der Kollegen, die alles organisiert haben. Indem man zusammen feiert, kreiert man ein gemeinsames Erlebnis, über das man noch lange sprechen kann. Das schweißt zusammen.

Wollen Sie wirklich die Geschichte über den Abteilungsleiter verpassen, der bei seiner Tanzeinlage aufs Büfett stürzt? Eben. Außerdem, wie Odo Marquard (1928 - 2015) schreibt, ist der Mensch "das exzentrische Lebewesen, das ohne das Fest nicht auskommen kann". Also nichts wie hin!

Greta Lührs feiert, im Gegensatz zu vielen ihr bekannten Menschen, gerne Weihnachten. Auch mit Kollegen.

Contra

Thomas Vasek

Weihnachtsfeiern sind verdeckte Machtinstrumente

Die betriebliche Weihnachtsfeier ist an sich ja eine schöne Institution. Zum Jahresausklang sitzt das Team noch einmal nett zusammen, man entspannt sich und blickt gemeinsam auf das Jahr zurück. Die Weihnachtsfeier ist ein gemeinschaftstiftendes Erlebnis. So weit die Theorie.

Aus Hohe Luft

In der Praxis sieht alles anders aus. Die Institution der Weihnachtsfeier ist ein verdecktes Machtinstrument. Es geht darum, Konflikte zu befrieden und Harmonie herzustellen. Die Hauptrolle spielt dabei nicht der Weihnachtsmann, sondern Bruder Alkohol: Das gemeinsame Besäufnis suggeriert Gemeinschaft und Gleichheit, wo es meist keine gibt. Religion sei das "Opium des Volkes", meinte Karl Marx. So gesehen ist die Weihnachtsfeier der "Glühwein der Mitarbeiter".

Endlich kann man mal enthemmt sein und den Chef oder die Chefin anflirten, einem subalternen Mitarbeiter in Feierlaune das Du anbieten - und wenn man besoffen vom Stuhl fällt, nimmt einem das auch niemand krumm. Hinzu kommt das stille Versprechen des Abenteuers, das jede Weihnachtsfeier mit sich bringt, die Lust an Tratsch und Klatsch.

Das wäre alles halb so schlimm, wenn es nicht den unausgesprochenen Druck gäbe, an Weihnachtsfeiern teilnehmen zu müssen - und womöglich auch noch an der Vorbereitung mitzuwirken. Ich bin für das Recht, sich diesen Veranstaltungen entziehen zu dürfen. Zwar werde ich auch dieses Jahr selbstverständlich wieder an einer Weihnachtsfeier teilnehmen. Aber ich tue es mit kritischem Bewusstsein und Distanz - der Institution gegenüber, nicht gegenüber den Menschen.

Vor allem wird mich meine Kritik nicht daran hindern, das Ereignis als solches zu affirmieren, mit anderen Worten also richtig Spaß zu haben. Mit viel Glühwein. Das ist vielleicht auch eine Art von negativer Dialektik (Adorno).

Thomas Vasšek ist kein großer Freund von Weihnachtsfeiern, geht aber trotzdem hin - und tanzt dann auch.



insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
neuss66 19.12.2016
1. Schnell wieder weg!
Ich gehe zwar hin, höre mir die Eröffnungsreden an und esse dann auch etwas, aber ich bin sehr schnell wieder weg. Meistens sind es etwa 2 Stunden, die ich auf der Weihnachtsfeier verbringe. So habe ich hinlänglich Resepekt gegenüber meinem Arbeitgeber bekundet, der sich die Mühe gemacht hat dazu einzuladen und bin doch früh genug wieder verschwunden um alle Peinlichkeiten und Desaster zu verpassen, an denen ich ohnehin nicht teilhaben will.
biber01 19.12.2016
2. Bin
das erstemal seit fünf Jahren wieder bei der Abteilungsweihnachtsfeier gewesen. Viel besser als ich dachte. Nächstes Jahr wieder))))
0815jrb 19.12.2016
3. Ohne mich.
Kollegen, die das Jahr über nicht einmal ein "Guten Morgen" erwidern können, setzten sich zur späten Stunde sichtlich "angeheitert" zu einem und wollen allen Ernstes ein Gespräch führen, gehts noch? Plötzlich ist für ein paar Stunden "Friede, Freude, Eierkuchen", sowas brauch ich nicht. Ein bisschen mehr Freundlichkeit und Respekt das ganze Jahr über wäre mir viel lieber, als für ein paar Stunden so zu tun als ob alles Bestens ist.
Sibylle1969 19.12.2016
4.
Die Qualität von Firmenfeiern, egal ob Weihnachtsfeier, Sommerfest, Kickoff o.ä., ist meiner Erfahrung nach ein guter Gradmesser für die Firmenkultur. In meinem Berufsleben gibt es bisher eine ganz klare Korrelation: in den Firmen, in denen ich die Firmenfeiern gut fand, habe ich mich wohlgefühlt. Da wo die Feiern nicht gut waren, habe ich mich eher nicht wohlgefühlt.
mat76 19.12.2016
5.
Nachdem ich bisher jedes Jahr danach dachte: "Warum bist du eigentlich hingegangen?", habe ich mich dieses Jahr entschlossen sie ausfallen zu lassen und es war eine gute Idee.
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