Gesetzeslage und Tarifregeln Wer hat Anspruch auf Weihnachtsgeld - und auf wie viel?

Die einen freuen sich über ein 13. Monatsgehalt, die anderen bekommen einen Bruchteil vom Lohn, viele gar nichts: Warum das Weihnachtsgeld so unterschiedlich geregelt ist - und wer überhaupt welches erhält.

Weihnachtskugel und Geldscheine (Symbolbild)
imago/Christian Ohde

Weihnachtskugel und Geldscheine (Symbolbild)


Es wäre kein Geschenk, sondern aus der Sicht der Reinigungskräfte ein Recht, das sie mit vielen anderen Arbeitnehmern teilen: Hunderte Gebäudereiniger haben am Montag für die Einführung des Weihnachtsgelds in ihrer Branche gestreikt.

Damit wollten die Beschäftigten in der Gebäudereinigung "endlich die Anerkennung, die sie sich verdient haben, und nicht länger als Arbeitnehmer zweiter Klasse behandelt werden", erklärte IG-BAU-Bundesvorstandsmitglied und Verhandlungsführerin Ulrike Laux.

Doch ist das Weihnachtsgeld tatsächlich so weit verbreitet? Wer hat Anspruch auf die Sonderzahlung? Und wie hoch ist sie? Hier lesen Sie die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wer bekommt Weihnachtsgeld?

Ganz pauschal lässt sich sagen: Wer einen Tarifvertrag hat, hat Glück, die anderen gehen mehrheitlich leer aus. Das haben Analysen des Statistischen Bundesamts und des Tarifarchivs des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts in der Hans-Böckler-Stiftung, kurz WSI, ergeben.

77 Prozent aller Beschäftigten in Betrieben mit Tarifvertrag bekommen laut WSI Weihnachtsgeld, bei den Betrieben ohne Tarifvertrag sind es nur 42 Prozent. Laut Statistischem Bundesamt bekommen sogar 87 Prozent der Tarifbeschäftigten die Sonderzahlung.

Das WSI erklärt die Differenz zum einen mit der unterschiedlichen Datenbasis: Während das WSI 90.000 Beschäftigte befragt hat, hat das Statistische Bundesamt Tarifverträge ausgewertet. Zum anderen fragte das WSI nur nach Weihnachtsgeld, das Bundesamt wertete alle Jahressonderzahlungen aus.

Die Statistik zeigt: Vor allem Frauen und Beschäftigten in den neuen Bundesländern bleibt die Sonderzahlung verwehrt. Das hängt laut WSI direkt mit den Tarifverträgen zusammen: Im Osten ist die Tarifbindung deutlich niedriger als im Westen; Frauen arbeiten häufiger als Männer in Branchen wie etwa dem Einzelhandel, wo die Tarifbindung in den letzten Jahren besonders stark zurückgegangen ist.

Wann wird das Weihnachtsgeld gezahlt?

Das Weihnachtsgeld kommt mit dem Lohn im November. Mitarbeiter, die vorher aus dem Unternehmen ausscheiden, können ebenfalls Anspruch auf Weihnachtsgeld haben. Das regelt die sogenannte Stichtagklausel: In den meisten Arbeitsverträgen findet sich laut Arbeitsrechtler Lars Kohnen eine Regelung, die das Weihnachtsgeld davon abhängig macht, dass der jeweilige Arbeitnehmer zu einem bestimmten Datum noch im Unternehmen beschäftigt ist.

Wie hoch ist das Weihnachtsgeld?

Meistens wird das Weihnachtsgeld als fester Prozentsatz vom Monatseinkommen berechnet. Der variiert von Branche zu Branche allerdings erheblich. Das sei historisch gewachsen, sagt Thorsten Schulten, Leiter des WSI-Tarifarchivs. Während eine Gewerkschaft das Weihnachtsgeld bei den Verhandlungen als besonders wichtig befunden habe, hätten sich die Vertreter einer anderen Branche etwa mehr auf die allgemeine Lohnhöhe konzentriert. Bei Tarifauseinandersetzungen spiele es aktuell nur eine untergeordnete Rolle - Arbeitskämpfe wie die der Gebäudereiniger seien heute eine Ausnahme.

Ein vergleichsweise hohes Weihnachtsgeld erhalten zum Beispiel die Beschäftigten im Bankgewerbe und in der Süßwarenindustrie, bei denen die Jahressonderzahlung zwischen 95 bis 100 Prozent eines Monatseinkommens liegt.

Wie viel Weihnachtsgeld bekommen Tarifbeschäftigte 2018?

Branche Weihnachtsgeld* Anteil am Bruttoverdienst Anteil Beschäftigter mit Weihnachtsgeld
Gesamtwirtschaft 2583 64,5% 86,8%
Landwirtschaft, Jagd und damit verbundene Tätigkeiten 488 21,5% 73,9%
Gewinnung von Erdöl und Erdgas 5679 104,3% 100%
Tabakverarbeitung 946 31% 17,5%
Herstellung von Bekleidung 2559 78,8% 100%
Kokerei und Mineralölverarbeitung 4795 97% 100%
Herstellung von chemischen Erzeugnissen 4728 94,5% 98,7%
Maschinenbau 2220 53,2% 96,8%
Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen 2039 45,7% 97,4%
Energieversorgung 4770 97,7% 99,9%
Abwasserentsorgung 3366 78,8% 99,7%
Hoch- und Tiefbau 2013 54,1% 86,1%
Handel mit Kraftfahrzeugen; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen 1652 47,3% 92,8%
Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen) 1779 64,3% 97,5%
Rundfunkveranstalter 5246 79% 76,7%
Telekommunikation 4634 97,8% 15,2%
Versicherungen, Rückversicherungen und Pensionskassen (ohne Sozialversicherung) 3511 80,1% 100%
Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften 316 17,9% 99%
Wach- und Sicherheitsdienste sowie Detekteien 501 18,4% 33%

* Durchschnittlicher Bruttowert in Euro; Quelle: Statistisches Bundesamt

Besonders niedrige Zahlungen von unter 20 Prozent gibt es in der Leiharbeit sowie bei Wach- und Sicherheitsdiensten. Beschäftigte bei Zeitarbeitsfirmen bekommen im Schnitt nur 316 Euro.

Gibt es einen Anspruch auf Weihnachtsgeld?

Es gibt kein Grundrecht auf Weihnachtsgeld. Der Arbeitgeber ist nur zur Auszahlung verpflichtet, wenn es vertraglich geregelt ist. Neben den Tarifverträgen kann das Weihnachtsgeld im Arbeitsvertrag oder in der Betriebsvereinbarung festgelegt sein.

In nicht-tarifgebundenen Betrieben wird das Weihnachtsgeld hingegen oft nur als freiwillige Zahlung geleistet. Die kann vom Unternehmen unter bestimmten Bedingungen wieder eingestellt werden, erklärt Schulten vom WSI.

Allerdings kann aus freiwilligen Zahlungen auch ein Rechtsanspruch entstehen, sagt Arbeitsrechtler Lars Kohnen. Wenn der Arbeitgeber über mindestens drei Jahre Weihnachtsgeld in gleicher Höhe oder nach der gleichen Berechnungsmethode gezahlt hat, muss er dies auch weiterhin tun.

Wer in Teilzeit arbeitet, hat dieselben Rechte wie die Beschäftigten in Vollzeit. Bekommen die Weihnachtsgeld, muss das auch für die Teilzeitbeschäftigten gelten, sonst verstößt das laut Kohnen gegen das Benachteiligungsverbot. Allerdings muss die Höhe im Verhältnis zur Arbeitszeit stehen: Wer eine halbe Stelle hat, bekommt das halbe Weihnachtsgeld.

War früher mehr Lametta, äh, Weihnachtsgeld?

Nein, in den vergangenen Jahren ist die Höhe des Weihnachtsgelds relativ gleich geblieben. Allerdings analysiert das Statistische Bundesamt die Weihnachtsgeldzahlungen erst seit 2015. Seitdem steigt die Höhe des Weihnachtsgelds zwar von Jahr zu Jahr leicht (von 2450 Euro 2015 auf 2583 Euro in diesem Jahr). Gemessen am Prozentsatz des Bruttoverdienstes sinkt der Anteil des Weihnachtsgeldes allerdings geringfügig.



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