Online-Weihnachtspersonal "Ein Weihnachtsmann darf sich nicht im Vorgarten eine Zigarette anzünden"

Der Dezember ist ihre Zeit: Professionelle Weihnachtsmänner verdienen am besten, wenn sie einen echten, langen weißen Bart haben. Doch wie läuft das Geschäft für Frauen und was ist das teuerste Extra?

Im Weihnachtsfieber: Jan Mitja Biehl betreibt über weihnachtsmann-mieten.de eine Weihnachtspersonalvermittlung
Lars Krux Photography

Im Weihnachtsfieber: Jan Mitja Biehl betreibt über weihnachtsmann-mieten.de eine Weihnachtspersonalvermittlung

Ein Interview von manager-magazin.de-Redakteurin


Um Weihnachten herum sind manche Männer einfach zu dünn. In der Ecke einer Hamburger Promotionagentur liegt deshalb ein Stapel roter Bauchpolster zum Umschnallen, damit auch sportlich gebaute Herren einen überzeugenden Weihnachtsmann abgeben können. An Kleiderstangen hängt rotweiße Plüschware, Engelsflügel liegen auf rot-goldenen Barocksesseln.

Und über seinen Webshop vermietet Inhaber Jan Mitja Biehl "Weihnachtspersonal", natürlich mit den entsprechenden Accessoires. Ein Gespräch über Chancengleichheit, Bärte und Sonderwünsche.

manager-magazin.de: Herr Biehl, wie viele Weihnachtsauftritte vermitteln Sie im Jahr?

Jan Mitja Biehl: Mittlerweile sind wir im vierten Jahr und das Geschäft brummt. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass wir auch in diesem Jahr wieder um die 1000 Buchungen erwarten dürfen.

manager-magazin.de: Wer bucht? Und was lassen sich die Kunden den Spaß kosten?

Biehl: Mit einer Modekette machen wir allein eine Viertelmillion Euro Umsatz, die haben an allen Adventssamstagen in 47 Filialen Weihnachtsmänner, Engel und Wichtel, das volle Programm. Privatleute geben im Schnitt vielleicht 250 Euro aus, gewerbliche Kunden das Doppelte. Hauptsächlich geht es um Weihnachtsfeiern, aber auch den klassischen Kaufhaus-Weihnachtsmann.

manager-magazin.de: Was ist am beliebtesten?

Biehl: Der dicke alte Mann mit echtem langem weißem Bart. Der ist aber auch am teuersten. Die meisten Leute entscheiden sich dann für einen günstigeren Darsteller mit künstlichem Bart. Der Premium-Weihnachtsmann wird eher für TV-Spots und Werbemaßnahmen gebucht. Unsere Personaldatenbank hat 38.000 Einträge. Viele arbeiten als Hostessen und Promoter für uns und sind dann auch im Weihnachtsgeschäft unterwegs. Die Premium-Weihnachtsmänner arbeiten aber ein bisschen anders, haben zum Teil eigene Websites und führen eigene Kalender. Die muss man schon im Sommer buchen, um eine Chance zu haben.

manager-magazin.de: Es gibt einen Verhaltenskodex für Ihre Weihnachtsmänner: Die dürfen nicht essen, trinken, fluchen.

Biehl: Ja, der Auftrag und der Darsteller müssen natürlich auch zusammenpassen. Wir haben auch große Events: Dieses Jahr ist einer unserer Weihnachtsmänner beim Mariah-Carey-Konzert mit auf der großen Bühne und muss da auch Englisch sprechen. Da kann man natürlich nicht jeden hinschicken. Und selbst im privaten Rahmen wäre es doch fatal, wenn die Kinder sehen würden, dass der Weihnachtsmann sich nach der Bescherung noch im Vorgarten eine Zigarette anzündet oder in Turnschuhen statt mit Stiefeln kommt. Das passt einfach nicht ins Bild.

manager-magazin.de: Einen Weihnachtsmann kann man bei Ihnen ab 169 Euro buchen, der Premiumdarsteller mit echtem Bart kostet 349 Euro. Wie viel bleibt beim Darsteller hängen?

Biehl: Das kommt auf die Konstellation an, auf die Erfahrung und die Referenzen. Premium-Weihnachtsmänner verdienen richtig gut, das kann schon bis zu 400 Euro sein. Einfache Darsteller bekommen einen branchenüblichen Stundenlohn. Es ist auch ein Unterschied, ob man eine Tour abfährt oder ein längeres Einzelevent bestreitet.

manager-magazin.de: Sie bieten "sexy Weihnachtsengel" und eine "sexy Weihnachtsfrau" als Darsteller an, aber keinen sexy Weihnachtsmann. Warum?

Biehl: Na ja. Wir haben einen "Darsteller im coolen, modernen Weihnachtsmann-Kostüm".

manager-magazin.de: Aber den bewerben Sie nicht als "sexy".

Biehl: Das Sexy-Thema ist eher für Weihnachtsfeiern. Dann ist das eher gewünscht. Da geht es etwas lockerer zu, da spricht der Weihnachtsmann dann auch mal eine Rüge aus, wer nie die Kaffeemaschine nachfüllt oder falsch auf dem Mitarbeiterparkplatz parkt.

manager-magazin.de: Aber das erklärt noch nicht, warum Frauen sexy sind, Männer aber cool.

Biehl: Wir richten uns nach dem Markt: So ist halt die Nachfrage. Ich weiß gar nicht, ob ein sexy Weihnachtsmann gebucht würde.

manager-magazin.de: Erfassen Sie eigentlich die Hautfarbe Ihrer Darsteller?

Biehl: Nein. Wir können unsere Promoter nach 80 verschiedenen Angaben filtern und die Weihnachtsmänner noch viel mehr - da fragen wir wirklich alles ab, bis hin zum Bauchumfang und der Bartlänge. Die Hautfarbe erfassen wir aber nicht. Letztes Jahr haben wir einen indischen Weihnachtsmann zu einer deutsch-türkischen Familie geschickt.

manager-magazin.de: Der billigste männliche Weihnachtsmann ist immer noch teurer als die teuerste weibliche Weihnachtsdarstellerin. Warum?

Biehl: Das liegt an den Kostümen. Unsere Weihnachtsmannkostüme lassen wir in England fertigen, die sind richtig teuer - Engelskostüme sind einfach nicht so aufwendig.

manager-magazin.de: Als alter weißer dicker Mann kann man bei Ihnen also richtig Karriere machen. Welche Chancen hätte eine alte weiße dicke Frau?

Biehl: Och, die könnte als Engel arbeiten. Warum denn nicht? Hauptsache, sie ist kinderlieb und kann ihre Botschaft überzeugend verkörpern.

manager-magazin.de: Richtig teuer wird es noch einmal bei den Accessoires: Der Weihnachtsmann-Thron schlägt mit bis zu knapp 300 Euro Miete zu Buche. Für dasselbe Geld findet man genau das gleiche Möbel im Internet auch zum Kauf.

Biehl: Die Möbel müssen ja den Rest des Jahres eingelagert werden und pünktlich zur Verfügung stehen. Und natürlich ist der Transport per Spedition inklusive. Das kostet eben auch. Das ist aber in der Tat eher Bestandteil eines Gesamtpakets für gewerbliche Kunden.

manager-magazin.de: Was ist das teuerste Extra?

Biehl: Lebendige Rentiere. Die können wir auch besorgen, aber die schlagen mit rund 2000 Euro Miete zu Buche.



insgesamt 2 Beiträge
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dasfred 05.12.2018
1. Wenn man nicht artig war
Tja, dann kommt der echte Weihnachtsmann eben nicht und man muss sich einen Fake Weihnachtsmann mieten. So manches einsame Herz legt auch keinen Wert auf aufwendige Kostümierung. Solange Sack und Rute einsatzbereit sind, ist die Weihnachtsfreude auch ohne teure Geschenke gesichert.
m82arcel 05.12.2018
2.
Das Interview zielt mir ein bisschen sehr auf die Gender-Gleichberechtigungs-Schiene ab. Dabei ist die Antwort "Wir richten uns nach dem Markt: So ist halt die Nachfrage." so naheliegend, dass der/die Fragesteller/in da selbst ohne nachzudenken auch selbst drauf hätte kommen können. Gleichberechtigung ist ja was gutes, aber ein Unternehmen, dass sein Angebot an einer Ideologie und nicht an der Nachfrage ausrichtet, würde gerade bei diesem speziellen Angebot kaum lange genug profitabel sein, um in den Genuss solcher Werbung zu kommen.
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