So geht Arbeit Darf der Chef mein Foto auf die Firmenwebsite stellen?

Viele Firmen werben mit den Konterfeis ihrer Mitarbeiter. Doch was, wenn ein Arbeitnehmer das nicht möchte? Wie Sie sich wehren können - und was Sie akzeptieren müssen.

Ich und mein Arbeitsplatz (Symbolbild): Solche Fotos auf einer Firmenwebsite sind nur mit Einwilligung in Ordnung.
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Ich und mein Arbeitsplatz (Symbolbild): Solche Fotos auf einer Firmenwebsite sind nur mit Einwilligung in Ordnung.

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Sie haben ein Problem:

"Arbeitest du jetzt als Model?" Ihr Nachbar macht gern mal einen Spruch. Aber was meint er diesmal? Sie arbeiten als Automechatroniker bei einer freien Werkstatt, weiß er doch.

Im Gespräch stellt sich heraus: Ihr Nachbar war auf der Internetseite der Werkstatt, weil man da neuerdings die Termine online machen kann. Und was sieht er als Erstes? Ein Foto von Ihnen bei der Arbeit, Sie richten gerade den Abgasprüfstand ein. Die ganze Breite des Browserfensters nimmt das Bild ein, darunter steht Ihr Name und dass Sie die Autos der Kunden "gern fit machen für die nächste Hauptuntersuchung".

Sie wussten ja, dass der Chef eine neue Seite erstellen lässt. Einen ganzen Tag lang war ein Fotograf in der Werkstatt unterwegs. Aber dass Sie nun das Werbemaskottchen Ihrer Firma spielen sollen - das hätten Sie gern vorher erfahren.

Am nächsten Tag stellen Sie den Chef zu Rede. "Hab Dich nicht so", sagt der: "Schaust doch gut aus dabei." Sie beruhigt das wenig, das Gespräch schaukelt sich hoch. Schließlich verlangen Sie, von der Website entfernt zu werden. Doch der Chef bleibt stur: "Vergiss es, das gehört zum Job."

Das könnte helfen:

Der Datenschutz und das Recht am eigenen Bild. Niemand darf gegen seinen Willen in die Öffentlichkeit des Internets gezerrt werden.

Nun hat Ihr Chef nicht etwas völlig Verbotenes getan. Hätte er Sie vorher gefragt und hätten Sie Ihre Zustimmung gegeben, wäre alles in Ordnung. Schließlich hat die Firma ein berechtigtes Interesse daran, sich sympathisch und kundenorientiert zu präsentieren. Dazu kann es gehören, Ansprechpartner mit Namen und Foto auf der Website zu zeigen sowie mit Durchwahl und E-Mail-Adresse.

Andererseits müssen Sie als Mitarbeiter hier nicht zwangsläufig mitspielen. Den entscheidenden Satz hat der Chef selbst gesagt: Wenn es tatsächlich zum Job gehört, kann es verlangt werden, sonst nicht. Die Pressesprecherin eines Unternehmens zum Beispiel muss immer gut erreichbar sein, da geht das in Ordnung. Auch für eine Sachbearbeiterin im Rathaus ist das mitunter sinnvoll - wobei man bei einer solchen Position gut ohne Foto auskommt, das bedarf also ihrer freiwilligen Zustimmung.

Sie als Mechatroniker dagegen haben keine Aufgabe, für die Sie in der Öffentlichkeit stehen müssen. Natürlich müssen Sie freundlich mit den Kunden umgehen und für deren Fragen offen sein. Aber das ist etwas ganz anderes als der unfreiwillige Job als Fotomodell.

Daher gilt: Ohne Zustimmung darf Ihr Chef das nicht machen. Und selbst wenn Sie die geben, haben Sie jederzeit das Recht, Ihre Meinung zu ändern. Dafür dürfen Sie nicht bestraft oder benachteiligt werden.

Worauf müssen Sie achten?

Man kann das Ganze nun natürlich juristisch klären: Die Arbeitsgerichte beschäftigen sich immer wieder mit solchen Streitereien. Vor drei Jahren etwa entschied das Bundesarbeitsgericht für einen Mann, der von seinem früheren Arbeitgeber gefordert hatte, ein Video mit ihm von der Firmenhomepage zu nehmen.

Bei einem solchen Wunsch sollten Sie schriftlich die Änderung der Website verlangen und eine realistische Frist setzen, zwei Wochen oder mehr. Passiert trotzdem nichts, nehmen Sie sich spätestens dann einen Anwalt. Was das für das Arbeitsklima bedeutet, wissen Sie selbst am besten. Vielleicht ist es klüger, wenn Sie den Vorgesetzten erst noch mal in aller Ruhe auf die Rechtslage aufmerksam machen. Einen guten Überblick von offizieller Seite verschafft diese Broschüre des Baden-Württembergischen Landesbeauftragten für Datenschutz. Möglicherweise überzeugt das den Chef.

Und sonst so?

Diese Rechte greifen übrigens nicht nur, wenn es um eine öffentlich zugängliche Internetpräsenz geht. In einem firmeninternen Intranet haben Sie ebenso das Recht am eigenen Bild. Auch wenn es hier vielleicht weniger Grund gibt, die Zurschaustellung zu fürchten: Sie entscheiden.

Ihre persönlichen Informationen müssen in der Firma geschützt werden. Das heißt in der Regel: Privates geht die Kollegen nichts an, es sei denn, es gibt einen guten dienstlichen Grund. Zum Beispiel gibt es Firmen, bei denen jeder Mitarbeiter im Onlinedienstplan nachschauen kann, mit welcher Begründung sich Kollegen krankgemeldet haben.

Von dieser Praxis berichtet der Datenschutzbeauftragte von Baden-Württemberg - und sie ist demnach nicht zulässig. Tatsächlich reicht es völlig zu vermerken, dass ein Mitarbeiter krank ist und wie lange die Krankschreibung voraussichtlich dauert. Diese Information ist schließlich wichtig, um die Arbeit sinnvoll zu verteilen. Ob Schnupfen oder Husten der Grund für einen Ausfall sind, ist für die Arbeit egal.



insgesamt 68 Beiträge
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Seite 1
Indigo76 27.10.2017
1.
Wieder so ein weltfremder Artikel. Recht haben und Recht bekommen sind zwei unterschiedliche Dinge. Der Mitarbeiter kann noch so sehr das Recht am eigenen Bild haben, der Chef benutzt es trotzdem. Dann wird der Mitarbeiter halt gefeuert. Das Ganze geht vors Arbeitsgericht, der Mitarbeiter bekommt Recht aber es wird damit argumentiert, dass ein beiderseitiges Vertrauenverhältnis nicht wieder aufgebaut werden kann. Die Kündigung bleibt nach Zahlung einer Abfindung in Kraft. Das Ergebnis: Der Mitarbeiter hat in allen Instanzen Recht - und ist arbeitslos. Diese Arbeitsrechtartikel sind das Papier nicht wert, auf das sie gedruckt werden. Wann sehen Juristen das endlich ein?
wiese 27.10.2017
2. Wichtig
Danke für diesen Beitrag. Inzwischen nervt das zur Schau gestelle sehr. Mittlerweile sehe ich, dass ein Gruppenfoto noch ganz o. k. ist aber die Porträts sollte man lassen. Nachdem mir in den vergangen Jahren immer mal wieder lächelnd gesagt wurde, dass ich mir noch ähnlich sehe, habe ich ein Porträtfoto beim letzten Shooting verweigert...
issernichsüss 27.10.2017
3. Manche Unternehmen führen ihren Personalstamm
zwar sehr schön bebildert mit mehr oder weniger aktuellen Fotos auf, aber bei der exakten Namensangabe und den Durchwahlnummern halten sie sich dann doch sehr bedeckt. Begründung? Headhunter sollen ein nicht zu leichtes Spiel bei deren Abwerbeversuchen haben. Denn kein Unternehmen verliert gern gute Mitarbeiter!
Plasmabruzzler 27.10.2017
4.
Soweit richtig, aber falsche Argumentation. Das Recht am eigenen Bild (§ 22 KunstUrhG) sagt dazu nur: Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Die Einwilligung gilt im Zweifel als erteilt, wenn der Abgebildete dafür, dass er sich abbilden ließ, eine Entlohnung erhielt. Das Gehalt oder der Lohn des Arbeitgebers umschließt dies im Zweifelsfall. Hier greift aber eher Art. 2 Abs 1 in Verbindung mit Art. 1 GG geschützten Rechts auf informationelle Selbstbestimmung.
ansv 27.10.2017
5.
Die Lehre aus dem Artikel kann höchstens lauten: Nicht fotografieren lassen, bzw. direkt und im Beisein des Fotografen sagen, dass man die Veröffentlichung grundsätzlich nicht will. Natürlich hat man das Recht am eigenen Bild, natürlich sollte es gar keine pauschale Zustimmung geben, jedes Bild sollte vom Mitarbeiter einzeln gesehen und freigegeben werden - aber wer setzt für diese Auseinandersetzung seinen Job aufs Spiel?
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