Frauen im Top-Management "Streitsüchtig, aggressiv und selbstherrlich "

Ticken Top-Managerinnen anders als ihre männlichen Kollegen? Nein, sagt die Managementforscherin Marion Büttgen. Im Interview erzählt sie, wo Frauen trotzdem besser sind - und wo nicht.

Bankerinnen und Banker in Frankfurt am Main (Archivbild)
picture alliance / dpa

Bankerinnen und Banker in Frankfurt am Main (Archivbild)

Ein Interview von manager-magazin-Redakteurin


Ohne Alphatierverhalten geht es nicht: Wer ins Top-Management aufsteigen will, muss sich - unabhängig vom Geschlecht - durchbeißen. Das sei "fast ein Naturgesetz", sagt die Hohenheimer Unternehmensforscherin Marion Büttgen.

Der Grund liege in den stark hierarchischen Firmenstrukturen: Wenn es um den Führungsanspruch gehe, werde gekämpft, und zwar "sehr aggressiv". Geändert werden könne das eigentlich nur durch einen umfassenden Wertewandel in der Unternehmenskultur.

Zur Person
  • Marion Büttgen ist Professorin am Lehrstuhl für Unternehmensführung an der Universität Hohenheim und forscht dort unter anderem darüber, wie sich Frauen und Männer in ihrem Verhalten als Führungskräfte unterscheiden.

Frage: Das Beratungsunternehmen Deloitte hat sich jüngst entschlossen, seine internen Frauennetzwerke ersatzlos abzuschaffen. Ist das klug?

Büttgen: Ja, das ist eine sehr gute Idee. Sich innerhalb von Gruppen zu vernetzen, die sich nicht adäquat berücksichtigt fühlen, ist aus meiner Sicht nicht der richtige Ansatz, um aus dieser Situation herauszukommen. Wenn ich mich nur mit meinesgleichen austausche, kann ich ja nur eigene Erfahrungen teilen; die Personen, die auch erforderlich sind, um etwas zu ändern, sind dann nicht dabei. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Netzwerke wichtig sind, aber gemischt sein sollten. Der Austausch zwischen Frauen und Männern ist vor allem im Führungsbereich extrem wichtig.

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Frage: Also sind auch weibliche Führungskräfte-Netzwerke obsolet?

Büttgen: Jein. So etwas kann natürlich schon hilfreich sein, weil dort die Personen vertreten sind, die es nach oben geschafft haben, und die Hinweise geben können, wie es gelungen ist. Aber die Sichtweise der anderen Seite einzuholen, ist in jedem Fall unabdingbar.

Frage: Frauen sind empathisch, einfühlsam, kompromissfähig. Alles Quatsch?

Büttgen: Wir haben die Top-Führungsebene in deutschsprachigen Ländern untersucht. Und dort haben wir diese als frauentypisch empfundenen Eigenschaften nicht bestätigen können. Es hat in diesem Kreis bei den wichtigsten Persönlichkeitsmerkmalen fast keine signifikanten Unterschiede zwischen Frauen und Männern gegeben. Beide legen typisches Alphatierverhalten an den Tag. Bis auf zwei Ausnahmen.

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Frage: Welche sind das?

Büttgen: Die eine ist Offenheit für Erfahrungen: Wie phantasievoll, kreativ und offen für Neues ist ein Mensch? Hier erzielten weibliche Führungskräfte höhere Werte. Die andere Ausnahme war Verträglichkeit. In dieser Dimension haben die weiblichen Führungskräfte niedriger gepunktet als Männer. Die Frauen waren eher kompetitiv, streitsüchtig, aggressiv, selbstherrlich und weniger kompromissbereit, kooperativ und harmoniesuchend.

Frage: Klingt furchtbar. Ist Chefsein toxisch für den eigenen Charakter?

Büttgen: Tja. Wird man so, wenn man nach oben kommt? Oder kommt man nach oben, weil man so ist? Die Persönlichkeitsforschung sagt, dass Persönlichkeitsstrukturen eigentlich sehr stabil sind. Das würde dafür sprechen, dass es unter den Frauen eben auch einige gibt, die diesem Persönlichkeitstyp entsprechen, und dass das genau diejenigen sind, die es ganz nach oben schaffen.

Frage: Was bringt denn dann Diversität im Vorstand, wenn ohnehin alle ähnlich ticken?

Büttgen: Diese eher harten, aber eben auch sehr leistungsstarken Persönlichkeitstypen zeigen sich ganz oben. Auf den unteren und mittleren Führungsebenen ist das Spektrum deutlich breiter. Wenn man nun gezielt versucht, dort mehr Diversität zu bekommen, erhöht das die Chance, dass es weiter oben auch irgendwann vielfältiger wird. Solange Unternehmensstrukturen aber immer noch sehr hierarchisch sind, ist es fast ein Naturgesetz, dass sich ein Persönlichkeitstyp durchsetzt, der sich kompetitiv nach oben kämpft. Das ist wie im Rudel: Wenn einer dem Alphatier dessen Platz streitig machen will, wird gekämpft, und es geht sehr aggressiv zu.

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Frage: Wäre es für Unternehmen und Mitarbeiter besser, wenn es anders wäre?

Büttgen: Es wäre wünschenswert, ja. Aber dafür braucht es Veränderungen, nicht nur in der Art, wie gearbeitet wird, sondern auch in den Werten. Wenn Unternehmen mehr nach dem Sinn ihres Tuns fragen, nachhaltiger werden, ihren eigentlichen Zweck bedenken, dann können auch Personen mit verträglicheren Charaktereigenschaften besser nach oben kommen.

Frage: Ach, ja?

Büttgen: Es geht aber auch um den Mechanismus, wie Top-Positionen besetzt werden. Auf Vorstandsebene entscheiden die Aufsichtsräte darüber. Da ist es sinnvoll, an diesen Gremien anzusetzen - insofern war die Frauenquote für Aufsichtsräte schon mal ein richtiger Schritt. Vielleicht müsste man auch noch weitergehen: Im Aufsichtsrat sind ja immer nur die Shareholder und die Mitarbeiter vertreten. Man könnte den Kreis dort erweitern: um Kunden, Lieferanten, Kooperationspartner, Gläubiger, öffentliche Institutionen. Das könnte Diversität ganz anders befördern.

insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
Pfaffenwinkel 08.03.2018
1. Wadlbeißer
In meinem Berufsleben hatte ich auch mehrmals einen weiblichen Chef. Fazit: Frauen in Führungsposten können schlimme Wadlbeißer sein, genauso wie Männer. Da gibt es keinen Unterschied.
heinrichhaine 08.03.2018
2. Nicht wichtig
besser? schlechter? aggressiver? friedfertiger? empathischer? Frauen sind anders - und das ist gut so! Warum sich so viele Menschen damit befassen die geschlechter anzugleichen, das bleibt mir ein Rätsel.
ruhepuls 08.03.2018
3. Ohne Unterschiede...
Zitat von heinrichhainebesser? schlechter? aggressiver? friedfertiger? empathischer? Frauen sind anders - und das ist gut so! Warum sich so viele Menschen damit befassen die geschlechter anzugleichen, das bleibt mir ein Rätsel.
Das ist wie mit dem Geld: Erst wenn alle gleich arm sind, kann man auf niemand mehr neidisch sein.
ruhepuls 08.03.2018
4. Dünne Luft oben - und sehr umkämpft...
Aus meiner Berufserfahrung kann ich sagen, dass sich der Charakter auf dem Weg nach oben nicht wesentlich verändert. Er tritt nur stärker zu Tage. Oben kommen nur die an, die zum Einen über die dafür notwendigen Eigenschaften verfügen - UND bereit sind sie einzusetzen bzw. alles zu tun, um nach oben zu kommen. Wen wundert es da, dass Männer und Frauen sich hier nicht groß unterscheiden?
freiheitimherzen 08.03.2018
5.
„Im Aufsichtsrat sind ja immer nur die Shareholder und die Mitarbeiter vertreten. Man könnte den Kreis dort erweitern: um Kunden, Lieferanten, Kooperationspartner, Gläubiger, öffentliche Institutionen. Das könnte Diversität ganz anders befördern.“ Klar - klingt wie der Sozialismus, der im ehemaligen Ostblock praktiziert wurde... Ich stelle mir das gerade vor - bei Siemens im Aufsichtsrat sitzen Kunden und Lieferanten aus aller Welt. Oder bei Apple sitzt Foxconn dabei. Ganz großes Kino! Viele Grüße
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