Studie des Arbeitsministeriums Frauen bekommen oft weniger Boni

Sechs von zehn Unternehmen belohnen Mitarbeiter mit Boni - aber fair ist die Vergabe nur selten, zeigt eine neue Studie. Einige Betriebe zeigen, wie es besser funktioniert.

Gehalt hängt oft vom Erfolg der Firma ab
DPA

Gehalt hängt oft vom Erfolg der Firma ab


Wie viel man verdient, hängt in einigen Jobs ganz stark vom Bonus ab: In 60 Prozent der deutschen Unternehmen gibt es diese sogenannten variablen Gehaltsbestandteile. Aber oft sind Teilzeitkräfte hier im Nachteil. Und das heißt: Sie bekommen nicht einmal den Anteil an den Erfolgsprämien, der zu ihrer Teilzeitquote passen würde.

Das ist ein Ergebnis einer umfassenden Studie zum Thema Boni, die das Bundesarbeitsministerium am Mittwoch präsentiert und die dem SPIEGEL vorliegt. Sie basiert auf drei Umfragen aus den Jahren 2012 bis 2017.

Danach haben Mitarbeiter besonders gute Chancen auf Boni, die

  • fest angestellt sind,
  • besonders extrovertiert sind,
  • ein hohes Bildungsniveau
  • und eine Führungsposition haben.

Selten dagegen bekommt einen Bonus, wer

  • weiblich ist,
  • in Teilzeit arbeitet,
  • nur einen befristeten Arbeitsvertrag hat
  • und berufliche Risiken scheut.

Entscheidend ist dabei, welche Erfolge als Auslöser für eine Bonuszahlung vereinbart werden. Bei einem Drittel der Führungskräfte, die Boni bekommen, sind das individuelle Zielvereinbarungen, bei Angestellten ohne Personalverantwortung sogar fast die Hälfte. Zum Beispiel, wenn mit einem Vertriebsmitarbeiter ein bestimmter Jahresumsatz vereinbart wird: Holt er mehr Geld herein, bekommt er auch den Bonus. Für Teilzeitstellen sind solche Mechanismen offenbar seltener vorgesehen.

Besser läuft es für Teilzeitkräfte, wenn der Erfolg einer Abteilung oder gleich der des gesamten Unternehmens als Maßstab dient. Überspringt die Gruppe die gemeinsam festgelegte Latte, bekommen alle einen Bonus. Und wer eine 60-Prozent-Stelle hat, kriegt eben 60 Prozent des Bonus ausbezahlt.

Welche Erfolge belohnen Unternehmen?
Erfolg des ganzen Unternehmens
Erfolg der Abteilung oder des Teams
Individueller Erfolg
Anteile an allen Unternehmen, die variable Vergütung zahlen. Daten von 2016.
Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales

"Teambonus schlägt Egobonus", sagt daher Björn Böhning, Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium. Schließlich will die Politik möglichst vielen Menschen Teilzeitarbeit ermöglichen, gerade erst wurde ein Gesetzentwurf dazu verabschiedet: "Da darf die Entscheidung für eine Teilzeitbeschäftigung nicht die Entscheidung für ein Gehalt zweiter Klasse sein."

Laut Böhning spricht auch sonst viel für den Teambonus: "Zielvereinbarungen erreichen ihr Ziel eher, wenn sie nicht formelhaft die persönliche Leistung an die Vergütung koppeln." Erarbeitet das Team seinen Bonus gemeinsam, stärke das nachweislich die Arbeitszufriedenheit und das Engagement der Mitarbeiter.

Die Studie zeigt auch, dass der Anteil der Betriebe steigt, die ihre Boni gruppenbezogen auszahlen. Der Bonus für Abteilungen oder Arbeitsgruppen hat in den vergangenen Jahren um drei Prozentpunkte zugelegt. Entsprechend ging die Zahl individueller Boni zurück.

mamk



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