Arbeitsrecht Unwetter - das müssen Arbeitnehmer wissen

Orkantief "Friederike" zieht über Deutschland. "Bleiben Sie zu Hause, wenn Sie können", warnen Meteorologen. Doch welche Rechte haben Angestellte? Der Überblick.

Sturmschaden in Münster-Gremmendorf
DPA

Sturmschaden in Münster-Gremmendorf


Dürfen Beschäftigte bei Unwetter zu Hause bleiben?

In der Regel nicht. Grundsätzlich gilt: Angestellte sind selbst dafür verantwortlich, dass sie pünktlich ihren Job beginnen. Das gilt auch an Tagen, wenn ein Stau, Sturm oder Streik den Weg zur Arbeit beschwerlich macht oder die U-Bahn ersatzlos ausfällt. Wenn überall Bäume herumliegen und ein Sturm so wütet, dass es nicht zumutbar ist, auf die Straße zu gehen, kann dies eine "begründete Arbeitsverhinderung" sein. Aber für die Zeit, die Angestellte nicht arbeiten, muss ihnen der Arbeitgeber auch keinen Lohn zahlen - es sei denn, Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen sehen ausdrücklich eine andere Regelung vor.

Eine Ausnahme: Bei manchen Arbeitsplätzen hat es der Mitarbeiter nicht in der Hand, pünktlich zu erscheinen. Bei Arbeitsplätzen auf Offshoreplattformen oder Inseln zum Beispiel kann starker Wind oder eine Flut das verhindern. Bei solchen Jobs trägt der Arbeitgeber das Wegerisiko - und muss seinen Mitarbeiter auch dann bezahlen, wenn der gar nicht zum Einsatz kommt.

Können Arbeitnehmer abgemahnt werden, weil sie wegen eines Sturms zu spät kommen?

Nein, so einfach geht das nicht. Eine Abmahnung droht Angestellten nur, wenn sie die Unpünktlichkeit verursacht haben - also nicht bei unvorhersehbaren Ereignissen wie einem Sturm. Ist auf einer Strecke jedoch immer Stau, muss der Mitarbeiter dafür sorgen, dass er rechtzeitig den Arbeitsplatz erreicht.

Was ist, wenn Beschäftigte das Büro früher verlassen müssen, um Kinder abzuholen?

Wenn es sich um eine Notsituation handelt, in der ein Kind nicht anders betreut werden kann, haben Arbeitnehmer das Recht, die Arbeit früher zu beenden. Aber auch hier gilt: Die ausgefallene Arbeitszeit muss nicht vergütet werden. Denkbare Alternativen: Betroffene nehmen einen Tag Urlaub oder vereinbaren mit dem Chef, die Zeit nachzuarbeiten oder Aufgaben vom Home-Office aus zu übernehmen.

BBC-Doku: Warum das Wetter immer extremer wird

vet



insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
jujo 18.01.2018
1. ...
Wenn die Fähre von oder zur Insel nicht fährt hat das Wegerisiko der AG. Wenn keine anderen Verkehrsmittel fahren dann nicht? Soll der AN um Mitternacht loslaufen? mal übertrieben gesagt.
gammoncrack 18.01.2018
2. NIch in jedem Job ensteht dem Arbeitgeber tatsächlich
ein finanzieller Verlust, wenn ein AN einmal nicht zur Arbeit kommt. Zum Beispiel dort, wo sich sowieso keine Umsätze /kein Geschäft aufgrund des Sturms entwickeln. Wer geht z. B. bei einem Orkan in einen Zoo und benötigt 3 besetzte Kassenhäuschen? Und an der Stelle zeigt sich, ob ein Arbeitgeber bei Nichtverschulden des AN den Lohn ohne Urlaubsabzug weiter zahlt oder nicht. Es gibt eben solche und solche. Ich war mein Leben lang bei Arbeitgebern beschäftigt, die in solchen Fällen für die Gleitzeit immer eine Zeitgutschrift veranlasst hätten. Die Argumentation war, dass das Tagesgehalt bei weitem den Aufwand reduziert, als wenn ein Mitarbeiter sich verletzt und mehrere Tage/Wochen ausfällt. Die Lohnfortzahlung übersteigt das allemal.
geschädigter5 18.01.2018
3.
Wenn dem Arbeitnehmer sonst nichts anderweitiges vorzuwerfen ist, wird sicherlich keine Abmahnung erfolgen. Es kommt immer auf das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer an.
Nordstadtbewohner 18.01.2018
4. Willkommen in der Realität
Zitat von gammoncrackein finanzieller Verlust, wenn ein AN einmal nicht zur Arbeit kommt. Zum Beispiel dort, wo sich sowieso keine Umsätze /kein Geschäft aufgrund des Sturms entwickeln. Wer geht z. B. bei einem Orkan in einen Zoo und benötigt 3 besetzte Kassenhäuschen? Und an der Stelle zeigt sich, ob ein Arbeitgeber bei Nichtverschulden des AN den Lohn ohne Urlaubsabzug weiter zahlt oder nicht. Es gibt eben solche und solche. Ich war mein Leben lang bei Arbeitgebern beschäftigt, die in solchen Fällen für die Gleitzeit immer eine Zeitgutschrift veranlasst hätten. Die Argumentation war, dass das Tagesgehalt bei weitem den Aufwand reduziert, als wenn ein Mitarbeiter sich verletzt und mehrere Tage/Wochen ausfällt. Die Lohnfortzahlung übersteigt das allemal.
Warum sollte ein Arbeitgeber bei Nichterscheinen des Arbeitnehmers am Arbeitsplatz auch noch Lohn zahlen? Wer so etwas fordert, leidet an Realitätsverlust. Ich halte die Regelung, dass bei Nichterscheinen kein Lohn gezahlt wird, für völlig richtig.
gammoncrack 18.01.2018
5. Wenn man natürlich nicht vollständig zitiert,
Zitat von NordstadtbewohnerWarum sollte ein Arbeitgeber bei Nichterscheinen des Arbeitnehmers am Arbeitsplatz auch noch Lohn zahlen? Wer so etwas fordert, leidet an Realitätsverlust. Ich halte die Regelung, dass bei Nichterscheinen kein Lohn gezahlt wird, für völlig richtig.
fehlen natürlich die angegebenen Gründe. Dort steht auch deutlich, dass ein AG nicht "muss", sondern "kann". Das hat mit Realitätsverlust schon deswegen nichts zu tun, weil es eben die AG gibt, die in diesen Fällen, wohl überlegt, den Lohn trotzdem zahlen. Mich beschleicht das Gefühl, dass Sie zur AG-Seite gehören und keinesfalls den Lohn zahlen würden. Ihr gutes Recht und ich würde Ihnen deswegen nie Realitätsverlust vorwerfen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.