Statistik Zahl der Azubis erreicht Rekordtief

Im vergangenen Jahr haben etwa 510.900 Menschen in Deutschland eine Lehre begonnen, so wenige wie noch nie. Einige Berufe sind aber weiter begehrt.

Auszubildende in Berlin
DPA

Auszubildende in Berlin


So wenig Jugendliche wie noch nie haben 2016 in Deutschland eine Berufsausbildung begonnen. Etwa 510.900 junge Frauen und Männer starteten in die Lehre, wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Zahlen mitteilte. Das waren 1,1 Prozent weniger als 2015 und ein neuer Tiefstand. Grund ist nach Einschätzung der Statistiker der Trend zum Studium. Außerdem gebe es wegen des demografischen Wandels immer weniger junge Menschen, die für eine Lehre in Frage kommen.

Mit dem Tiefstand setzte sich der seit 2011 anhaltende Abwärtstrend bei den Neuverträgen fort. Der größte Ausbildungsbereich Industrie und Handel, zu dem auch Banken und Versicherungen gehören, verzeichnete im vergangenen Jahr einen Rückgang von zwei Prozent. Auch Hauswirtschaft und Landwirtschaft zogen weniger Azubis an.

Handwerk hat Probleme

Beliebter war hingegen der öffentliche Dienst. Dort wurden 1,6 Prozent mehr neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Ein leichtes Plus gab es auch im Handwerk mit einem Anstieg von 0,3 Prozent.

Das deutsche Handwerk beklagte allerdings, dass die Zahl der jährlich neu eingestellten Auszubildenden seit dem Beginn dieses Jahrzehnts um mehr als 70.000 zurückgegangen sei.

Insgesamt befanden sich Ende Dezember 2016 etwa 1,3 Millionen Jugendliche in einer Ausbildung im dualen System. Das waren genau ein Prozent oder 13.900 weniger als im Vorjahr. Eine duale Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre und umfasst neben der betrieblichen Arbeit auch Unterricht in der Berufsschule.

koe/dpa



insgesamt 34 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hj.binder@t-online.de 12.04.2017
1. Die Jungen
sind gar nicht so dumm, wie sie die Verbundfunktionäre der Wirtschaft gern hätten. Hinter jeder Entscheidung wie ein Leben aussehen könnte steht das Monster Hartz-IV, das in der Regel jeden Traum, manchmal auch ein Leben schlagartig beendet. Die privatwirtschaftlichen "Kammerausbildungen" verlieren in den Job-Center ihre Gültigkeit, wenn 3 Jahre lang nicht in dem Beruf gearbeitet wird, sprich der Betroffene ist ohne Beruf und damit Manövriermasse der Hartz-IV-Verbrecher. Das gilt nicht nur für den "einfachen" Gesellenbrief, auch für die Techniker und Fachwirte und Meister; alles "Abschlüsse", die sehr teuer sind und keine Rolle mehr spielen wenn die Firma nach China verlagert wird. Anders sieht es mit Hochschulabschlüssen aus. Die Jungen quälen sich zum Abi, sitzen in irgendeiner Hochschule die Zeit zum BA ab und haben einen Abschluss, den ihnen keiner mehr nimmt. So einfach ist das, sie haben dann gelernt durch nachlabern zu irgendwelchen wichtigen Papieren zu kommen. Natürlich hat weder das eine noch das andere mit Bildung zu tun - die muss der Mensch sich anders gönnen.
dergrosskugler 12.04.2017
2. Vergeudung an Lebenszeit
Da mittlerweile nicht mehr nur die Besten zum Studium zugelassen werden, sondern alle die sich irgendwie befähigt halten, ganz abgesehen von der menschlichen Reife. Es gibt kein Leistungsprinzip in der Bildung. Die Abgänger versuchen sich dementsprechend nach oben zu orientieren und ignorieren ihre eigenen Fähigkeiten. Wen alles erlaubt ist und alle Möglichkeiten offen stehen, warum dann nicht hoch pokern und das Beste herauspicken, zurück kann man immer. Die Vergeudung von Zeit und Finanzen, bei späteren Lebenskorrekturen, wird Heranwachsenden nicht beigebracht. Viele Studenten bedeuten nicht gleich viele Absolventen....
spon-facebook-10000361426 12.04.2017
3. Der Markt
reguliert sich, neoklassizistisch, ganz von selbst. Werden eben zukünftig mehr Ingenieure als Maurer, etc. arbeiten..... Aus der Traum vom Topverdiener in White Collar, unserer Ausbildungspolitik sei Dank. Lösung des Problems: Ausbildungen als weitere Zugangsbeschränkung für das Studium. Habe auch erst mal was gelernt und dann studiert, war gut so, man lernt auf mal die Basis kennen statt als Chef von der Hochschule zu marschieren und von tuten und blasen wenig Schimmer zu haben (kann man niemand vorwerfen, ist aber oft genug so).
spon-facebook-10000361426 12.04.2017
4. @hj.binder
Ihre Analyse trifft übrigens nicht ins schwarze. Ich habe mir über Harz IV tatsächlich keine Gedanken gemacht als ich mich für ein Studium entschied und ich habe meine Zeit da auch nicht abgesessen, ich kann das weder von meinen Mitstudierenden behaupten, noch von meinen Freunden die derzeit noch studieren. Auch die Arroganz, zu behaupten, man säße da seine Zeit ab halte ich für ziemlich daneben. Jene die in meinem Umfeld studieren labern a) nicht nur stupide nach noch b) geht es ihnen um irgendwelche Papiere sondern um Wissenserwerb in einem Herzensfach und durchaus auch kritische Betrachtung. Ich würde Ihnen sehr ans Herz legen Ihr negatives Weltbild zu hinterfragen.
HISXX 12.04.2017
5. Heute hü morgen hot...
Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde von der Wirtschaft beklagt, der Anteil der Studierenden unter den Abiturienten sei zu niedrig. Nun haben wir diese Situation und es ist auch nicht richtig. (Es wurde auch mal von der Wirtschaft beklagt, die Deutschen seien zu alt beim Berufseinstieg - das Resultat war G8. Von den Wirtschaftsführern hört man nichts mehr zu diesem Thema). Es ist doch eine gute Entscheidung, zu studieren. Der Akademikeranteil an den Arbeitslosen ist niedriger als der der Nichtstudierten. Das Einkommen ist sowieso höher. Und vor dem Hintergrund einer steigenden Lebensarbeitzeit kann man von einem Beruf mit viel körperlichem Einsatz wohl nur abraten. Wenn die Wirtschaft mehr Azubis haben will gibt es ein einfaches Mittel: Mehr Geld, bessere Aufstiegsmöglichkeiten, kürzere Lebensarbeitszeit für Handwerker.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.