Unternehmen Deutsche Vorstandschefs immer kürzer im Amt

24 Vorstandschefs verloren 2017 in deutschen Konzernen ihren Job. Im weltweiten Vergleich sind die Aktiengesellschaften damit besonders wechselfreudig, wie eine neue Studie zeigt.

Risikoposten Vorstandschef
imago/Ikon Images

Risikoposten Vorstandschef


Topmanager in Deutschland haben es vergleichsweise schwer. Denn wer bei deutschen Aktiengesellschaften an der Spitze steht, muss häufiger als in anderen Ländern mit einer frühzeitigen Vertragsauflösung rechnen. Das zeigt eine am Dienstag veröffentlichte Studie der Unternehmensberatung PwC.

Demnach wurden Vorstandsvorsitzende in Deutschland im vergangenen Jahr 24 Mal vor die Tür gesetzt. Zu den Geschassten oder Zurückgetretenen gehörten unter anderem Peter Terium von der RWE-Tochter Innogy und Stefan Sommer vom Automobilzulieferer ZF.

"Die Halbwertszeit von Vorstandchefs in Deutschland sinkt drastisch und liegt mit 5,1 Jahren unter dem internationalen Mittel von sieben Jahren", sagt Peter Gassmann, Europachef des Beratungsunternehmens PwC Strategy&. "Das regelmäßige Stühlerücken hierzulande ist auch auf immer kurzfristiger zu erreichende Ziele sowie eine geringere Fehlertoleranz der Aufsichtsgremien und Eigentümer zurückzuführen."

Chef für eine überschaubare Episode - mehr nicht

Während Vorstandschefs früher oft über ein Jahrzehnt im Amt waren, entwickle sich der Topjob mitterweile "immer mehr zu einer überschaubareren Episode im Manager-Lebenslauf", so Gassmann. Weltweite Spitzenreiter in Sachen Internationalität seien deutsche, österreichische und Schweizer Unternehmen: Jeder dritte neue Vorstandschef kam aus dem Ausland. Weltweit war es nur jeder sechste.

PwC hatte für die Studie die Veränderungen an den Spitzen der 2500 größten börsennotierten Unternehmen weltweit untersucht. Dabei machten die Managementberater noch einen ganz anderen Nachholbedarf deutscher Konzerne aus: Als einzige Frau im deutschsprachigen Raum schafft es Angela Titzrath von der Hamburger Hafen und Logistik AG 2017 auf den Chefsessel.

In den vergangenen fünf Jahren sind der Auswertung zufolge im deutschsprachigen Raum 172 Männer, aber nur neun Frauen zu Vorstandsvorsitzenden berufen worden - eine Quote von 5,2 Prozent. Zum Vergleich: In den USA und Kanada hat sich der Anteil weiblich besetzter CEO-Stellen im vergangenen Jahr auf neun Prozent erhöht.

him/dpa

insgesamt 18 Beiträge
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dulcineadeltoboso 04.09.2018
1.
Das ist doch der schlagende Beweis dafür, dass man desto leichter ersetzbar ist, je weiter oben man ist. Vielleicht sollte man es mal ganz ohne Vorstandsvorsitzenden versuchen. Ich wette, man wird sich wundern, wie gut das funktioniert.
larsmach 04.09.2018
2. Mehr Unternehmertum statt Leiharbeit!
Angestellte Manager werden allzuoft als "Unternehmer" bezeichnet - man kann sich maßlos darüber echauffieren: Denn nichts ist grundlegend verschiedener als der Blick eines Unternehmers auf ein Unternehmen und dessen Zukunft und einem Manager. Nehmen wir den Manager eines Automobilherstellers: Der bekommt Boni, wenn die Zahl der abgesetzten Autos steigt. So geht er hin, verwässert wohlmöglich eine extravagante Nischenmarke durch gefälliges Allerweltsdesign und vor allem: Leasing-Wetten. Da werden dann Absatzfinanzierungen möglichst billig gerechnet, indem man die Wette (z.B. "optimistische" Restwerte, um Beispiel zu bleiben) dem Nachfolger vor die Füße kippt. Am Tag der Offenbarung ist man meist weit genug weg... - hat das noch mit Nachhaltigkeit zu tun!?? Und "Aufsichtsgremien"!? - Die freuen sich über die absurdesten Prognosen eines Managers; ich habe als Aufsichtsrat schon Vorstände erlebt, die von Sitzung zu Sitzung von immer neuen (immer größeren!) Projekten oder Geschäften fabulierten, ohne auf die zuvor mit viel Tam-tam angekündigten Erfolge noch mein einem Wort einzugehen. Mehr Unternehmer, bitte!
sven2016 04.09.2018
3.
Das ist eine Win-Win-Situation: Mehrere schlechte Quartalszahlen oder das Nichterreichen einer vorgegebenen Maßzahl kann auf einen Schuldigen abgeladen werden, der dann sein vereinbartes Restgehalt der ganzen Vertragslaufzeit plus erworbene Boni und anteilige Rentenansprüche ausbezahlt bekommt und zum nächsten Dax-Konzern weiterzieht. Und es gilt dann sogar als Ausdruck von kreativer Flexibilität (ähnlich wie bei abgesägten Fußballtrainern).
matteo51 04.09.2018
4. Principal - Agent, leicht gemacht
mal zynisch betrachtet: das Risiko, so richtig im Job unterzugehen ist, einmal dort oben angekommen, eigentlich doch nicht so groß. Daher: mal probieren, wenn's nicht so klappt, viel Geld abräumen und abdanken -die unterstützenden Netzwerke sind eh schon lange und dicht gestrickt, so dass auch gesellschaftlich nach einem Abgang keine nachhaltige Blamage lauert.
Spiegelleserin57 04.09.2018
5. und woher kommt der Druck?
Zitat von larsmachAngestellte Manager werden allzuoft als "Unternehmer" bezeichnet - man kann sich maßlos darüber echauffieren: Denn nichts ist grundlegend verschiedener als der Blick eines Unternehmers auf ein Unternehmen und dessen Zukunft und einem Manager. Nehmen wir den Manager eines Automobilherstellers: Der bekommt Boni, wenn die Zahl der abgesetzten Autos steigt. So geht er hin, verwässert wohlmöglich eine extravagante Nischenmarke durch gefälliges Allerweltsdesign und vor allem: Leasing-Wetten. Da werden dann Absatzfinanzierungen möglichst billig gerechnet, indem man die Wette (z.B. "optimistische" Restwerte, um Beispiel zu bleiben) dem Nachfolger vor die Füße kippt. Am Tag der Offenbarung ist man meist weit genug weg... - hat das noch mit Nachhaltigkeit zu tun!?? Und "Aufsichtsgremien"!? - Die freuen sich über die absurdesten Prognosen eines Managers; ich habe als Aufsichtsrat schon Vorstände erlebt, die von Sitzung zu Sitzung von immer neuen (immer größeren!) Projekten oder Geschäften fabulierten, ohne auf die zuvor mit viel Tam-tam angekündigten Erfolge noch mein einem Wort einzugehen. Mehr Unternehmer, bitte!
die Antwort ist sehr leicht zu finden: die Aktionäre wollen Geld sehen, um jeden Preis! Was sollen denn die Manager verkünden? Doch das was man hören will.. Erfolg, Erfolg um jeden Preis! Will jemand hören dass der Absatz nicht funktioniert? Wohl kaum! Das könnte an den Aktienmärkten sofort Panik auslösen und die Aktie würden gnadenlos abrutschen.
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