Eisglatte Straßen Zu spät im Büro - das sind die Konsequenzen

Blitzeis, Schnee und Kälte: Viele sind heute zu spät zur Arbeit gekommen. Droht jetzt eine Abmahnung? Muss die Zeit nachgearbeitet werden? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Schnee in Hamburg: Arbeitnehmer müssen trotzdem pünktlich ins Büro kommen
DPA

Schnee in Hamburg: Arbeitnehmer müssen trotzdem pünktlich ins Büro kommen


Ich bin pünktlich zu Hause los, kam aber eine halbe Stunde zu spät im Büro an, weil Busse und Bahnen verspätet waren. Muss ich die 30 Minuten heute Abend nacharbeiten?

Ja. In aller Regel gilt: Arbeitnehmer sind selbst dafür verantwortlich, dass sie ihre Arbeit pünktlich beginnen können. Das gilt auch an Tagen, an denen ein Sturm, Stau oder Streik den Weg ins Büro beschwerlich macht oder die U-Bahn ersatzlos ausfällt. Für die Zeit, die der Angestellte zu spät kommt, muss der Arbeitgeber normalerweise keinen Lohn zahlen - es sei denn, Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen sehen ausdrücklich eine andere Regelung vor. Ihr Chef kann also verlangen, dass Sie die halbe Stunde nacharbeiten.

Ich kann aber abends nicht länger im Büro bleiben, ich muss mein Kind aus der Kita abholen. Was nun?

Vielleicht können Sie die ausgefallene Zeit an einem anderen Tag nacharbeiten oder von Ihrem Urlaub abziehen. Generell gilt aber: ohne Arbeit kein Geld. Wenn Sie nicht Ihre volle Arbeitszeit leisten, darf Ihr Arbeitgeber Ihnen das Gehalt kürzen.

Ich musste ein Taxi nehmen, um rechtzeitig ins Büro zu kommen. Kann ich die Rechnung bei meinem Arbeitgeber einreichen?

Nein. Auch hier gilt: Arbeitnehmer sind selbst dafür verantwortlich, dass sie pünktlich im Job sind. Wie sie das bewerkstelligen, bleibt ihnen überlassen.

Kann mein Chef mich feuern, weil ich zu spät gekommen bin?

Nein, so einfach geht das nicht. Generell kommt vor der Kündigung erst einmal die Abmahnung. Und auch diese droht Arbeitnehmern nur, wenn sie die Unpünktlichkeit verursacht haben - also nicht bei unvorhersehbaren Ereignissen wie Schnee und Eis. Auf der sicheren Seite ist, wer dem Arbeitgeber rechtzeitig Bescheid sagt, dass er zu spät kommt.

Ich möchte das Verkehrschaos lieber umgehen und im Homeoffice arbeiten. Geht das?

Nur, wenn Sie Ihren Chef davon überzeugen können. Wenn keine Vereinbarungen dazu getroffen worden sind, haben Sie keinen Anspruch darauf.

Arbeitnehmer sind auf ihrem direkten Arbeitsweg unfallversichert. Was aber, wenn ich nur auf Umwegen ins Büro komme?

In diesem Fall sind Sie trotzdem unfallversichert: Wenn Sie keine andere Möglichkeit haben, zur Arbeit zu kommen, ist das ja der direkte Arbeitsweg. Auch wenn Sie bei einem Kollegen mitfahren und der noch andere Mitfahrer abholt, ist das unproblematisch. Kauft er aber noch schnell Brötchen, und es passiert ein Unfall, wird es kompliziert. Generell gilt dann: Es kommt auf den Einzelfall an.

vet

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insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
sachfahnder 04.01.2016
1. Schmarrn..
Ich als Arbeitgeber bin / wäre froh, wenn meine Leute bei dem Wetter heil in der Firma ankommen! Nacharbeiten etc. ? Das regelt sich bei uns von selbst !
tommit 04.01.2016
2. Bei uns gilt Vertrauensarbeitszeit
für mich schon seit 20 Jahren... da muss ich mir solch ordnungspolitishes Kleinklein nicht antun... Meine Arbeit muss fertig werden und bezahlt werde ich nach der Kundenperformance...
je_pense 04.01.2016
3. Unvorhersehbare Ereignisse
Zwar wird wahrscheinlich kein AG gleich eine Abmahnung wegen ein paar Minuten verschicken, aber sofern es nicht wirklich kurzfristig aufgetretenes Wetter ist kann man Schnee und Eis meiner Meinung nach nicht als "Unvorhersehbare Ereignisse" einordnen. Wozu gibt es denn Wetterberichte?
hektor2 04.01.2016
4. Geltung
All' diese Bestimmungen, insbesondere Kündigungen, finden aber in Kleinstbetrieben (unter 10 AN) keine Anwendung und kein Arbeitsgericht beschäftigt sich auch nur mit dem Fall.
hektor2 04.01.2016
5. Gesetz
Zitat von sachfahnderIch als Arbeitgeber bin / wäre froh, wenn meine Leute bei dem Wetter heil in der Firma ankommen! Nacharbeiten etc. ? Das regelt sich bei uns von selbst !
Dann sind ja auch nur die gesetzlichen Regelungen. Ich selbst bin froh, dass es in dem Betrieb, in dem ich arbeite, deutlich entspannter zugeht ---> ähnlich, wie scheinbar in Ihrem.
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