Gehalt, Lob, Stresslevel Was wirklich für Zufriedenheit im Job sorgt

88 Prozent der Deutschen sind mit ihrem Job zufrieden, die hiesige Wirtschaft schneidet damit in Europa überdurchschnittlich gut ab. Doch welche Faktoren machen uns eigentlich glücklich?

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Mögen Sie Ihren Arbeitsplatz? Die große Mehrheit antwortet darauf mit Ja: 88 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland sind mit ihrem Job zufrieden. Das zeigen Daten aus dem Jahr 2015, die das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) ausgewertet hat. Demnach hat sich die Arbeitszufriedenheit in Deutschland im Vergleich zu 2010 nicht verändert. (Lesen Sie hier die gesamte Analyse "Qualität der Arbeit in Europa".)

In der Europäischen Union gaben durchschnittlich 86 Prozent an, zufrieden zu sein. Dabei ist zu beachten, dass in vielen Ländern - vor allem in Ostmitteleuropa wie Litauen, Ungarn und Tschechien - das Maß der Arbeitszufriedenheit in den vergangenen fünf Jahren von einem relativ niedrigen auf ein mit Deutschland vergleichbares Niveau gestiegen ist. "Der Anteil der Arbeitnehmer in einem Land, die mit ihrer Arbeit zufrieden sind, ist damit ein Gradmesser für die Qualität der Arbeitsplätze in einer Volkswirtschaft insgesamt", schreiben die Wissenschaftler.

Am höchsten war die Zufriedenheit in Österreich (92,9 Prozent), den Niederlanden (91,9 Prozent) und Estland (90,6 Prozent); am geringsten ist der Anteil in Frankreich (79 Prozent). Die Unterschiede sollten jedoch nicht überbewertet werden, schreiben die Wissenschaftler. Immerhin seien selbst in Frankreich noch acht von zehn Arbeitnehmern zufrieden. Insgesamt ist die Zufriedenheit EU-weit in den vergangenen Jahren eher gestiegen.

Wichtiger Faktor: Wertschätzung

Ob jemand zufrieden ist, hängt laut dieser Untersuchung davon ab, ob seine individuellen Erwartungen an den Arbeitsplatz größtenteils erfüllt werden. Das kann ein hohes Gehalt sein, ein flexibles Arbeitszeitmodell oder wenig Zeitdruck. Offenbar finden sich auf Dauer nur wenige mit einem Job ab, mit dem sie persönlich insgesamt unzufrieden sind. Gleichwohl könnten belastende Faktoren durch positiv empfundene Arbeitsplatzmerkmale ausgeglichen werden.

Sehr wichtig für die Zufriedenheit ist laut der Analyse, ob jemand das Gefühl hat, dass seine eigene Arbeit wertgeschätzt wird. Diese Anerkennung kann durch Geld, Aufstiegsperspektiven und Worte ausgedrückt werden. So steigt in Deutschland die Wahrscheinlichkeit, mit der Arbeit insgesamt zufrieden zu sein, um 9,1 Prozentpunkte, wenn die Beschäftigten mit ihrem Gehalt zufrieden sind. Und von allen Studienteilnehmern, die sich angemessen vergütet fühlen, sind 95 Prozent mit ihrem Job zufrieden.

Dabei ist Geld mitnichten alles: EU-weit gab die Hälfte der Arbeitnehmer an, mit ihrem Gehalt unzufrieden zu sein. Dennoch sind drei Viertel von ihnen mit ihrer Arbeit insgesamt zufrieden. "Wertschätzung und Anerkennung können Arbeitnehmer auch erfahren, ohne dies unmittelbar oder mittelbar auf ihrem Bankkonto wiederzufinden", so die Autoren. Demnach steigt die Wahrscheinlichkeit der Arbeitszufriedenheit, wenn jemand von seiner unmittelbaren Führungskraft authentisches Lob für gute Leistungen bekommt. Dieses sollte persönlich und wörtlich überbracht werden. Dabei unterscheidet sich reines Feedback eindeutig von Lob: Während Ersteres nicht zur Zufriedenheit beiträgt, kann Letzteres einen großen Unterschied machen.

Termindruck ist oft gar nicht so schlimm

Ebenfalls wichtig ist ein gutes soziales Umfeld am Arbeitsplatz. Eine große Rolle spielt auch, dass Beschäftigte ihre privaten Bedürfnisse mit den beruflichen Anforderungen vereinbaren können. "Vertiefende Analysen zeigen zudem", schreiben die Autoren, "dass die Wahrscheinlichkeit ansteigt, die eigene Arbeit als sinnvoll einzuschätzen, wenn die Komplexität der Arbeit hoch und damit die Herausforderung der Aufgaben groß ist."

Anerkennung durch Worte vom Chef und bestenfalls mehr Gehalt, Unterstützung durch Kollegen, genug Zeit für Privates und Herausforderungen - diese Dinge sorgen demnach dafür, dass Menschen sich mit ihrer Arbeit und an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen.

Dinge dagegen, die häufig in der Öffentlichkeit kritisiert werden, wie befristete Arbeitsverträge, Nacht- oder Schichtarbeit und Termindruck haben der Untersuchung zufolge nicht zwingend einen negativen Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit. Tatsächlich gehe starker Termindruck nur für eine Minderheit der Betroffenen mit einem Überlastungsgefühl einher. So sind Betriebe offenbar in der Lage, heißt es in der Studie, "durch eine gute Arbeitsorganisation und die damit verbundene angemessene Delegation von Verantwortung und Handlungsspielräumen ihre Beschäftigten in die Lage zu versetzen, sich nicht durch zeitliche Vorgaben unter Druck gesetzt zu fühlen".

So wurden die Daten erhoben: Für diese Untersuchung wurde auf den European Working Conditions Survey (EWCS) 2015 zurückgegriffen. Die hier vorgenommene Analyse beschränkt sich auf die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU-28) und auf die aktiven Arbeitnehmer. Selbstständige und abhängig Beschäftigte im Mutterschutzurlaub, in der Elternzeit etc. blieben unberücksichtigt. Die Größe der untersuchten Stichprobe liegt bei gut 28.000 Personen. Darunter befinden sich gut 1600 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus Deutschland.

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Crom 21.08.2017
1.
Man sollte nicht so viel im SPON-Forum lesen. Die üblichen Pessimisten und Schwarzmaler stecken dann vielleicht noch an. Ist ja angeblich alles kurz vorm Zusammenbruch.
Newspeak 21.08.2017
2. ...
Zitat von CromMan sollte nicht so viel im SPON-Forum lesen. Die üblichen Pessimisten und Schwarzmaler stecken dann vielleicht noch an. Ist ja angeblich alles kurz vorm Zusammenbruch.
Ich glaube, was Sie und viele andere nicht verstehen, ist, dass sich die Lebenswirklichkeiten von den Menschen am unteren Rand des Spektrums deutlich von der der Mittelklasse unterscheidet, und nicht nur das, sondern auch voellig entkoppelt hat. Frueher gab es den Aufsteiger aus dem Arbeitermilieu, durch eigene Leistung. Heute sind diese Milieus durch unsichtbare Barrieren getrennt, wenn ueberhaupt dann geht es nur leicht in die Abwaertsrichtung. Sozialer Abstieg, der ist rasend schnell moeglich. Praktisch schon oft nach einem Jahr. Ein bisschen ist das nebenbei wie in DDR. Da war auch alles in Ordnung, noch am 40. Jahrestag war alles blendend, nicht wahr? Dabei hatte sich ein Grossteil der Gesellschaft schon lange still und heimlich verabschiedet. Die haben das nicht unbedingt gesagt. Die haben aber nur darauf gewartet, dass das System kollabiert. Ich kenne einige Leute, die wuerden, wenn man sie offiziell fragt, antworten, dass ja Alles nicht so schlecht sei, die sind aber gleichzeitig staendig und berechtigt am jammern und noergeln und unzufrieden und frustriert und diffus schon laengst in Abwehr zum System. Die warten nur auf den Moment, wo sich die Dinge mal wieder aendern. Die naechste Wirtschaftskrise, der naechste Finanzwahnsinn, und schon hat die AfD wieder aus dem Stand 20%.
profali 21.08.2017
3. arbeitgebernahes institut
sagt doch fast alles. gibt es denn keine unabhängigen ?
andneu 21.08.2017
4. @Crom
Zitat von CromMan sollte nicht so viel im SPON-Forum lesen. Die üblichen Pessimisten und Schwarzmaler stecken dann vielleicht noch an. Ist ja angeblich alles kurz vorm Zusammenbruch.
Behauptet die Wirtschaft doch ständig selber.
andneu 21.08.2017
5. @profali
Zitat von profalisagt doch fast alles. gibt es denn keine unabhängigen ?
Das ist reine Wissenschaft, völlig objektiv. Ein gewerkschaftsnahes Institut würde selbstverständlich auf exakt das gleiche Ergebnis kommen. ;-) Ihr Hinweis ist schon gut. Ich weiß auch nicht, warum solche lobbyinteressierten Gutachten einfach immer so in den Medien veröffentlicht werden. Zumindest erscheint der Hinweis im Artikel, dass es sich um ein Arbeitgeberinstitut handelt, das ist leider nicht selbstverständlich.
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