So geht Arbeit Holen Sie sich ein Zwischenzeugnis - ohne dass der Chef Verdacht schöpft

Sie wollen sich woanders vorstellen, trauen sich aber nicht, den Chef um ein Zeugnis zu bitten? Wer seine Rechte kennt, kommt nicht so schnell in Erklärungsnot.

Bewerbungsgespräch (Archivbild)
Getty Images/Blend Images

Bewerbungsgespräch (Archivbild)

Von


Sie haben ein Problem:

Ihnen schwant Böses. So, wie Ihre Firma derzeit umgebaut wird, bleibt kein Stein auf dem anderen. Ihre Abteilung wird kommenden Monat aufgelöst, die bisherigen Aufgaben auf zwei neue Einheiten übertragen. Zwar sieht es so aus, als ob Ihre Stelle nicht zur Disposition steht. Aber Sie fragen sich: Wie lange geht das noch gut?

Deswegen sehen Sie sich unauffällig nach einem neuen Job um. In sechs Wochen haben Sie einen Termin bei einem Mitbewerber, sympathischer Laden. Am liebsten würden Sie ein Zwischenzeugnis mitbringen, um zu zeigen, was Sie so drauf haben.

Aber wie bringen Sie Ihre Vorgesetzte dazu, ein Zeugnis zu schreiben, ohne dass sie Verdacht schöpft? Weiß die dann nicht sofort, dass Sie auf dem Absprung sind? Und was, wenn es dann mit der neuen Stelle nicht klappt? Dann sind Sie bei der nächsten Sparrunde bestimmt als einer der ersten weg.

Das könnte helfen:

Sie haben ja nicht nur diesen einen Grund für ein Zwischenzeugnis. Mit der neuen Abteilungsstruktur bekommen sie auch einen neuen Vorgesetzten. Ob es mit dem so gut läuft wie bisher, muss sich erst herausstellen. Da wäre ein Zwischenzeugnis von Ihrer langjährigen Chefin doch eine gute Idee, oder? Das wäre ein sauberer Abschluss, das sieht sie sicher ein.

Kein Missverständnis, bitte: Auch eine Bewerbung bei einem anderen Arbeitgeber ist ein legitimer Grund. Viele Arbeitsrichter sehen es daher so, dass man eigentlich immer ein Zwischenzeugnis verlangen kann, ohne das erklären zu müssen. Trotzdem ist es einfacher, einen Grund nennen zu können, den man Ihnen nicht übelnimmt.

Einen eindeutigen Anspruch auf das Zeugnis haben Sie, wenn ein "berechtigtes Interesse" besteht. Vor Arbeitsgerichten ist das:

  • die Bewerbung bei einer anderen Firma, wie in Ihrem Fall;
  • der Wechsel der Abteilung;
  • ein neuer Aufgabenbereich;
  • ein neuer Vorgesetzter;
  • eine drohende Kündigung oder wenn Ihnen das Unternehmen einen Aufhebungsvertrag anbietet;
  • die Schließung eines Betriebsteils.
  • Manchmal verlangen Banken ein Zwischenzeugnis vom Arbeitgeber ihrer Kunden, bevor sie einen Kredit bewilligen - das zählt ebenfalls.

Außerdem sehen manche Tarifverträge oder Arbeitsverträge vor, dass nach einer bestimmten Frist ein Zwischenzeugnis ausgestellt wird.

Das sollten Sie beachten:

Stellen Sie Ihre Anfrage am besten schriftlich. Lästige Zusatzarbeiten - und so werden das viele Chefs sehen - werden gern vergessen, wenn sie nicht dokumentiert sind. Prüfen Sie außerdem vorher, ob in Ihrem Arbeitsvertrag vielleicht eine Ausschlussfrist für ein Zeugnis vorgesehen ist. Nach Ablauf dieser Frist haben Sie keinen Anspruch mehr auf ein Zeugnis. Meist gelten diese Fristen aber nur für Zeugnisse am Ende eines Arbeitsverhältnisses.

Eine mögliche Ausflucht gibt es noch: Wenn Sie erst sehr kurz in der aktuellen Position beschäftigt sind, dann kann es sein, dass sich Ihre Vorgesetzte nicht imstande sieht, ein qualifiziertes Zeugnis zu schreiben, also eins, in dem ihre fachlichen Leistungen, ihre Motivation und das Sozialverhalten bewertet werden. Wie lange Sie dafür zusammengearbeitet haben sollten, ist Ermessenssache. Zur Not können Sie aber immer noch ein einfaches Zeugnis bekommen. Darin werden Ihre Arbeitsdaten angegeben und Ihre Aufgaben beschrieben, aber nicht benotet. Besser als nichts.

Und sonst so?

Für das Zwischenzeugnis gelten die gleichen Regeln, wie für jedes andere Zeugnis auch: Es muss wohlwollend formuliert sein. Rechnen Sie also mit den üblichen Formulierungstricks: Aufgaben sollten beispielsweise "stets zur vollsten Zufriedenheit" erledigt worden sein, auch wenn das sprachlich krumm ist. Sonst kann ein Leser auf die Idee kommen, dass Sie vielleicht gar nicht so toll im Job sind. Tipps dazu finden Sie im Themenkasten oben.



insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
taylor.made 29.03.2018
1. Bewerbung
Für eine Bewerbung bei einem neuen Arbeitgeben ist ein aktuelles Zwischenzeugnis nicht erforderlich. Einfach offen und ehrlich die aktuelle Arbeit beschreiben. Nur Vorsicht, stimmen die Erzählungen dann nicht mit dem nachgereichten Endzeugnis überein bekommt man Probleme.
gammoncrack 29.03.2018
2. Zwischenzeugnisse sind eigentlich Unfug, wenn
Sie außerhalb eines Vorgesetzenwechsels erstellt werden. Will ich einen Mitarbeiter aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis einstellen, reicht mir doch erst einmal aus, dass er sich in einem nachgewiesenen, ungekündigten Beschäftigungsverhältnis befndet. Der ist danach in einem Probezeitverhältnis und reicht natürlich sein "Abschlusszeugnis" ein. Da schlechte Zeugnisse sowieso nie ausgestellt werden (dürfen), entscheidet also hier die Probezeit, nicht das letzte Zeugnis. Ich halte von Zwischenzeugnissen deswegen eigentlich nicht viel.
connectionreset 29.03.2018
3. Sinnhaftigkeit
Mit der Formulierung des Autors "Aufgaben sollten beispielsweise 'stets zur vollsten Zufriedenheit' erledigt worden sein…" wird noch einmal deutlich, wie absurd Arbeitszeugnisse sind. Jeder bekommt im HR-Zeugnis-Speak eine eins. Super!
peterpeterweise 29.03.2018
4. Zeugnisse haben keine Aussagekraft mehr
Seit die Gerichte darauf dringen, dass Zeugnisse wohlwollend sein müssen, ist der Sinn von Zeugnissen aufgehoben. Inzwischen klagen selbst Menschen mit erkennbar unterdurchschnittlichen Leistungen erfolgreich gegen gute Zeugnisse, da sie auf einem sehr gut bestehen. In Firmen mit HR Abteilung gibt es darum immer die Standardformulierungen, und bei kleineren Firmen schreibt der Arbeitnehmer in der Regel sein Zeugnis selbst, und lässt es vom Arbeitgeber unterschreiben.
santoku03 29.03.2018
5.
Die meisten Vorgesetzten sind bequem und sehen es daher gern, wenn der Mitarbeiter das Zeugnis selbst vorformuliert und sie nur noch die üblichen Floskeln einfügen müssen. Unbedingt von dieser Option Gebrauch machen und dem Chef die Vorarbeit abnehmen. Die meisten werden dankbar sein und nichts Wesentliches ändern.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.