Wie SPIEGEL ONLINE Berlin rockte Die Höhepunkte des Auf-den-Dächern-Festivals

Ein bisschen irre war die Idee schon. Ein Musikfestival auf Berliner Hausdächern? Ohne großes Publikum vor Ort? Gedacht als Online-Ereignis? Klar! Warum denn nicht? Das Auf-den-Dächern-Festival von SPIEGEL ONLINE und tape.tv ist vorbei. Redakteure, Autoren und Moderatoren ziehen Bilanz.

Jeannette Corbeau

Nationale und internationale Top-Acts und Newcomer auf drei Dächern, zu sehen im Livestream auf SPIEGEL ONLINE - sollten Sie die Übertragung des Auf-den-Dächern-Festivals verpasst oder die Höhepunkte einfach ein zweites Mal sehen wollen: Kein Problem! Am Montag bringt SPIEGEL ONLINE jede Menge Ausschnitte aus dem ADD-Festival. Zum nochmal freuen.

Schon jetzt ziehen SPIEGEL-ONLINE-Redakteure ihre persönliche Festivalbilanz.

Alle hatten Spaß

Na gut, mit der Interaktion zwischen Künstlern und Publikum haperte es noch ein wenig. Aber: Das ist ja nur normal, bei einem experimentellen Open-Air-Festival, das ja eigentlich als virtuell zu bezeichnen ist. Rapper Cro versuchte das eine oder andere Mal, oben vom Dach herunter, die auf dem Festivalgelände unten am Boden vor dem Bildschirm sitzende Menge zum Mitsingen zu animieren: Gelang nur so mittelprächtig. Insgesamt aber hatten wohl alle viel Spaß: Die Berliner, die am Ende einer ereignisreichen Woche mit Music Week und Berlin Festival entspannt einigen hervorragenden Acts und populären Charts-Künstlern lauschen konnten - ob vor Ort beim recht intimen Public Viewing an der Spree oder gemütlich daheim am Rechner. Und auch den Acts bereitete es sichtlich Vergnügen, in der grandiosen, milden Abendstimmung auftreten zu können - allen voran die Lokalmatadoren von Mia., die am Ende ihres Auftritts, den Funkturm im Rücken, stolz verkündeten: Wir kommen von hier!

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Auf-den-Dächern-Festival: Die schönsten Livebilder
Für mich gilt: Ich war ein wenig skeptisch, ob das alles so funktioniert. Auf den Dächern, nah bei den Künstlern, konnten nur wenige Zuschauer sein, unten vor dem Schirm und im Internet die Masse. Doch nach den Auftritten von Bonaparte, Cro, Max Herre, Mia. und vor allem der bezaubernden Newcomerin Amanda Mair kann ich sagen: Es hat geklappt!

Dank der guten Musik, dank dem sehr gnädigen Berliner Spätsommerwetter, dank eines Teams, dass in den vergangenen Wochen keine Mühe gescheut hat - und natürlich dank einem coolen Publikum, dass sich offen für so ein Experiment gezeigt hat. Am Ende flog ein roter Luftballon in Herzform gen Himmel. Love Berlin. Andreas Borcholte

Kein gewöhnliches Festival

Am Spreeufer bot sich ein seltsames Bild: Hinter dem Bauzaun, der das Gelände des Auf-den-Dächern-Festivals begrenzte, saßen Leute am Fluß. Sie schauten mal aufs Wasser und mal durch den Zaun. Dort blickten sie auf Leute, die auf großen Leinwänden im Hof sahen. Und die verfolgten dort, was zugleich nur wenige Meter weiter oben auf den Dächern der Berliner Fernsehwerft geschah.

Nein, es war kein gewöhnliches Festival, was SPIEGEL ONLINE da zusammen mit tape.tv ausrichtete. Und es gab einige Momente, in denen entwickelte es eine ganz eigene Atmosphäre. Philipp Poisel schlenderte in lila T-Shirt und lila Shorts von dem Dach, wo er gerade aufgetreten war, mal hinüber aufs andere Dach, wo sich Cro im improvisierten Garderobenzelt gerade die Pandamaske aufsetzte. Nachher kamen beide für jeweils einen Gastauftritt zu Max Herre auf die Bühne, der sein Publikum aufforderte, die Sperrlinien für die Kameraabsperrungen zu ignorieren und näher zu kommen.

Einer der schönsten Momente war dann aber ein eher herkömmlicher. Conrad Keely von der US-Alternative-Band …And They Will Know Us By The Trail Of Dead spielte solo ein paar Lieder zur Gitarre - unten auf dem Boden, inmitten der Besucher, die dort zum Public Viewing saßen. Es sah fast ein bisschen aus wie San Francisco in den Sechzigern. Bloß dass sich Keely beim Singen selbst auf der Großleinwand singen sehen konnte, in zehn, fünfzehn Metern Entfernung. Fürwahr kein gewöhnliches Festival. Felix Bayer

Brüste, Schenkel und Pobacken

So viele Brüste, Schenkel und Pobacken an einem Körper! Einer der Tänzer des enthemmten Berliner Gaukler-Trupps Bonaparte hatte einen schäbig-schönen Fat Suit an, der mit unendlich vielen sekundären Geschlechtsmerkmalen behangen schien und dessen er sich Schicht um Schicht entledigte. Keine Ahnung, ob das gemeint ist, wenn man sagt, Berlin sei arm, aber sexy.

Auf jeden Fall riss einen der körperbetonte, mit etlichen bizarren Kostümen absolvierte Auftritt von Bonaparte aus der dösigen Sonntagsnachmittagsstimmung. Den ganzen Tag hatte sanft die Sonne auf die Dächer von Berlin geschienen, es wurde von Liebe gesungen, von endlosen Sommertagen, von unendlicher Sehnsucht. Herre, Cro, Poisel: Alles, was derzeit in den oberen Rängen der Charts Zuversicht und Zärtlichkeit verbreitet, öffnete auch beim ADD-Festival ihre Herzen.

Da war das Öffnen der Hosen der Sexualabenteurer Bonaparte natürlich eine willkommene Ablenkung. Große sonderbare Kostümierungen, bei denen die Geschlechtergrenzen wunderbar verschmelzen, hysterische Gesänge über Liebe zwischen Computern und dem Liebemachen zwischen allen möglichen Kreaturen waren zweifellos der Höhepunkt dieses sommersatten SPIEGEL ONLINE-Festivals.

Am Ende des Bonaparte-Befreiungsaktes blies eine Tänzerin Sternstaub ins Publikum, das uns jetzt an Hals und Nacken klebt und das wir als Versprechen mit in die Berliner Nacht nehmen wollen. Christian Buß



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