Said: "So etwas hat in Europa keinen Platz mehr."
München - Der von den Unionsparteien in jüngster Zeit verwandte und höchst umstrittene Begriff der "deutschen Leitkultur" ist nach den Worten von PEN-Präsident Said eine "Missgeburt". Einen solchen Begriff habe es in dieser Weise bisher nicht gegeben. "Er ist aus der Politik herübergetragen worden in den Bereich der Kultur", sagte der seit 35 Jahren im deutschen Kulturraum lebende iranische Autor in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Darüber hinaus erinnere ihn der Begriff an den Spruch: "Am deutschen Wesen soll die Welt genesen". Said lebt als freier Schriftsteller in München. Seine Gedichte, Aufsätze und Reden veröffentlicht er in deutscher Sprache, weil dies die Sprache sei, in der er täglich mit den Menschen spreche. "Die Sprache, die ich atme, ist Deutsch".
Nach Ansicht des Präsidenten handele es sich hier um etwas, was heute in Europa eigentlich keinen Platz mehr haben dürfe. Es sei denn, die Unionspolitiker wollten Deutschland wieder aus Europa herausmanövrieren.
In der heutigen Zeit gehe es eher um ein Nebeneinander "im horizontalen Sinne", sagte Said in Hinblick auf ein Nebeneinander der Kulturen. Der zuerst vom CDU/CSU-Bundestagsfraktionsvorsitzenden Friedrich Merz in die Diskussion gebrachte Begriff "Leitkultur" sei dagegen "vertikal, von oben nach unten gedacht". Für solche Gedanken sei heute kein Platz mehr, kritisierte der Präsident.
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