Ein erstes Konzept für einen bemannten Flug zum Mars entwickelte der deutsche Ingenieur und spätere Leiter des Apollo-Projekts Wernher von Braun bereits Ende der vierziger Jahre. Die Dimensionen dieses Vorhabens muten allerdings aus heutiger Sicht aberwitzig an: Voraussetzung war zunächst die Existenz einer Raumstation, die die Erde in einer Höhe von 1730 Kilometern umkreist. Hier sollten zehn Raumschiffe für insgesamt 70 Astronauten Besatzung montiert und auf den Weg gebracht werden. Jedes Raumschiff sollte voll beladen 3720 Tonnen wiegen.
Solche Größenordnungen übersteigen die Möglichkeiten heute verfügbarer Technik immer noch bei weitem. So wären selbst mit den leistungsfähigsten Transportsystemen mehrere hundert Flüge nötig, um die gesamte Ausrüstung in den Orbit zu befördern. Auch ist die Montage eines Raumschiffes in der Erdumlaufbahn kein leichtes Unterfangen. Die bisherigen Verzögerungen beim Bau der Internationalen Raumstation und ständigen Korrekturen im Zeitplan zeigen die vielfältigen Schwierigkeiten auf technischer, organisatorischer und finanzieller Ebene, mit denen dieses Mammutprojekt konfrontiert ist.
Gleichwohl ist es durchaus sinnvoll, ein Marsraumschiff im Orbit zusammenzubauen, da dadurch sehr viel Treibstoff eingespart werden kann. "Ist erst einmal eine erdnahe Umlaufbahn erreicht, hat man den halben Weg zu jedem Ort im Sonnensystem hinter sich", erkannte der Science-Fiction-Autor Robert A. Heinlein schon in den fünfziger Jahren. Es ist daher möglich, dass von der Internationalen Raumstation tatsächlich eines Tages eine bemannte Mission zum Mars aufbricht. Zwingend erforderlich ist es jedoch nicht.
Der amerikanische Raumfahrtingenieur Robert Zubrin stellte Anfang der neunziger Jahre ein Konzept für bemannte Mars-Missionen vor, das weitgehend mit vorhandener Technik auskommt und Raketenstarts direkt von der Erde vorsieht. Er nannte dieses Konzept daher "Mars Direkt". Der Kernpunkt ist die Nutzung der auf dem Mars vorhandenen Ressourcen für die Produktion von Raketentreibstoff und Sauerstoff.
Bevor Astronauten zum Mars starten, würde eine unbemannte Mission zunächst das Raumschiff für deren Rückkehr dorthin befördern. Es enthält flüssigen Wasserstoff sowie chemische Generatoren, die diesen Wasserstoff zusammen mit dem Kohlendioxid der Marsatmosphäre zum Treibstoff Methan und Wasser verarbeiten. Das Wasser kann entweder der Ernährung der Astronauten dienen oder wiederum in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten werden, wobei aus dem Wasserstoff weiteres Methan hergestellt werden kann.
Wenn alles nach Plan verläuft, steht so nach 13 Monaten die Rückkehreinheit für die Astronauten vollgetankt bereit. Weitere 13 Monate später starten eine weitere unbemannte Rückkehreinheit und das Raumschiff mit den Astronauten selbst. Das unbemannte Raumschiff dient als zusätzliche Sicherheit für die Raumfahrer. Falls es nicht benötigt wird, bereitet es die Rückkehr der nächsten bemannten Mission vor.
Zubrin schätzt die Kosten für eine solche Mission auf etwa 50 Milliarden Dollar und hält weitere Kostenreduzierungen für möglich. Die Idee der Nutzung der Marsressourcen ist mittlerweile zum Standard bei Szenarien für bemannte Marsmissionen geworden. Ob auch der direkte Start von der Erde realisiert wird, ist dagegen fraglich. Zubrin wollte damit vor allem demonstrieren, dass ein bemannter Flug zum Mars mit der heute verfügbaren Technik durchführbar ist. Nach mehreren Jahren Forschung auf der Internationalen Raumstation dürfte aber auch die Montage von Raumschiffen im Weltraum nicht mehr so große Probleme bereiten, so dass die Astronauten sich wahrscheinlich doch von dort aus auf den Weg zum Mars begeben werden.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Kultur | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Gesellschaft | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH