Von Anne Gerling
Männer-Magazin "Maxim": Frauenzeitschrift gespiegelt
Ein Hochglanz-Cover mit frecher Frau im schwarzen Leder-Mini und Headlines wie "Mit Cola verhüten" oder "11 heiße Autos, die jede Frau in Fahrt bringen" wecken die Neugierde auf das 198 Seiten dicke Ding. Ex-"Playboy"-Chefredakteur Peter Lewandowski verrät im Vorwort, "Maxim" wolle ein Freund sein, einer, bei dem man sich ausheulen und gehen lassen kann. Na, da wird man ja einiges über Männer erfahren....
Ein erstes Blättern. Die vom Springer-Verlag herausgebrachte deutsche Ausgabe von "Maxim", das sich bereits in neun anderen Ländern um Männerprobleme kümmert, wildert dreist Im Revier von "FHM" und "Playboy". Schöne Fotostrecken: Weibliche Haut, Autos, Technik - eben "Männerspielzeuge". Männermode, Kochshow, London-Fotos. Und dazu noch zwei Anatomie-Guides, ein medizinischer über Pflege und Wartung des gesunden Männerkörpers und ein erotischer über fachkundige und erfolgreiche Handhabung weiblicher Körper. Funktional und geschmackvoll. Aha. Weicheier werden verspottet ("Softies sind doch nun schon längst völlig out") - "Maxim" ist was für Cowboys, die sich noch ein bisschen Informationstuning verpassen möchten. Die Sport treiben, weil sie aktiv sind, sich aber um den Waschbrettbauch keine Gedanken machen. Die auch keine Börseninfos wollen, weil jetzt Freizeit angesagt ist. Stark, liebenswert und selbstbewusst ist der "Maxim"-Leser eben - eigentlich genau so wie die moderne Frau von heute.
Simpel gestrickte Lösungen
Frauen sind natürlich auch Thema im Heft. Die Rubrik "Warum machen Frauen so was?" bemüht sich nicht um tiefenpsychologisches Brückenbauen zum anderen Geschlecht, sondern erklärt die von Frauenhand angezündete Kerze am Essenstisch mit dem urweiblichen Instinkt: Sie wünscht sich die Geborgenheit der Höhle, während Männe draußen Mammuts totschlägt. "Maxim" ist also nicht unbedingt ein Beitrag zur Emanzipation beider Geschlechter. Hat ja auch niemand erwartet. Die Rubrik "Wie man(n)...", bietet simpel gestrickte Lösungen für fundamentale Probleme: "Wie optimiert man optisch seine Frau?" (mit Östrogen füttern), "Wie bringt man eine Frau zum Schweigen?" (küssen, der Frau keine Geheimnisse mitteilen, die sie ausplaudern könnte, ihr ein Geschenk kaufen), "Wie entfernt man Flecken"? Das dürfte selbst für Leserinnen interessant sein. Verblüffend ist, dass es genau genommen doch sehr viel um Frauen geht. Wo doch das Vorwort andeutete, es gebe für Männer Wichtigeres oder anderes.
Männer-Magazine und Frauenzeitschriften
Endlich: Der "Powerbook"-Teil des Heftes ist sachlich im Layout. Wird hier enthüllt, was Männer jenseits der Damenwelt bewegt? Pustekuchen. Was auf den ersten Blick mit der Präzision von Siebziger-Jahre-Auto-Quartett-Spielen stichwortartig technische Daten und Höchstleistungen herunterleiert, läuft dann doch wieder auf den "Flirtfaktor" von Kickboards und die besten Frauen-"Abschleppwagen" hinaus.
"Maxim" ist sicher unterhaltsam und auch (unfreiwillig) komisch ("Wie man einen BH mit einer Hand öffnet", mit Illustrationen), und es hilft vermutlich beim gepflegten 10-Minuten-Small Talk. Es macht seine Leser zu besseren Köchen und optimiert hoffentlich ihre Optik. Und es hält sich an die in der Serie "Wie werde ich ein Gentleman?" ausgesprochene Empfehlung: "Lesen Sie Kritiken statt ganzer Bücher, sie sind kürzer, pointierter...". "Maxim" souffliert mit Stichwortinfos beim Balzen. Ganz schön blauäugig, aber wieso sollten Männer-Magazine anders sein als Frauenzeitschriften?
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Kultur | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Gesellschaft | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH