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Trickspezialist Volker Engel Ein Leben nach dem Oscar

2. Teil

Emmerich engagierte den Bremerhavener für seinen Science-Fiction-Film "Moon 44" als Modellbauer, dämpfte jedoch jegliche Euphorie mit dem Rat: "Mach was Solides. Wenn wir hier fertig sind, mach einen vernünftigen Abschluss." Junggeselle Engel studierte nach seinem Design-Diplom an der Filmakademie in Ludwigsburg also weiter, und nach wenigen Monaten bot ihm die Schule an, als Dozent im Fach "Animation" zu unterrichten. Die Zukunft in deutschen Landen schien vorgezeichnet: Nach knapp drei Jahren Lehrtätigkeit an der Akademie hatte er schriftlich die Kündigung eingereicht und die Gründung einer "Special Effects"-Firma geplant.

Dann der Anruf aus Hollywood: Roland Emmerich mit einem Jobangebot. Engel zögerte nur kurz. Schon bei seinem ersten US-Besuch als Sechsjähriger hatte er "wohl einen Kick für Amerika weggekriegt". Für ihn hatte die Nation zwar schon "so ein bisschen Schlaraffenland-Charakter", allerdings hatte er nie "den großen Traum von der Hollywood-Karriere". Der Oscar-Gewinn katapultierte Engel bald darauf ins Who's who der Hollywood-Society, der er sich nun ganz bewusst entzieht: Er wohnt nicht in einer Villa mit Pool in Beverly Hills oder Malibu, sondern in einer Wohnung zwischen Yachthafen und Strand im abgelegenen Marina Del Rey und ist sparsam. Das Nordlicht ahnt: "Irgendwann wird die Durststrecke kommen." Vor Weihnachten war er bei Freund Emmerich zum Festessen in Hollywood eingeladen, zuweilen sehen sie sich aber über Monate hinweg nicht: "Er macht seinen Job, ich meinen." Natürlich hat er auch "irgendwann mal" den deutschen Regisseur Wolfgang Petersen getroffen, der aus dem Bremerhaven-nahen Emden stammt, und "einige freundliche Worte mit ihm gewechselt", aber "das war's".

Auch "der Wolfgang und der Roland", glaubt Engel, "haben nicht viel miteinander zu tun". Sie mögen und respektieren einander, aber die "werden kaum je gemeinsam Beach-Volleyball spielen", scherzt er. Letztlich kann das Hollywood-Dasein schnell zur Einsamkeit führen. Jene, die nicht arbeiten, warten auf den Anruf, die Einladung zum Vorsprechen, Tage, Monate voller Hoffnung, dann wieder warten, bis zur Zwangsversteigerung der Wohnungseinrichtung. Und jene, die arbeiten, stehen oft anderswo vor der Kamera: in Kanada, Afrika oder Tschechien, verwurzelt in ihrem Traum, entwurzelt im Leben.

Volker Engel ist seiner Heimat verbunden geblieben, trotz des blauen Himmels über Hollywood. Er könnte sich durchaus vorstellen, eines Tages wieder in Deutschland zu leben. Häufig fährt er hinauf zu den (deutschen) kulturellen Veranstaltungen in der "Villa Aurora", oben in den Hügeln von Pacific Palisades, wo ehedem Lion und Martha Feuchtwanger lebten. Den Heiligen Abend verbrachte er mit Eltern und Bruder in Hamburg: Kerzen am Tannenbaum, Ente, Rosenkohl und Rotkohl, so "schön romantisch".

Im November hat ihn die Hochschule Bremerhaven zum Honorarprofessor für das Fachgebiet Medienproduktion bestellt. Aus dem Nobody ist ein Somebody geworden. Die Benennung entspricht seinem Denken: Wenn er in der Stadt ist, dann ruft er schon mal Schulfreunde an, die er über Jahre hinweg nicht gesehen hat und wandert mit ihnen durch die alte Umgebung, redet über ihre Lehrer von einst, erinnert sich an Kneipen und bringt in der Nordseeluft die Träume zurück: "Weißt du noch, damals?" Hollywood und der Oscar sind dann weit entfernt. Priorität hat an der Waterkant die Menschlichkeit. Seine eigene.

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