Die Häupter der katholischen Kirche haben selbst Schuld: Warum mussten sie sich auch beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) für die Gottesdienste in aller Welt die Verwendung der jeweiligen Landessprache erlauben? Denn jetzt bekommt der Vatikan die Quittung für seinen Reformwillen. Das Lateinische, die offizielle Sprache im Kirchenstaat, ist seitdem selbst im Schoß der Kirche vom Aussterben bedroht. "Es gibt Priester, die nicht einmal mehr die lateinischen Inschriften auf den Grabsteinen in ihren eigenen Kirchen lesen können", empörte sich jetzt ein Experte im Kirchenstaat.
Ob in Priesterseminaren, an katholischen Universitäten oder im Vatikan selbst - überall werde die Sprache der Antike verdrängt. Selbst dem Papst sei kürzlich in einer kurzen Latein-Passage ein arger Schnitzer unterlaufen, klagt der Präsident der Vatikanstiftung Latinitas, Cleto Pavanetto. In italienischen Zeitungsberichten vom Freitag hieß es weiter: "Bei der letzten Bischofsversammlung sprach lediglich ein einziger Latein, und zwar der Bischof von Riga, Janis Pujats." Als unlängst ein argentinischer Kardinal bei einer Versammlung sich in der Sprache Ciceros und Caesars äußerte, gab es einen Aufschrei des Unverständnisses. "Selbst die Übersetzer waren der Verzweiflung nahe", meinten Teilnehmer. Der Kardinal fuhr daraufhin in spanischer Sprache fort.
"Das alles ist Schuld gewisser Kirchenkreise, die das Latein mit dem Machtanspruch der römischen Kurie gleichsetzen", schimpft ein anderer Experte. Allerdings müssen offizielle Vatikan-Dokumente weiterhin auch in lateinischer Sprache abgefasst werden, was heute ein eigener Übersetzungsdienst besorgt. Ansonsten hat sich die zweite Amtssprache im Kirchenstaat auf breiter Font durchgesetzt - das Italienische.
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