Nun ist der Katzenjammer groß. Corinna May, so meldete die "Bild-Zeitung", zog sich nach der Niederlage ins heimische Bremen zurück, stellte das Telefon ab und versuchte, mit ihrem Schmerz alleine klar zu kommen. Zuvor hatte auch sie versucht, die missratene Performance für das Scheitern verantwortlich zu machen. Ihre Erkältung sei am Wochenende immer schlimmer geworden, sagte sie und gab sich betrübt und bescheiden: "Ein bisschen weiter vorne wäre schön gewesen".
Aufgeben will die 31-Jährige nicht. Schon am Abend nach der Grand-Prix-Show zeigte sich die blinde Sängerin kampfeslustig: "Ich stehe immer wieder auf. Sie werden noch viel von mir hören", sagte sie der "Münchner Abendzeitung".
Der 57-jährige Komponist Siegel fand deftige Worte als Begründung für die Niederlage: Wie "Arsch und Friedrich" habe der Auftritt von Corinna May und ihrem Background-Chor geklungen, sagte er dem "Münchner Merkur" am Sonntag. Der Sound sei grauenhaft, der Chor schwach gewesen, es sei nicht alles so gelaufen, wie es sollte. Der Grand-Prix-Veteran hatte bereits im Vorwege angekündigt, dass dieser Wettbewerb sein letzter sein würde.
"Das Lied ist Sch...", hatte Siegels Intimfeind Dieter Bohlen schon vorab in gewohnt deftiger Weise getönt. Immerhin jemand, dessen Kompositionskünste für die Ohren vieler ebenfalls zu wünschen übrig lassen. Tatsache ist: Die inspirierteren und die beherzteren Songs haben beim Liederwettbewerb gewonnen. Siegels betulich-stampfende Hymne "I Can't Live Without Music" klang den Menschen in Europa offenbar nicht zeitgemäß genug. Auch andere Künstler hatten mit stimmlichen und choreografischen Problemen zu kämpfen, waren am Ende aber dennoch besser platziert. Einen Mitleidsbonus wollte Corinna May, wie sie im Vorwege angekündigt hatte, nicht haben.
Doch nicht nur May und Siegel dürften sich über den unerwarteten Absturz ins Schlager-Nirwana wundern. Auch den Buchmachern ist nicht mehr zu trauen: Sie hatten Deutschland vor dem Wettbewerb sogar zeitweise auf dem ersten Platz gesehen.
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