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02.08.2002
 

Israelische Ausstellung verhindert

China will Einstein nur zensiert

Von Andreas Lorenz, Peking

Wer Albert Einstein war, weiß in China - fast - jedes Kind. Allerdings: Dass er Jude und ein leidenschaftlicher Verfechter eines Judenstaates war, ist nicht so bekannt. Nach dem Willen des Pekinger Kulturministeriums soll dies auch so bleiben.

Albert Einstein: In China nicht erwünscht
AP

Albert Einstein: In China nicht erwünscht

Die israelische Regierung hat jetzt eine Wanderausstellung über den Erfinder der Relativitätstheorie und Nobelpreisträger von 1921 zurückgezogen, die ursprünglich ab Ende dieser Woche in Peking und in vielen anderen Städten des Reiches der Mitte gezeigt werden sollte. Grund für den Eklat: Die Kulturbürokraten verlangten von der Hebräischen Universität Jerusalem, wichtige Fakten zu verschweigen: etwa dass der 1955 gestorbene Einstein Zionist und sogar als Präsident Israels im Gespräch war.

Tel Aviv lehnte das seltsame Ansinnen empört ab. "Wir können die Geschichte nicht fälschen", sagt Amir Sagie von der israelischen Botschaft in Peking.

Was genau Pekings Zensoren in Aufregung versetzte, bleibt unklar, denn sie tun derzeit das, was die meisten Angehörigen dieser Zunft in der ganzen Welt tun: Sie hüllen sich in düsteres Schweigen. Sagie: "Sie wollen nichts sagen." Fragen der Israelis beantworteten sie allenfalls mit jener Abwehrformel, die Pekings Kader Kritikern immer wieder gerne zurufen: "Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Volksrepublik China."

So bleiben nur Spekulationen. Die am nächsten liegende: Peking wollte seine palästinensischen Freunde nicht beleidigen. Ob die sich allerdings durch die aus Dokumenten, Notizen und Fotos bestehende Ausstellung und die Tatsache, dass Einstein Zionist war, überhaupt getroffen gefühlt hätten, bleibt dahingestellt.

Zudem gibt es triftigere Gründe für Verstimmung auf palästinensischer Seite: Tausende von chinesischen Gastarbeitern ersetzen inzwischen die Palästinenser, die derzeit nicht nach Israel einreisen dürfen.

Die Waffenhändler Israels und Chinas scheinen sich zudem zum Beispiel blendend zu verstehen. Jüngst erwog Tel Aviv sogar, mehrere AWACS- Radarflugzeuge "Phalcon" an die Volksbefreiungsarmee zu verkaufen. Der Milliardendeal scheiterte im Jahr 2000 vermutlich am Einspruch Washingtons. Tel Aviv soll den Chinesen mittlerweile eine Kompensation für den erzwungenen Vertragsbruch gezahlt haben.

Vielleicht wollten die Pekinger mit Hilfe des unschuldigen Einstein aber auch nur ihr Mütchen kühlen. Denn Anfang Juli hatten sich israelische Politiker bei einem Treffen mit Vizepremier Qian Qichen über Pekings politische Nähe zum Irak, Iran und zu Syrien beschwert. "China ist enger Freund Iraks, und Irak ist ein Terroristenstaat", erklärte etwa der Knesset-Abgeordnete David Magen - eine Beleidigung, die kein chinesischer Mandarin ignorieren kann.

Fest steht: Die Chinesen müssen auf die Einstein-Schau verzichten. Freilich nicht alle: Die nach Ansicht Pekings abtrünnigen Landsleute auf Taiwan haben angeboten, die Ausstellung unzensiert zu zeigen.

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