Berlin - "Wir laufen Gefahr, in eine Phase zurückzufallen, die Europa jahrhundertelang dominierte und in der es ein Gaudium war, Missetäter oder Ungläubige vor einem johlenden Publikum zu quälen und zu töten", sagte Nida-Rümelin.
"Nachdem wir mühselig eine Humanisierung der Gesellschaft erreicht haben, im 20. Jahrhundert unterbrochen durch den Nationalsozialismus, den Stalinismus sowie die Gräuel des Zweiten Weltkrieges und des Völkermordes, laufen wir jetzt Gefahr, die positive Entwicklung über den Umweg bestimmter Medieninhalte wieder umzukehren." Darüber müsse dringend eine öffentliche Debatte geführt werden, die nicht gleich wieder verstummen dürfe, wie nach den schrecklichen Amokläufen von Littleton in den USA oder Erfurt zu beobachten gewesen sei. Dabei spielten sicherlich auch starke ökonomische Interessen eine Rolle.
"Das Thema darf im Interesse der ganzen Gesellschaft nicht im Sand verlaufen", betonte der Staatsminister. "Wir erleben doch eine permanente Zunahme von Gewalt in unterschiedlichster Form in vielen Medien, ob Free-TV, Online oder in den Kinos, die doch auffällige Parallelen hat zu bestimmten Gewaltformen insbesondere unter Jugendlichen."
Zum Beispiel habe es Schul-Amokläufe nicht gegeben, bevor sie nicht in den Medien erfunden worden seien. "Das ist ein Faktum, das muss jedem zu denken geben. Schulamokläufe sind eine Erfindung der Medien, ein Fantasieprodukt, das jetzt in die Realität vorgestoßen ist. Es gab keinen einzigen Schul-Amoklauf in der Geschichte, bevor er nicht in den Medien stattgefunden hat."
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