Von Werner Theurich
Das Comeback der "Easy Listening"-Musik in den neunziger Jahren überraschte zwar viele, doch es stellte zumindest ein paar Dinge klar: James Last klingt nach wie vor leicht flach und öde, aber Henri Mancinis "Moon River" hat Herz. Doch es gab ja auch noch den schon 1980 verstorbenen Bert Kaempfert, der den Amerikanern gezeigt hatte, wie kühl, frisch und klar Musik klingen konnte, die ein "Hamburger Jung" offenbar nur so aus dem Ärmel schüttelte. Ökonomische, schlanke Flächensounds, akzentuiert durch den berühmten "Knackbass" und befüttert mit unwiderstehlich griffigen Melodien: Das war das Rezept von Bert "Fips" Kaempfert, der am 23. Oktober 1923 in Hamburg-Barmbek als Sohn eines theaterbesessenen Kulissenmalers das Licht der Hansestadt erblickte.
Bert Kaempfert war ein hingebungsvoller Musiker. Er liebte und respektierte seine Instrumentalisten wie den Trompeter Charlie Tabor, seine Vertragspartner, Verlage und Schallplattenfirmen schätzen ihn als bescheidenen und ruhigen Fairplayer. Neben der Studioarbeit liebte er das Angeln und Kartenspiel - Kaempfert konnte auch von Herzen faul und munter sein. Trotzdem war er berühmt für seine Zuverlässigkeit, auch wenn es darum ging, mal eben auf den Punkt genau ein paar neue Hits zu schreiben.
Doppel-CD "The Bert Kaempfert Story": "Danke Schoen" für Fans
Deutschland war zu diesem Zeitpunkt nicht seine Domäne, wenn auch die markante "Wonderland"-Trompete und der Breitwand-Sound seines Orchesters sich zum Markenzeichen einer neuen Musik entwickelt hatte. Der Begriff "Easy Listening" war inzwischen geboren, und Kaempfert schlug eine Brücke zwischen Jazz und Pop, als sich der Rock'n'Roll zur Armeezeit von Elvis Presley zunächst eine Auszeit genommen hatte. Gefällig, eingängig, unkompliziert und konsumierbar: Dem US-Publikum behagte diese musikalische Cleverness offenbar mehr als den Deutschen, die brachialen Schlagerschmelz oder schlichte Caféhausmusik bevorzugten. Später wurde Kaempferts Musik von den Radios vereinnahmt, als es noch atmosphärische Sendungen mit Titeln wie "Melodie und Rhythmus" gab, die dem Sonntagmorgen klangliches Flair verliehen.
Im Gegensatz zu anderen erfolgreichen Musiker Anfang der sechziger Jahre kümmerte sich Bert Kaempfert als Berater seiner deutschen Plattenfirma Polydor auch um andere Sounds neben seiner eigenen Musik. Als hinter dem damals sehr berühmten und erfolgreichen Rocker Tony Sheridan eine recht schrille Begleitband spielte, die auch eigene Songs schrieb, versuchte Kaempfert alles, diese der Polydor anzudienen. Ohne Erfolg - man wollte nicht so Recht an das Potenzial der Beatles glauben. Kaempfert konnte es letztlich egal sein, denn 1966 zeigte er noch einmal allen, wo der Hammer hing, als er mit "Strangers In The Night" die Beatles und die Rolling Stones in den internationalen Charts abhängte und mit dem schmusigen Ohrwurm-Song obendrein Frank Sinatra zu einem Comeback verhalf.
Kaempfert-Biografie: Locker plaudernder Reporterton
Überhaupt hatte Bert Kaempfert einer Menge Künstler, Sänger zumeist, in entscheidenden Phasen ihres Werdegangs entscheidende Impulse verpasst. Al Martino bescherte er mit "Spanish Eyes" den Superhit seiner Karriere, er arbeitete für Dean Martin ebenso wie für Sammy Davis Jr., für Nat "King" Cole wie für Shirley Bassey. Kaempferts Tochter Doris hatte Ende 2002 für seine ehemalige Plattenfirma Polydor die Doppel-CD "The Bert Kaempfert Story - A Musical Biography" zusammengestellt, die nicht nur Kaempferts Original-Songs, sondern auch die Interpretationen der großen Kollegen von Sinatra und Bassey bis Martino und Matt Monro beinhaltet. Sixties-Star Wayne Newton steuerte den Song bei, der zum klassischen Showstopper und einer weiteren Kaempfert-Hymne wurde: "Danke Schoen".
Kurz vor Erscheinen des Albums hat der Berliner Regisseur, Schauspieler und Journalist Marc Boettcher die erste Biografie von Bert Kaempfert veröffentlicht, "Stranger In The Night". Verfasst im locker plaudernden Reporterton, fächert Boettcher eine Menge Fakten, Anekdoten und Zitate auf, die aus verschiedenen Blickwinkeln dem Menschen Bert Kaempfert und seinem sozialen Hintergrund Profil geben. Angereichert mit vielen Fotos und einer informativen CD, die neben seltenen Live-Aufnahmen auch Interviews enthält, bietet "Stranger In The Night" ein unterhaltsames und detailliertes Bild nicht nur Kaempferts, sondern auch der Popgeschichte der letzten 50 Jahre. Mit rund 400 Kompositionen hat Bert Kaempfert einen ansehnlichen Teil dazu beigetragen und sich zum Zeitpunkt seines Todes mit nur 56 Jahren bereits einen Platz im Pop-Olymp gesichert. Postum folgte auch noch der irdische Ruhm: 1993 wurde er in die amerikanische "Songwriters' Hall Of Fame" aufgenommen, wo er nach wie vor als einziger deutscher Künstler vertreten ist. In Hamburg sagt man "Tschüss", in den USA immerhin "Danke schoen".
"The Bert Kaempfert Story - A Musical Biography" (Polydor/Universal), veröffentlicht am 25. November 2002
Marc Boettcher: "Stranger In The Night - Die Bert Kaempfert Story" (Europäische Verlagsanstalt 2002), 280 Seiten, ca. 25 Euro
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