Von Marianne Wellershoff
Berlin - Der Regisseur machte gestern nacht nur seinen Job: Er brachte die Emotionen ins Bild, weil Emotionen doch das Erfolgskonzept von "Deutschland sucht den Superstar" sind. Als Carsten Spengemann und Michelle Hunziker um 0.32 Uhr mitteilten, Gracia müsse die Sendung verlassen, ertönte ein Schrei aus dem Off. "Neiiin", heulte Daniel Küblböck laut - und der Regisseur schaltete um auf die andere Kamera, auf den weinenden Fast-schon-Superstar Küblböck, der mit Gracia lange das Zimmer geteilt hatte.
Daniel wand sich, er schluchzte, er fiel im Weinkrampf von der Bank. Vergeblich versuchten die anderen, ihn zu beruhigen. Und das Studiopublikum buhte das Fernsehpublikum aus, weil es die Falsche in die nächste Sendung gewählt hatte: die hübsche, mäßig begabte Vanessa, auf die alle in der Jury gerne verzichten würden. Hätte die viel talentiertere Gracia nicht so etwas wie die deutsche Céline Dion werden können?
Emotionsausbrüche aus der Wiederholung geschnitten
Und Küblböck schluchzte immer noch, und Hunziker sagte: "Das mache ich nicht mehr mit", und: "Das ist peinlich." Spengemann sagte nichts. Aber Hunziker machte dann doch mit, kündigte den kurzen Einspielfilm über Gracias vergangene "Superstar"-Karriere an. Kurz darauf waren wieder die traurig-glücklichen Rest-Superstars im Bild. Ohne Küblböck allerdings, den man rasch aus dem Studio geschafft hatte.
Heute morgen fehlten in der Wiederholung der Sendung die Bilder des völlig überforderten und verzweifelten Teenagers, der, wie Dieter Bohlen mal erklärt hat, "eine Schraube locker" habe, und der, wie "Bild" kurz vor der Sendung enthüllte, zwei Jahre im Heim verbracht hatte. Und es fehlte auch Hunzikers spontaner Ausbruch.
Ach so "gut drauf"
"Diese Bilder würden nicht mehr den Ist-Stand zeigen", erklärt der RTL-Sprecher Christoph Körfer am Sonntag. Denn Küblböck habe nach der Sendung mit seinen Eltern und mit der von RTL engagierten Psychologin gesprochen und sei beim anschließenden Beisammensein des "Superstar"-Teams wieder "gut drauf" gewesen. Damit daran auch keiner Zweifel hat, wird Küblböck die Bilder seines Zusammenbruchs in dieser Woche noch mal selbst kommentieren.
Aber was passiert, falls Küblböck irgendwann selbst die nächste Runde nicht mehr erreicht? Keine Sorge, die RTL-Psychologin wird hinter den Kulissen wieder für Schadensbegrenzung sorgen. Denn: Es ist ja alles nur eine Show, and the show must go on.
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