Von Frank Patalong
Als Daniel K. eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich wenig später in einem Aquarium liegend von ungeheuerem Ungeziefer bekrabbelt. 30.000 Küchenschaben regneten auf den lustig Quietschenden herab, der dem Publikum seine Angst und seinen Ekel zwischen verzweifelten Augenaufschlägen, ganz vielen Kuschlern mit seinen Mitspielern, kleinen Wein-Anfällen und hysterischen Kicksern im kümmerlichen Stimmchen so gekonnt glaubhaft gemacht hatte.
Jetzt lag er in der gläsernen Schau-Auslage der dritten "Dschungelprüfung" und wedelte so elegant mit den kokett an den Körper gezogenen Beinchen, als sei er eine Filmdiva der Fünfziger, die - ihrer Lauffähigkeit zeitweilig beraubt - vom Helden getragen aus dem Gefahrenbereich gerettet werden muss. Und was sagt meine Frau zu dieser Farce?
"Wow! Das hätte ich dem nicht zugetraut."
Wie bitte? Ein denkender, erwachsener Mensch, mir zudem persönlich bestens bekannt, findet etwas Positives zu sagen über Daniel K., die Verkörperung der deutschen Volksverbohlung? Über dieses zwecks Profitmaximierung kurzzeitig zum "Superstar" aufgeblasene Früchtchen, das inzwischen dermaßen out ist, dass er sich als Pfadfinder-Darsteller in einem Reha-Projekt für abgehalfterte Semi-Promis in Erinnerung bringen muss? Seine Karriere auf dem zweiten Anbiederungsweg sucht?
Sieht ganz so aus. Das muss man erst einmal sacken lassen, da muss man sachlich drüber nachdenken. Wie hat es soweit kommen können? Was war geschehen?
Der Dschungel, ein Strohhalm
Nach eineinhalb Jahren in der Verwertungskette schien Küblböck "auf dem absteigenden Ast" (Caroline Beil). Teil des zynischen Theaters um seine Person war von vornherein die feste Erwartung, dass Küblböck scheitern würde: In einem Jahr, so die landläufige Meinung, kennt den keiner mehr.
Die Rettung für Daniel K. nahte in Form eines als Quotenmaschine angelegten, wie üblich aus dem angelsächsischen Fernsehen geklauten TV-Formats mit dem einprägsamen Namen "Ich bin ein Star! Holt mich hier raus!" Alle aktuellen Trends brechend und ignorierend verzichtete RTL erstens darauf, die Sendung mit "IBESHMHR" abzukürzen und reanimierte mit ihr zweitens das ausgelutschte Big-Brother-Konzept. Immerhin casteten die Verantwortlichen als Zugeständnis an den Trend mit Costa Cordalis eine Figur ins "Team", die sich als Sänger profilieren will, die aber niemand hören will.
Und Daniel?Eins nach dem anderen. Um die Metamorphose des Daniel K. begreifen zu können, muss man sich erst einmal sein augenblickliches Umfeld ansehen.
Das besteht aus einer wild zusammengewürfelten Truppe von Weiblein und Männchen, die eigentlich nur eines eint: Es kennt sie kaum einer; entweder, weil sie noch um den Durchbruch ringen, oder aber, weil Australien für sie eine Art mediales Gnadenbrot nach dem Ende der Karriere darstellt.
Bei manchen, wie Susan Stahnke, ist man sich nicht sicher, in welche Kategorie sie gehören. Was man aber schnell heraus hat, ist die so offensichtlich und platt vorarrangierte Rollenverteilung in der seltsamen Pfadfindergruppe.
Das "Camp": ein Kaspertheater
Deren Aufgabe besteht darin, den größten Teil des Tages herumzuhängen und sich bei schlechtem Essen gegenseitig auf den Keks zu gehen. Ab und an streut RTL ein kleines Spielchen wie zum Beispiel "Schnitzeljagd" ein - wozu tragen die Leuts sonst Pfadfinderuniformen?
Die Damen scheinen dazu verpflichtet zu sein, ab und zu in sehr knappen Bikinis baden zu gehen. Der sich als völlig charakterfrei outende Ex-Hochspringer Carlo Thränhardt mimt mit der angeblich irgendwo irgendwas moderierenden Caroline Beil (passender Name) den hinterfotzig-linken Ober-Ablästerer. Die eventuell Neidgetriebene meckert dann schon mal gern über das unerträglich niedrige Gesprächsniveau, das die anderen Idioten der Gruppe pflegen, bevor sie mit Carlo das wichtige Thema vertieft, ob Mariellas beeindruckende Brüste nun operiert sind oder nicht.
Derweil brilliert Werner Böhm als eigentümliche Hamlet-Kasper-Gestalt, und während sich die restlichen Statisten bemühen, als Personen wahrgenommen zu werden, hat die anpackende Lisa Fitz als Campmutter das Heft fest in der Hand. Spätestens an diesem Punkt kippt alles ab in eine dumm-deutsche Realsatire. Der gestrige Höhepunkt: Die sachlich geführte Grundsatzdiskussion über die Pflege der Toilettenbrille. Auch nach dem Aufstehen, erinnerte Frau Fitz, könne man sich doch kurz einmal umdrehen und nachsehen, ob es da nicht noch ein wenig getröpfelt habe. Das mache man dann eben weg. Das sei doch wohl nicht zu viel verlangt.
Unter dem Strich ist das alles unglaublich langweilig und belanglos, gekünstelt inszeniert und unglaubwürdig. Die treffendste Analyse liefert am vierten Tag eine der Frauen: Irgendwie sei nur der Daniel er selbst. Und "wenn einer so ist, wie er ist, finde ich das immer gut".Ja. Nach vier Tagen IBESHMHR ertappe ich bekennender Kübelböck-Verächter mich, wie ich nicke.
Daniel K. ist der einzige in diesem Medien-Pack, der einigermaßen echt ist. Was geschieht hier? Mit mir, mit uns, mit ihm?
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