Von Frank Patalong
Von der ersten Sendeminute an war Küblböck der Prügelknabe. Dazu muss man noch etwas zum Sendekonzept wissen: Die Zuschauer dürfen per Telefon-Abstimmung nicht nur für Profit sorgen, sondern auch entscheiden, wer als nächstes im Rahmen einer "Dschungelprobe" genannten pubertären Mutprobe gequält wird. Dreimal in Serie hieß die Antwort natürlich "Daniel".
Zuerst war das lustig. Würde sich dieser weinerliche Luschi überwinden können? Als wie mediengeil würde er sich entpuppen? Was würde so ein Kübelbock noch alles tun, um doch noch Karriere zu machen? Ein klarer Appell an die sadistische Seite der Volksseele.
Die sollte eine Überraschung erleben
In seiner ersten Probe hangelte sich Küblböck bestens gesichert über eine wacklige Hängebrücke. Die Zuschauer quittierten es mit einer weiteren Verurteilung. Küblböck zeigte Nerven: Er habe keinen Bock, den Prügelknaben, den Affen zu machen. Einmal mache er noch mit, aber wenn das noch mal vorkomme, steige er aus.
Au weia, da ging den RTL-Mächtigen aber der Arsch auf Grundeis. Denn für den weiteren Verlauf der Sendung gibt es nur zwei Worst-Case-Szenarien:
Alpträume für Medien-Manager, doch noch ist es nicht so weit. Denn plötzlich geschieht es: Die Metamorphose des Daniel K..
Als Daniel K.'s Körperchen unter 30.000 Kakerlaken verschwindet, spürt selbst noch der härteste Couch-Kerkermeister den Keim des Respekts.
Respekt!
Respekt für Küblböck!
Respekt für Küblböck?
Ja, fast. Noch einmal entscheidet das gnadenlose Publikum, den Daniel auch in die nächste Dschungelprüfung zu schicken. Deutschland fühlt dem Superstar auf den Zahn: Bist du echt? Haben wir uns geirrt?
Panik hinter den Kulissen. Vor laufender Kamera appellieren Moderatoren wie Kandidaten immer wieder, den Daniel in Ruhe zu lassen. Küblböck lässt sich zu einer weiteren Mutprobe rühren.
Wieder liegt es allein an ihm, ob er und seine Mit-Kandidaten Abendessen bekommen oder nicht. Was für ein Anreiz, was für ein Druck, man muss sich das mal vorstellen: Wer bei der Dschungelprüfung versagt, muss ohne Essen ins Bett, und alle anderen auch. Wahnsinn.
Dem ist auch der Daniel nah, als die erste Wasserspinne im "Terror-Aquarium" auf seinen Kopf fällt.
Das Nein: Geburt eines Stars
Und dann geschieht etwas Unglaubliches: Der Küblböck, der für seine Karriere angeblich doch alles tun soll, verweigert sich. Er zieht den Kopf aus dem Aquarium, noch bevor ihn die ersten Aale von den Spinnen befreien können. Er sagt Nein, "ich will nur weg!". Er versagt, versagt sich, rennt zurück ins Camp. Er macht den Couch-Kerkermeistern nicht den Kasper, lässt sich nicht vorführen, noch lächerlicher machen, zieht die Notbremse.
Am Ende der Sendung wählen die Zuschauer das Lästermaul Caroline, sie muss sich als nächstes zum Affen machen.
Endlich konzentriert sich die Kamera einmal nicht nonstop auf Daniel K., beobachtet stattdessen die teils betretenen Gesichter der anderen. Küblböck holt sich derweil erleichtert ein Drückerchen bei Mama Fitz, und irgendwie lacht man jetzt anders darüber: Mit ihm, nicht über ihn.
Zum ersten Mal ist Küblböck wirklich ein Star.
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