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Wunder im Dschungel Die Metamorphose des Daniel K.

2. Teil: Es tut sich was: Da keimt Sympathie, wo vorher Abneigung war. Mitleid statt Schadenfreude. Wird aus Wurm Daniel K. wirklich ein Held? Weiter...

Von der ersten Sendeminute an war Küblböck der Prügelknabe. Dazu muss man noch etwas zum Sendekonzept wissen: Die Zuschauer dürfen per Telefon-Abstimmung nicht nur für Profit sorgen, sondern auch entscheiden, wer als nächstes im Rahmen einer "Dschungelprobe" genannten pubertären Mutprobe gequält wird. Dreimal in Serie hieß die Antwort natürlich "Daniel".

Kübelböck-Qual: Von den Zuschauern verdonnert, unter 30.000 Kakerlaken Puzzlespielchen zu spielen
DPA/ RTL

Kübelböck-Qual: Von den Zuschauern verdonnert, unter 30.000 Kakerlaken Puzzlespielchen zu spielen

Zuerst war das lustig. Würde sich dieser weinerliche Luschi überwinden können? Als wie mediengeil würde er sich entpuppen? Was würde so ein Kübelbock noch alles tun, um doch noch Karriere zu machen? Ein klarer Appell an die sadistische Seite der Volksseele.

Die sollte eine Überraschung erleben

In seiner ersten Probe hangelte sich Küblböck bestens gesichert über eine wacklige Hängebrücke. Die Zuschauer quittierten es mit einer weiteren Verurteilung. Küblböck zeigte Nerven: Er habe keinen Bock, den Prügelknaben, den Affen zu machen. Einmal mache er noch mit, aber wenn das noch mal vorkomme, steige er aus.

Au weia, da ging den RTL-Mächtigen aber der Arsch auf Grundeis. Denn für den weiteren Verlauf der Sendung gibt es nur zwei Worst-Case-Szenarien:

    1. Küblböck könnte wirklich aussteigen. Der Rest der Serie hätte dann den Sex-Appeal eines "Wort zum Sonntag" - und wohl ähnliche Einschaltquoten.
    2. Überhaupt keiner der Semi-Promis ist bereit, auszusteigen. Selbst zunehmend sadistische "Dschungelproben" jenseits aller Ekelgrenzen können die verzweifelten Ex-Promis nicht abschrecken. IBESHMHR mutiert zur nächsten Lindenstraße, der Dschungel assimiliert die Darsteller. RTL stellt die Sendung nach acht Jahren ein, muss die neunköpfige Gruppe gealterter, ehemaliger Promis aber aufgrund von Verträgen weiter versorgen. Costa Cordalis eröffnet ein Ashram, wo einst das "Dschungeltelefon" stand, und Susan Stahnke lässt sich vom "Playboy" nackt bei der wöchentlichen rituellen Geißelung fotografieren, an die die RTL-Zuschauer sie acht Jahre lang gewöhnt haben.

Alpträume für Medien-Manager, doch noch ist es nicht so weit. Denn plötzlich geschieht es: Die Metamorphose des Daniel K..

Als Daniel K.'s Körperchen unter 30.000 Kakerlaken verschwindet, spürt selbst noch der härteste Couch-Kerkermeister den Keim des Respekts.

Respekt!
Respekt für Küblböck!
Respekt für Küblböck?

Ja, fast. Noch einmal entscheidet das gnadenlose Publikum, den Daniel auch in die nächste Dschungelprüfung zu schicken. Deutschland fühlt dem Superstar auf den Zahn: Bist du echt? Haben wir uns geirrt?

Panik hinter den Kulissen. Vor laufender Kamera appellieren Moderatoren wie Kandidaten immer wieder, den Daniel in Ruhe zu lassen. Küblböck lässt sich zu einer weiteren Mutprobe rühren.

Wieder liegt es allein an ihm, ob er und seine Mit-Kandidaten Abendessen bekommen oder nicht. Was für ein Anreiz, was für ein Druck, man muss sich das mal vorstellen: Wer bei der Dschungelprüfung versagt, muss ohne Essen ins Bett, und alle anderen auch. Wahnsinn.

Dem ist auch der Daniel nah, als die erste Wasserspinne im "Terror-Aquarium" auf seinen Kopf fällt.

Das Nein: Geburt eines Stars

"Terror-Aquarium": Es gibt eine Grenze
RTL

"Terror-Aquarium": Es gibt eine Grenze

Und dann geschieht etwas Unglaubliches: Der Küblböck, der für seine Karriere angeblich doch alles tun soll, verweigert sich. Er zieht den Kopf aus dem Aquarium, noch bevor ihn die ersten Aale von den Spinnen befreien können. Er sagt Nein, "ich will nur weg!". Er versagt, versagt sich, rennt zurück ins Camp. Er macht den Couch-Kerkermeistern nicht den Kasper, lässt sich nicht vorführen, noch lächerlicher machen, zieht die Notbremse.

Am Ende der Sendung wählen die Zuschauer das Lästermaul Caroline, sie muss sich als nächstes zum Affen machen.

Endlich konzentriert sich die Kamera einmal nicht nonstop auf Daniel K., beobachtet stattdessen die teils betretenen Gesichter der anderen. Küblböck holt sich derweil erleichtert ein Drückerchen bei Mama Fitz, und irgendwie lacht man jetzt anders darüber: Mit ihm, nicht über ihn.

Zum ersten Mal ist Küblböck wirklich ein Star.

P.S.: Aus einem Beitrag im Forum von SPIEGEL ONLINE:

    Im Grunde sind doch alle glücklich: Die "Promis", weil sie für die Sado-Maso-Tour mit Schlagzeilen-Orgasmen belohnt werden. Das Publikum, weil es sich für zugefügtes Leid revanchieren kann. Und die Eltern von "Superstar"-Aspiranten, die nun ein unschlagbares Argument haben: "Wenn Du Dich von Bohlen casten läßt, dann landest Du eines Tages im Dschungel und wirst von fiesen Käfern gefressen."
    Zitat: Christian Simons
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