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09.07.2004
 

PR im Fernsehen

ZDF will Schleichwerbung abschaffen

Thomas Gottschalk wird auf seine Gummibärchen verzichten müssen: Der ZDF-Fernsehrat hat sich auf seiner Sitzung in Berlin gegen Schleichwerbung in TV-Serien oder Spielshows entschieden. PR für Handys oder Pkw soll es künftig nicht mehr geben. Verzichten muss der Sender auf Einnahmen von bis zu 20 Millionen Euro.

ZDF-Show "Wetten, dass...?" (mit Thomas Gottschalk): Gummibärchen werden abgeräumt
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DPA

ZDF-Show "Wetten, dass...?" (mit Thomas Gottschalk): Gummibärchen werden abgeräumt

Berlin - Handy-Werbung bei "Wetten, dass...?" soll es künftig nicht mehr geben. Der Fernsehrat stimmte am Freitag Vorschlägen des ZDF-Intendanten Markus Schächter zu, wonach die Mainzer Sendeanstalt künftig auf die Einbindung von Produkten in fiktionale Sendungen verzichten und in anderen Sendungen im Abspann auf solche Kooperationen hinweisen will. Auf Zustimmung stießen zudem die Pläne, die gebührenpflichtigen 0190er-Nummern nicht mehr zu schalten und die Kooperation mit T-Online zu beenden.

Fernsehrats-Vorsitzender Ruprecht Polenz (CDU) unterstrich, das Gremium habe auf die Entscheidung des Senders im Bereich Werbung "entscheidend mit hingewirkt". Damit reagierten Schächter und der Fernsehrat auf heftige Kritik, die sich an verdeckter PR, also Schleichwerbung, unter anderem in der Show "Wetten, dass...?" und in der Vorabendserie "Sabine" entzündet hatte.

Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge zahlte der Autokonzern VW 550.000 Euro, um in der Show "50 Jahre Rock" mit Thomas Gottschalk einen Wagen zu zeigen. Für 150.000 Euro habe der Lexika-Verlag Brockhaus bei der Show "Unsere Besten" mitwirken dürfen. Und dem Kaufhauskonzern Kaufhof sei es 800.000 Euro wert gewesen, seine Produkte in der Serie "Samt und Seide" zu platzieren. Insgesamt beliefen sich die Einnahmen durch Kooperationen und Gewinnspiele, die das Zweite ebenfalls reduzieren will, im vergangenen Jahr auf 20 Millionen Euro.

Schächter wollte diese Summe nicht bestätigen. Seinem Sender gingen durch den Verzicht aber rund ein Drittel seiner Kooperations-Einnahmen verloren, sagte der Intendant. Schächter unterstrich, bei Shows sei eine Zusammenarbeit mit Firmen nicht gänzlich zu vermeiden. Den finanziellen Verlust will das Zweite durch Effizienzsteigerung und Ausgabenminderung ausgleichen.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) hatte Mitte Juni als Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder vorgeschlagen, ARD und ZDF bei der Schleichwerbung von den eigentlich für die Privatsender zuständigen Landesmedienanstalten kontrollieren zu lassen.

Der auf zwei Jahre wieder gewählte Fernsehrats-Vorsitzende Polenz sagte, die Landesmedienanstalten sollten sich nicht um neue Aufgaben bemühen, sondern das Programm der Privaten gesetzesgerecht überwachen. Zudem funktionierten die Kontrollorgane beim ZDF - der Medienschutzbeauftragte und der Fernsehrat - sehr gut, wogegen die Kontrolle der Privaten "massiv verbesserungswürdig" sei.

Grundsätzlich gab der Fernsehrat grünes Licht für die zum Oktober geplante Selbstverpflichtung des Zweiten, die auch das Aus für Schleichwerbung umfassen wird. Ferner wird der Text das Verhältnis der einzelnen TV-Bereiche zueinander festlegen. Laut Schächter wird der Anteil an Information im ZDF auf 40 Prozent, der von fiktionalen Sendungen auf 30 Prozent festgeschrieben. Shows, Kindersendungen und Sport würden jeweils sieben Prozent ausmachen.

Der Fernsehrat will am 2. September endgültig über die Neufassung entscheiden. Die Bundesländer hatten im 7. Rundfunkänderungsstaatsvertrag von ARD, ZDF und Deutschlandradio eine Selbstverpflichtung verlangt.

Christina Denz, ddp

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